„Wir wollen ein Nachtflugverbot“

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Rund 1300 Menschen waren am Donnerstagabend zur Veranstaltung gegen Fluglärm im Heusenstammer Kulturzentrum Martinsee.

Heusenstamm ‐ Die vier Stunden lange Diskussion war zum Teil hitzig. Mancher Redner wurde gar ausgebuht. Jede Seite hat ihre Position ausführlich dargelegt. Von Claudia Bechthold

Zahlen wurden genannt, die mit anderen Zahlen widerlegt werden sollten, technische Details erläutert, die am Ende doch nur die Fachleute verstanden haben. Rund 1300 Menschen waren am Donnerstagabend im Heusenstammer Sport- und Kulturzentrum Martinsee, um sich über das Maßnahmenpaket des Flughafenforums zu informieren, das die Anwohner vom Lärm entlasten soll, aber vielen Menschen mehr Lärm bringen wird, als sie bisher haben.

Das Interesse der Bürger war so groß, dass sogar rund 150 Menschen nach Hause geschickt werden mussten, weil die Kapazität des Saales erschöpft war.

Podium war hochkarätig besetzt

Was die Menschen vor allem im Osten des Kreises Offenbach wirklich auf die Barrikaden bringt, das sind Veränderungen bei den Anflugrouten, die die Flieger über Gemeinden führen sollen, die bislang nur wenig von Fluglärm betroffen waren. Neben Heusenstamm, dessen Bürgermeister Peter Jakoby die Veranstaltung am Donnerstag initiiert hatte, sind dies Obertshausen, Rodgau, Seligenstadt, Hainburg und Großkrotzenburg. Neu-Isenburg, ebenfalls vertreten, leidet schon immer massiv unter den Starts und Landungen auf dem Rhein-Main-Flughafen.

Hochkarätig besetzt war das Podium in der Schlossstädter Mehrzweckhalle, die Experten jener Kommission fast vollzählig vertreten, die das Maßnahmenpaket ausgearbeitet hatten. Einzelne erläuterten die Vorschläge. Das Publikum indes zeigte schon an dieser Stelle wenig Verständnis: Regine Barth vom Öko-Institut, die für die Kommission erläutern wollte, wie die Auswirkungen des Fluglärms für die Menschen gemessen und bewertet werden, wurde ausgebuht, musste ihren Vortrag vorzeitig abbrechen.

Immer wieder kochten die Emotionen hoch

Mehr Redezeit als vorgesehen erhielt indes die Bürgerinitiative „Anflug mit Ruhe“, die sich derzeit zum Verein mausert und mit Dr. Tobias Taetzner einen wortgewandten Sprecher hat.

Immer wieder kochten die Emotionen hoch, klatschten die Zuhörer oder störten mit Buh-Rufen einen Beitrag. Das Misstrauen gegenüber den Vertretern von Flughafenforum und Deutscher Flugsicherung wuchs an diesem Abend zunehmend.

Das Nachtflugverbot durchzusetzen müsse das Thema sein, dass die Menschen in der Region zusammenführe, appellierte Landrat Oliver Quilling (CDU) gegen Ende des Abends und versprach, dass die Diskussion an diesem Abend nicht der Schlusspunkt sein könne und werde. Und so hatte es auch Heusenstamms Bürgermeister Jakoby zu Beginn formuliert: „Die Menschen in der Region werden ein absolutes Nachtflugverbot einfordern, und zwar ohne wenn und aber.“ Dies habe er auch schon Ministerpräsident Volker Bouffier angekündigt.

Quelle: op-online.de

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