Erfahrungen Heusenstammer Brandschützer

„Wir wollen die Toleranz fördern“

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Eine Gemeinschaft, die zusammenhält: Die Mannschaft der Heusenstammer Wehr.

Heusenstamm - Zu wissen, man ist niemals allein. Das ist einer der Aspekte, die Thomas Kreis an der Gemeinschaft in der Feuerwehr schätzt. Seit 1979 ist der heute 45-Jährige dabei. Zunächst als Jugendlicher in Rembrücken, später in Heusenstamm. Von Claudia Bechthold

Anders als bei einer Freiwilligen Feuerwehr in Nordhessen, die nach massiven Konflikten die Austritte von 30 Aktiven - darunter fast die komplette Führung - hinnehmen musste, funktioniert die Kameradschaft bei der Heusenstammer Wehr. Aber, warum ist das so? Wir haben mit vier Aktiven gesprochen.

Die Schlossstädter haben im vergangenen Jahr gemeinsam ein Leitbild erarbeitet und beschlossen. Darin heißt es unter anderem: „Wir wissen, dass die Bildung einer echten Gemeinschaft ein Kapital verkörpert, das unsere Aktivitäten entscheidend prägt. Die Feuerwehr funktioniert nur dank den Erfahrungen, den Fähigkeiten, der Einsatzbereitschaft und dem Willen aller Feuerwehrangehörigen. Wir wollen die Persönlichkeit jedes Einzelnen anerkennen und zum Nutzen der Gemeinschaft einsetzen. Wir wollen die kameradschaftliche Zusammenarbeit und Toleranz fördern.“ Jedes Mitglied ist gefordert, sich selbst daran zu halten und immer wieder darauf zu achten, dass es auch andere tun.

„Das Miteinander, die Art des Umgangs“

„Das Miteinander, die Art des Umgangs“ sind für Thomas Kreis ganz wichtige Aspekte, sich aktiv in der Einsatzabteilung zu engagieren, immer wieder rund um die Uhr, auch mitten in der Nacht oder am freien Wochenende auszurücken, weil der Piepser die Brandschützer alarmiert. „Man weiß einfach, es wird einem immer geholfen, auch ein Schwächerer wird immer mitgenommen“, sagt er. Sicher gebe es auch mal Streit. „Aber das wird geklärt, und es wird einem nie übel genommen.“ Dazu zähle außerdem die Hilfsbereitschaft untereinander: „Es kommt immer jemand und fragt, ob er helfen kann, egal ob es bei der Feuerwehr ist oder privat.“

Nach der Jugendfeuerwehr hat sich Thomas Kreis aus vielen Gründen fürs Weitermachen entschieden. Große Autos fahren zu können, die Einsätze, das Erlebnis in der Gemeinschaft haben dabei eine Rolle gespielt. Aber auch das Arbeiten mit Technik hat den gelernten Schreiner immer fasziniert. Umso wichtiger ist ihm die Ausbildung, denn „es ändert sich doch ständig etwas“. Und regelmäßiges Auffrischen des Gelernten schade ja auch nicht.

Geselligkeit kommt bei Feuerwehr nicht zu kurz

Und die Geselligkeit? Die kommt bei der Feuerwehr auch nicht zu kurz. Für ihn, sagt Thomas Kreis, fange die Geselligkeit schon an, wenn man nach der Ausbildung oder auch nach einem Einsatz in lustiger, lockerer Runde zusammensitze, und „dazu muss ich nicht unbedingt ein Bier vor mir haben“.

Die Gemeinschaft in der Feuerwehr hat die 24 Jahre alte Katrin Rebell zum Eintritt bewegt, „weil nicht jeder alles kann, aber jeder gebraucht wird“. Ähnlich sieht es Mario Rebell, 27 Jahre alt und nicht mit Katrin Rebell verwandt: „Bei der Feuerwehr kann sich jeder nach seinen Möglichkeiten und Fähigkeiten einbringen.“ Sich in jeder Situation, auch privat, auf den anderen verlassen zu können, ist ihm wichtig, und bei der Feuerwehr erlebt er das immer wieder. „Im Einsatz weiß man immer, der andere hinter oder vor Dir macht keinen Mist“, ergänzt Katrin Rebell. Kameradschaft in der Feuerwehr bedeute aber auch, dass es für alle gilt, egal ob man 18 oder 50 Jahre alt ist, woher man kommt, welche Hautfarbe man hat. „Es macht keinen Unterschied“, betont die IT-Service-Technikerin.

Generationenkonflikt?

Auch Mario Rebell, Student des Bauingenieurwesens, sieht das so: „Einen Generationenkonflikt wie in der nordhessischen Feuerwehr kennen wir nicht. Ich unterhalte mich mit einem 20-Jährigen genauso gut wie mit einem 50-Jährigen. Man hat einfach mit jedem ein Thema.“

In der Uckermark ist der 33 Jahre alte Marco Schmidtke in die Jugendfeuerwehr eingetreten. Auch sein Vater ist dort freiwilliger Brandschützer. Das Interesse an Technik und die Aufgabenvielfalt haben ihn dann später dazu bewogen, als Erwachsener dabei zu bleiben. Wobei ihm auch die Kameradschaft, der Zusammenhalt sehr wichtig sind. Als der Service-Manager im Telekommunikationswesen 1999 nach Heusenstamm gezogen ist, war es für ihn keine Frage, auch zu der Feuerwehr zu gehen. Und man habe ihn schnell akzeptiert, sagt er: „Klar, ich kann nicht mit jedem gleich gut klarkommen, aber ich komme mit jedem gut aus.“

Ausbildung und das „System“

Sehr wichtig ist ihm die Ausbildung, und das „System“, das die Heusenstammer Wehr anwendet, gefällt ihm besonders gut. Denn die rund 50 Mitglieder der Einsatzabteilung bilden sich sozusagen gegenseitig aus. Jedes der wöchentlichen Treffen hat ein am Jahresbeginn festgelegtes Thema. Die Themen werden an Aktive delegiert, an jüngere und ältere gleichermaßen. „Wenn man selbst ausbilden muss, lernt man in der Vorbereitung selbst viel mehr als man später den anderen vermitteln kann“, weiß Marco Schmidtke. Mit diesem „System“ erreiche man aber auch, dass die Arbeitslast auf viele Schultern verteilt werde, dass sich jeder, gleich welchen Beruf er hat, einbringen könne, und dass jeder auch lerne, Verantwortung zu übernehmen. „Und weil auf diese Weise jeder mal dran ist, geht man anders miteinander um, hat man mehr Akzeptanz bei den anderen, muss aber auch lernen, andere Sichtweisen zu akzeptieren und Kritik auszuhalten.“

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Und schließlich hat Marco Schmidtke noch einen anderen Aspekt, der ihm am Herzen liegt, und der nach seiner Überzeugung zur guten Kameradschaft bei der Feuerwehr beiträgt. „Wir spielen jeden Montag Fußball, dadurch können sich vor allem Jüngere sehr schnell in die Mannschaft integrieren.“ Nach der Ausbildungsstunde noch zusammenzusitzen, das gehört auch für ihn einfach dazu. Aber man unternehme auch privat viel gemeinsam, feiere Geburtstage und Silvester zusammen und unterstütze sich auch außerhalb der Feuerwehr gegenseitig. Eigentlich, so meint er, ist das fast wie eine große Familie.

Quelle: op-online.de

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