Wirbel um Abkehr vom „Turbo-Abi“

Offenbach (psh) - In der neu aufgeflammten Debatte ums „Turbo-Abi“ an Hessens Gymnasien begrüßen Elternverbände die Idee von Ministerpräsident Volker Bouffier, es den Schulen wieder selbst zu überlassen, die Zeit bis zum Abitur auf acht oder neun Jahre anzulegen.

Der Regierungschef deutete gestern eine mögliche Umsetzung der Rückkehr zu G 9 ab 2014 an. Michael Brehm, Vorsitzender des Stadtelternbeirats in Offenbach, gibt zu bedenken: „Bouffier knüpft die Schulentscheidung an die sogenannte Selbstständige Schule. Dafür muss sich aber erst einmal eine Schule entscheiden.“ Selbstständige Schulen können zum Beispiel über freie Personalmittel eigenverantwortlich verfügen. Brehm verweist aber auf „ein recht umständliches Zulassungsprozedere durch das Kultusministerium“. Sollte es aber Änderungen beim Zulassungverfahren geben und allen Gymnasien die Entscheidung freistehen, so wird die „Regel-G 8-Schulform“ nach Ansicht des Stadtelternbeiratsvorsitzenden fallen, denn sowohl bei vielen Eltern, als auch Lehrern werde die verkürzte Gymnasialzeit immer noch als eine krasse Fehlentscheidung betrachtet.

Wieder zu G 9 zurückkehren

Die Vorsitzende des Landeselternbeirats, Kerstin Geis, sagte zum Regierungsplan: „Wir freuen uns über solch einen Vorstoß, weil das eine Sache ist, die wir schon ganz lange fordern. Wir erwarten jetzt von Volker Bouffier, dass er uns mitteilt, ab wann das Ganze umsetzbar ist.“ Geis ist sich zudem sicher, dass die Gymnasien in Hessen, die wieder zu G 9 zurückkehren möchten, entsprechende Wege finden werden - auch wenn es sich dabei um einen Prozess handle, der langsam erfolgen werde.

Kritisch zum Vorhaben der hessischen Landesregierung äußerte sich Volker Fasbender, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände: „Das achtjährige Gymnasium ist internationaler Standard und wurde mit großen Anstrengungen in Hessen eingeführt. Daher sollten wir das Rad jetzt nicht zurückdrehen.“ Land und Schulen verfügten schon heute über genügend „Spielräume“, Stundentafeln, Curricula und Lernzeit weiter zu „optimieren“, ergänzte der Hauptgeschäftsführer. Sie müssten lediglich gewährleisten, dass die Schüler die staatlichen Bildungsziele erreichen. Bildungsstandards, Zentralabitur und der Ausbau von Ganztagsschulen stellten dies sicher. Nur in diesem festen Rahmen externer Vorgaben könnten sich selbständige Schulen entwickeln. „Für unsere Volkswirtschaft ist es künftig noch wichtiger, dass junge Menschen frühzeitig in Studium und Beruf einsteigen“, sagte Fasbender. Dies sei ein wichtiger Baustein bei der Bewältigung des demografischen Wandels und des damit verbundenen Fachkräftemangels. Der wirtschaftliche Nutzen der Schulzeitverkürzung sei beträchtlich, auch für den einzelnen Akademiker, wie laut Fasbender Berechnungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft zeigten. Ein Jahr früher in den Erwerbsprozess zu starten, ergäbe demnach für diesen im Schnitt einen finanziellen Vorteil von durchschnittlich 53.800 Euro. 

Quelle: op-online.de

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