Wirbel ums Stadthaus

+
Über dem Archäologischen Garten sollte das Stadthaus errichtet werden. Es würde die Lücke zur Schirn (r.) schließen.

Frankfurt - Die Grundsteinlegung für den Wiederaufbau der Frankfurter Altstadt ist gerade einmal drei Wochen her, da droht dem Projekt schon Ungemach. Von Petra Wettlaufer-Pohl

Eine von Kämmerer Uwe Becker (CDU) angeführte Haushaltskommission empfiehlt der schwarz-grünen Koalition im Römer, das geplante Stadthaus auf die Streichliste zu setzen, oder das Projekt zumindest zu verschieben.Denn auch Frankfurt muss sparen.

Allerdings ist das Stadthaus zwischen der Kunsthalle Schirn und den geplanten Rekonstruktionen berühmter Fachwerkbauten wie der „Goldenen Waage“ und dem „Roten Haus“ nicht einfach ein entbehrliches Gebäude mit einem Veranstaltungssaal. „Stadtplanerisch wäre sein Wegfall eine Katatstrophe“, sagt der Geschäftsführer der eigens gegründeten Projektgesellschaft Dom-Römer GmbH, Michael Guntersdorf, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Stadthaus soll mehrere wichtige Funktionen erfüllen

So sind dort für die Gastronomie der „Goldenen Waage“ wichtige Nebenräume geplant, ferner die Erschließung der Römer-Tiefgarage sowie Zu- und Abluftschächte. „Das alles muss ohnehin gebaut werden“, gibt Guntersdorf zu bedenken. Von den 16 Millionen Euro, die das Stadthaus kosten soll, sei allenfalls die Hälfte einzusparen. Das könne man auch durch Veränderungen am Gesamtprojekt erreichen, die weniger ins Gewicht fielen.

Außerdem soll das Stadthaus über den direkt vor dem Do gelegenen Archäologischen Garten gebaut werden. Dort kann man - allerdings ohne nennenswerte Anleitung - die Mauern aus den vergangenen 2000 Jahren der Stadtgeschichte besichtigen. Mit der Überdachung würde auch dieses Museumsprojekt endlich optimiert werden können, heißt es.

„Hier Fassaden zu erfinden, wäre ein Sakrileg“

Schlimm wäre der Wegfall des Stadthauses nach Meinung vieler Altstadtfreunde, weil die zu rekonstruierenden Häuser keine rückwärtigen Fassaden hatten - dort war vor der Zerstörung 1944 auch alles bebaut. „Hier Fassaden zu erfinden, wäre ein Sakrileg“, sagt Guntersdorf, „da würden wir die Büchse der Pandora öffnen und unser Konzept kaputt machen.“ Die Alternative wären riesige Brandmauern, die Frankfurt wohl eher zum Gespött von Touristen und Fachleuten machten, befürchtet Guntersdorf: „Eine Baulücke wäre fatal.“ Und hätte wohl auch Auswirkungen auf die Kaufbereitschaft der Interessenten für die anderen Gebäude: „Und nachträglich zu bauen ist schon allein wegen der Logistik sehr viel schwieriger.“ Ganz hat der Projektmanager die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben. Die Stadtverordneten, die letztlich über die Sparvorschläge der Haushaltskommission beschließen müssten, hätten „wohl noch einen gewissen Aufklärungsbedarf.“

Quelle: op-online.de

Kommentare