Erneuter Vorfall in Raunheim

Wirbelschleppen: Ziegel im freien Fall

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Raunheim - Das hessische Verkehrsministerium muss sich erneut mit dem Thema Wirbelschleppen befassen. In Raunheim  haben die Luftwirbel eines landenden Flugzeuges am Wochenende dafür gesorgt, dass sich an zwei Häusern rund 20 Dachziegel lösten und zu Boden stürzten. Von Petra Wettlaufer-Pohl

Ein Vorfall, wie er sich in den letzten Jahren in Raunheim und Flörsheim – beide liegen in der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens – schön öfter ereignete. Die Wirbelschleppen entstehen durch gegenläufige Luftverwirbelungen an den Spitzen der Flugzeugflügel und sorgen dafür, dass die Maschine fliegt. Sie sind auch der Grund dafür, das Flugzeuge bei der Landung je nach Gewicht mehrere Kilometer Abstand halten müssen, um nicht in den Sog der Wirbelschleppen zu geraten. Im vergangenen Jahr hatte der Vorgänger von Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne), der FDP-Politiker Florian Rentsch, eine Risikozone definiert mit rund 3000 Gebäuden. Dort muss die Flughafenbetreiberin Fraport die Dachziegeln auf Antrag der Hausbesitzer mit Klammern befestigen.

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Die Zone wurde in den betroffenen Orten von Anfang an als zu klein kritisiert. Auch die Häuser, die am Samstag beschädigt wurden, liegen knapp 100 Meter außerhalb des gesetzlich definierten Risikogebietes. Verkehrsstaatssekretär Mathias Samson erklärte gestern, sein Haus werde den Vorfall prüfen, man habe bereits einen Bericht von Fraport angefordert. Von dem Ergebnis hänge ab, ob man die Zone im Interesse der Anwohner ausweiten kann. Eine Überprüfung der bisherigen Regelung sei außerdem Bestandteil des Koalitionsvertrages, so Samson.

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Fraport verwies gestern darauf, das für die Grenzziehung allein das Ministerium zuständig sei. Man sei natürlich auf Wunsch offen für Gespräche. Fraport habe am Samstag in Raunheim sofort für eine Reparatur gesorgt. Bislang haben in der bisherigen Risikozone 775 Hausbesitzer einen Antrag auf die Dachverklammerung gestellt, so Unternehmenssprecher Paul Frigo. Rund 580 Anträge seien bislang vollständig. In rund 460 Fällen davon seien die Arbeiten erledigt oder stünden jetzt an.

Voraussetzung für eine Dachverklammerung auf Kosten von Fraport ist, dass das Gebäude vor dem 23. März 2007 gebaut wurde. Ab diesem Stichtag war bekannt, dass der Flugverkehr durch den Ausbau zunehmen würde. Richten Wirbelschleppen Schäden an, obwohl ein Haus noch nicht im Dächer-Programm angemeldet ist, sorgt Fraport auch für die Reparatur. „Das Dächerprogramm“, so Frigo, „ist ja eine vorbeugende Maßnahme.“ Mit den Wirbelschleppen beschäftigt sich auch der Verwaltungsgerichtshof in Kassel. Ein Antrag, die Landung schwerer Maschinen auf der neuen Landebahn zu verbieten, war im Eilverfahren abgelehnt worden. Das Hauptsacheverfahren steht noch aus.

Quelle: op-online.de

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