Wo wird Wind zu Energie?

+
Die Öffentlichkeit hat das Wort. Am Montag geht der Plan des Regionalverbands zu Vorrangflächen für Windenergie online, dann kann die Debatte beginnen.

Frankfurt - 28 Gebiete wurden in den zurückliegenden drei Jahren als besonders geeignet für die Nutzung der Windenergie und damit als Standorte für Windparks ermittelt. Die Details werden vom Regionalverband am Montag online gestellt. Von Michael Eschenauer

Spätestens dann wird die Debatte über den Entwurf anheben. Gebaut werden könnten Windkraftanlagen in den geplanten Vorranggebieten und auch in Gebieten, die vom Regierungspräsidenten genehmigt wurden, bereits jetzt, erklärte gestern Birgit Simon, Erste Beigeordnete des Regionalverbands Frankfurt/Rhein-Main. Ab 2016 stünden dann allerdings nur noch die Vorranggebiete zur Verfügung. Sie sollen Ende 2015 von den regionalen Gremien beschlossen werden. Man werde den Zeitplan sehr wahrscheinlich einhalten können, sagte Simon, auch wenn sie mit mindestens 6000 Einwendungen rechnet. Das Vorhaben „Vorrangflächen“ läuft seit zehn Jahren. Man habe lange auf konkrete Vorschriften seitens des Landes warten müssen, so Simon.

Bis zum 25. April können sich diejenigen mit Bedenken zu Wort melden, die bisher kaum zu Wort gekommen sind: einzelne Bürger sowie Städte und Gemeinden oder auch Naturschützer. Bisher waren eher Gremien der Regionalplanung mit dem Thema befasst. Auch die Deutsche Flugsicherung in Langen wird auf die Tatsache reagieren, dass ihre Forderung, um jedes ihrer Funkfeuer einen Sicherheitsabstand von 15 Kilometern einzuhalten, ignoriert wurde. Im Entwurf sind es nur noch drei Kilometer.

Schub für die Energiewende?

Der Kreis Offenbach wird bei der rhetorischen Schlacht um die „Verspargelung der Landschaft“ das stille Auge im Hurrikan bilden, denn hier sind keine Windvorranggebiete ausgewiesen. Dafür umso mehr im Bereich westlich von Hofheim, südlich von Rodenbach, auf dem Taunuskamm bei Friedrichsdorf, bei Wölfersheim und bei Mittelbuchen.

„Wir gehen nur dort hin, wo der Wind gut weht und wo wir bei den Gebietskörperschaften und Bürgern willkommen sind. Wir werden nicht gegen den Widerstand vor Ort investieren“, sagte Harald Hofmann, Sprecher der Energieversorgung Offenbach (EVO). Allerdings verspricht man sich hier einen gehörigen Schub in Sachen Energiewende, seit Hessen von einer Koalition unter Beteiligung der Grünen geführt wird und der Grünen-Minister Tarek Al-Wazir für den Bereich Energiewende verantwortlich zeichnet. Bereits am Montag will die EVO Pläne für ein neues Windenergieprojekt vorstellen. Ein erhöhtes Widerstandspotential gegen Windparks hat der Energieversorger jüngst nicht festgestellt.

Windkraftausbau im Binnenland

Im Gespräch mit Zeitschriften der hessischen Industrie- und Handelskammern bestätigte Al-Wazir jetzt die Einschätzung der EVO. Hessen brauche „weiterhin eine Möglichkeit des Windkraftausbaus im Binnenland“. Der Deckel, den Bundesumweltminister Gabriel vorgesehen habe, dürfe so nicht bleiben. Ansonsten wären über die Hälfte „der mühsam identifizierten Vorrangflächen“ nicht mehr zu bebauen. Das, so Al-Wazir, würde niemandem helfen: Weder würden die Energiepreise sinken, da die Windkraft im Binnenland sehr günstig sei, noch würde entsprechende wirtschaftliche Aktivität in Hessen stattfinden.

Bis Ende 2015 haben EVO und andere Investoren in Hessen noch mehr oder minder freie Standortwahl. Ab 2016 dürfen Windparks nur noch auf den Vorrangflächen gebaut werden. Das Ziel, zwei Prozent der Landesfläche für die Energiegewinnung aus Wind zu reservieren, wird im Regionalverband mit einem Wert von 0,9 Prozent allerdings weit verfehlt. Viel Spielraum für Debatten bleibt bei den wenigen Projekten aber auch nicht.

Im Regierungsbezirk Südhessen wird man die Zwei-Prozent-Zielmarge mit 2,8 Prozent sogar übertreffen. Auch hier ist der Stichtag für die Offenlegung der Pläne der Montag. Die potenziellen Standorte befinden sich speziell im Odenwald, im Osten des Main-Kinzig-Kreises und im Rheingau-Taunus-Kreis.

Quelle: op-online.de

Kommentare