Wirkliche Reife beginnt beim Kleid

Alleine mit dem Lernen ist es nicht getan: Zwischen dem schriftlichen und mündlichen Abitur liegt eine weitere schwere Aufgabe – die Suche nach dem Ballkleid. Auch Elena Stegmüller, Abiturientin der Claus-von-Stauffenberg-Schule in Dudenhofen, teilt dieses Schicksal. Doch wie soll das perfekte Kleid überhaupt aussehen? Die Auswahl ist riesig, und die Schnitte sind vielfältig.

Lang, kurz, asymmetrisch, klassisch, extravagant, mit Ärmeln, schulterfrei oder mit Trägern. Ohne konkrete Vorstellungen macht sich die Seligenstädterin auf den Weg durch Fachgeschäfte und Kaufhäuser: Frankfurt und Offenbach stehen statt Deutsch und PoWi auf dem Stundenplan. Die Sonne scheint vom Himmel. Viel lieber würde die 19-Jährige ihre Zeit jetzt am Badesee verbringen. Doch die Jagd nach dem Kleid für den Abi-Ball ist wichtiger. Sie spricht von „Panikmache unter den Freundinnen“. „Es gibt auch Männer, die darauf achten, was sie anziehen, aber die gehen lockerer an die Sache ran.“

Mit Kennerblick lässt Elena ihre Augen über die Kleider gleiten. Sie bleibt im Modehaus M. Schneider in Offenbach an einem Ständer mit einer Reihe von Cocktailkleidern stehen, für die die Kandidatinnen von „Germany's Next Topmodel“ werben. Sie sind frech und modern geschnitten und ziehen die junge Frau magisch an. Ihr Motto: Probieren, probieren, probieren. Kleider über den Arm, ab in Richtung Umkleidekabine, raus aus den Alltagsklamotten und rein in die glamouröse Abendmode.

Die meisten jungen Frauen hätten ihre Vorstellungen, wie das Kleid aussehen soll, das sie am großen Abend des Abi-Balls tragen wollen, wissen die beiden M. Schneider-Verkäuferinnen Kerstin Breitengraser und Kalliopi Mitikidou zu berichten. „Eher was Farbiges ist gefragt“, sagt Kerstin Breitengraser. Stil: verspielt – oft in Metallic-Optik oder mit Ballonrock.

Elena Stegmüller tritt aus der Umkleide, ihr Blick fällt in den Spiegel. Das schulterfreie beerenfarbene Cocktailkleid gefällt ihr ganz gut. Sie hat das Problem, dass Kleider in ihrer Konfektionsgröße 32/34 nicht immer vorrätig sind. Sie muss schnell sein, damit sie eines Kleid in ihrer Größe bekommt. Doch so richtig überzeugt ist sie von dem knielangen Kleid noch nicht. Wahren Glamourfaktor verspricht ein bodenlanges rotes Kleid. Doch Elena möchte noch mehr sehen, noch mehr anprobieren. Die Abiturientin interessiert sich für Mode und achtet auf die Details. Das Kleid soll ihre schmale Taille betonen und farblich zu ihren Haaren passen. „Zu meinen blonden Haaren kann ich kein Hellgelb tragen.“ Das grenzt die Suche schon mal ein.

Nächste Station: Frankfurt – Peek und Cloppenburg. Die Auswahl ist noch größer, die Qual auch. Das wilde Anprobieren geht weiter – etwa 15 Outfits wandern mit Elena in die Umkleidekabine. Dann weiß sie: Das Kleid soll nicht zu altmodisch, nicht zu schrill und schulterfrei sein, vor allem aber was Besonderes. Auf gar keinen Fall soll es düster sein, etwa schwarz oder braun.

„Vielleicht habe ich das Kleid später im Schrank hängen und kann es bewundern und mich an diesen Tag erinnern.“

Die Kleider im Leoparden- oder Zebramuster lässt die junge Frau links liegen. Das sei einfach nicht festlich genug für einen Ball, sagt sie.

500 Kleider hat das Modehaus Peek und Cloppenburg in Frankfurt auf der Zeil in der Abteilung „Cocktail“ an den Ständern hängen – für jedes Alter ist etwas dabei. Wenn die Abi-Ballzeit kommt, dann ist an den Umkleidekabinen Warten angesagt. Dann baut das Team auch noch zusätzliche Kabinen auf. „Hier ist kaum ein Durchkommen“, sagt Abteilungsleiterin und Einkäuferin „Cocktail“ Nicole Breuer. Junge Frauen entschieden sich häufig für die knielangen Cocktailkleider, auch Corsagenkleider seien gefragt – vor allem in den Farben Lila über Beere bis Pflaume. Nicht immer sind Töchter und Mütter einer Meinung. Es sei keine Seltenheit, wenn die Kundinnen bis zu 30 Kleider anprobieren. Die Abi-Mode gibt es ab 80 Euro. „Im Durchschnitt kostet ein Kleid bei uns 129 Euro“, so Breuer. Ein ausgefallener Kaufschlager sei in diesem Jahr das Kleid „Hepburn“ – weißer Organzastoff mit pinkfarbenen Stickereien und ein wenig verspielt.

Die Wahl des richtigen Ball-Kleids fällt Elena Stegmüller nicht leicht, schließlich entscheidet sie sich für eine türkisfarbene Duchesse-Robe, verziert mit zarten Blumenstickereien und kleinen Perlen. Die 1,56 Meter große Blondine hat sich gegen eine besonders glamouröse Robe mit Schleppe entschieden: „Da kann man nur schön aussehen und sitzen.“ Nun ist sie bereit für den Abi-Ball 2009.

CHRISTINA SCHÄFER

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare