Ein Wirt, der Leben retten kann

Komm wir gehen zu Ludo!“ Irritierte Blicke gibt es bei diesem Satz nicht, alle Beteiligten sind im Bilde: Es geht ins „Cafe Diesseits“. Unweit der Leipziger Straße, mitten in Bockenheim, umgeben von Kopfsteinpflasterstraßen und Alternativ-Atmosphäre liegt eine Traditionskneipe, die seit Jahren Treffpunkt für die Frankfurter Studenten ist. Von Christina Schäfer

Wobei die Studenten weniger geworden sind, seitdem die Frankfurter Uni – zum Leid vieler Bockenheimer Gastronome – ihren Sitz ins Westend verlegt hat. Aber: Das „Diesseits“ hat sich kaum verändert. Sicher, die gemalten Blumenranken sind einem frischen Anstrich gewichen, und auch neue Möbel hat das „Diesseits“ bekommen. Doch was geblieben ist, ist die urige Gemütlichkeit und Herzlichkeit.

Immer noch begrüßt Ludovico Bellusci, den alle nur Ludo nennen, seine Gäste mit einem Lächeln im Gesicht. Wer einmal dort war, kommt immer wieder. Und wer nach Jahren morgens erneut durch die Eingangstür tritt, erlebt ein Déjà-vu. Schon fragt Ludo mit charmant italienischem Akzent: „Darf ich dir einen frischen Kaffee mit aufgeschäumter Milch machen?“ Hinsetzen und genießen!

So groß, dass man sich kaum findet

Die hellen Holztische, braune Cordkissen auf der Sitzbank entlang des Fensters und Stühle in Lederoptik laden zum Verweilen ein. Pflanzen geben dem L-förmigen Raum Frische. Es soll tatsächlich schon passiert sein, dass Freundinnen nicht zum Plausch zusammengefunden haben, weil die eine auf der einen Seite und die andere auf der anderen Seite des „Diesseits“ wartete – und das, obwohl die Lokalität doch gerade durch ihre Überschaubarkeit besticht.

Seit 14 Jahren hat das „Diesseits“ sein Domizil in der Konrad-Broßwitz-Straße 1. Einst war Ludo nur ein Angestellter, heute gehört ihm der Laden. Die Karte hat sich im Laufe der Jahre nur geringfügig verändert. Neue Namen geben den Gerichten und dem Lokal seinen Zeitgeist.

Frankfurt sei eine multikulturelle Stadt, und das spiegele sich auch in den Namen der Gerichte wieder, so der Chef. Aber: „Die Preise haben sich seit zehn Jahren nicht verändert“, sagt Ludo stolz. „Das gibt es in ganz Frankfurt nicht mehr.“ Was früher fünf Mark gekostet hat, koste heute 2,50 Euro.

Ludo hat immer was parat

Frühstück, Mittagessen, Kaffee und Kuchen, Abendessen –  für jede Tageszeit hält Ludo etwas parat. Bis hin zu den Cocktails. Hier treffen sich Schüler, Studenten, Omas, Anwälte.

Warum Ludo so beliebt ist? Seine Preise sind moderat, seine Specials stellen alles in den Schatten: Montags ist Schnitzeltag (4,90 Euro), dienstags ist Pastatag (3,90 Euro), donnerstags gibt es Chicken-Wings „All-you-can-eat“ für 6,90 Euro pro Person und in der Happy-Hour von 17.30 bis 19.30 Uhr kostet jeder Cocktail vier Euro. Und auch die Sportler kommen auf ihre Kosten. Zum kühlen Pils reicht Ludo einen großen Bildschirm oder gar die Leinwand, je nach Fußballspiel gibt’s manchmal sogar Open-Air.

Dass Ludo heute im „Diesseits“ anzutreffen ist, ist nicht selbstverständlich: Er habe eigentlich Medizin studiert, erzählt er. Doch damit konnte er kein Geld verdienen. Dann habe er einen Kurs in Gastronomie belegt. Seine Erkenntnis: Mit Trinkgeld lässt sich viel mehr Geld verdienen. Statt Dienst im Krankenhaus war fortan die Arbeit zwischen Küche, Theke und Tischen angesagt. Ludo ist sicher, sich für den richtigen Beruf entschieden zu haben: „Ich bereue nichts, was ich gemacht habe.“

Cafe Diesseits, Konrad-Broßwitz-Straße 1, 60487 Frankfurt, Telefon:  069/77033816, cafe-diesseits.de, Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag durchgehend von neun bis ein Uhr.

Quelle: op-online.de

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