Wirtschaftliche Auswirkungen für Lufthansa

Um so viel Geld geht es beim Pilotenstreik

Frankfurt - Die Lufthansa steht vor dem größten Streik ihrer Geschichte. Der auf drei Tage angekündigte Ausstand der Piloten trifft Hundertausende Menschen und hat möglicherweise schwerwiegende wirtschaftliche Folgen. Von Christian Ebner und Steffen Weyer

Welcher Schaden entsteht der Lufthansa durch den Streik?

Das Unternehmen selbst spricht von einem hohen zweistelligen Millionenverlust. Das deckt sich einigermaßen mit Einschätzungen des Commerzbank-Analysten Frank Skodzik, der bei einem Vollstreik von einem täglichen Schaden zwischen 30 und 40 Millionen Euro ausgeht. Darin nicht beziffert ist der drohende Imageverlust. Für eine Fluggesellschaft ist Zuverlässigkeit eine elementare Eigenschaft.

Welche volkswirtschaftlichen Folgen sind zu befürchten? 

Volkswirte erwarten keinen messbaren Schaden für die deutsche Volkswirtschaft. „In den Kategorien, in denen wir Makroökonomen normalerweise denken, also Zehntelprozentpunkten vom BIP von insgesamt 2,45 Billionen Euro werden diese dreitägigen Streiks ganz sicher keine Rolle spielen“, sagt Ökonom Christian Schulz vom Bankhaus Berenberg. Aus Sicht von Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, ist es auch kaum möglich, die genauen Kosten des Streiks zu beziffern. Kurzfristig müssten Unternehmen Pläne und Projekte zwar verschieben. „Die Ausfälle werden aber meist im Nachhinein aufgearbeitet. Im Jahresverlauf ist der Schaden damit nicht messbar.“

Um wieviel Geld geht es in dem Tarifkonflikt?

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Die Vereinigung Cockpit (VC) geht von einem Streitwert von rund einer Milliarde Euro aus. So groß sind nach VC-Angaben die Rückstellungen für die Übergangsrenten, die das Lufthansa-Management auflösen wolle. Die möglichen Gehaltssteigerungen fallen kaum ins Gewicht, weil die Rentenzusagen langfristiger wirken. Lufthansa bezifferte ihre zuletzt stark gestiegenen Pensionsverpflichtungen zum Jahresende 2012 im Inland auf gut elf Milliarden Euro. Rund ein Zehntel davon geht in die Übergangsversorgung der Piloten, weitere 30 Prozent in die Betriebsrenten der Flugzeugführer, die zehn Prozent der Belegschaft ausmachen.

Was plant die Bundesregierung zur Tarifeinheit?

Union und SPD wollen „den Grundsatz der Tarifeinheit nach dem betriebsbezogenen Mehrheitsprinzip unter Einbindung der Spitzenorganisationen der Arbeitnehmer und Arbeitgeber gesetzlich festschreiben“. Das heißt, in einem Unternehmen soll nur noch ein Tarifvertrag gelten: derjenige der Gewerkschaft mit den meisten Mitgliedern. Das ist verfassungsrechtlich heikel, denn eine solche Regelung kollidiert mit dem Grundrecht der Koalitionsfreiheit, auf das Spartengewerkschaften wie Cockpit oder Marburger Bund pochen. Sie wollen dieses notfalls einklagen. Verdi-Chef Frank Bsirske hat sich auf ihre Seite gestellt: Er will nicht, dass über die Tarifeinheit das Streikrecht ausgehöhlt wird.

Wer profitiert vom Streik der Piloten? 

Ganz sicher die konkurrierenden Fluggesellschaften mit Air Berlin an der Spitze. Air France setzt nach eigenen Angaben ebenfalls größere Flugzeuge von Paris nach Frankfurt, München und Düsseldorf ein. „Die anderen Airlines wittern die Nachfrage und können ihre Preise hochfahren“, sagt Julia Eckert vom Geschäftsreiseverband VDR. Wenn die Verbindungen passen, bucht sogar die Lufthansa ihre Passagiere auf die Maschinen der Konkurrenz um und muss die Kosten dafür übernehmen. Die in Frankfurt abhebenden Maschinen können zudem ihre Frachträume zu hohen Preisen auffüllen, weil die sonst dominierenden Kapazitäten der Lufthansa wegfallen.

Gibt es weitere Leute, die sich über den Streik freuen? 

Die Fluglärmgegner in der Region wollen sich offiziell nicht in den Tarifkonflikt einmischen. Auf ein paar ruhigere Tage können sich die Menschen in den Einflugschneisen des größten deutschen Flughafens aber dennoch einrichten. „Es wird schon deutlicher ruhiger werden. Und das ist wegen des schönen Wetters besonders schön“, sagt der Sprecher des Initiativenbündnisses gegen den Flughafenausbau, Dietrich Elsner, aus Mainz.

Warnstreik am Frankfurter Flughafen

Warnstreik am Frankfurter Flughafen

Was geschieht mit der Luftfracht? 

Es geht um Medikamente, Ersatzteile, lebende Tiere und tonnenweise Obst: Für rund 4 500 Tonnen Luftfracht müssen Kunden der Lufthansa Cargo alternative Transportmittel finden. „Fracht wird grundsätzlich sehr kurzfristig gebucht“, sagt Cargo-Sprecher Michael Göntgens. Nach der Streikankündigung am Freitag habe das Unternehmen zunächst alle Flüge geschlossen - „damit keine Tiere und keine verderblichen Waren bei uns in den Lagern stranden“. Von geplanten 32 Frachtflügen ab Frankfurt sollen nun 14 stattfinden.

Wie trifft der Streik die Reisebranche?

Für Passagiere und Reisebüros bedeutet der Streik Hektik und zusätzliche Arbeit mit Umbuchungen und Stornierungen. „Dies führt zu enormen Mehrkosten, die von niemandem erstattet werden“, schimpft der Deutsche Reiseverband DRV. Blieben Geschäftsreisende zu Hause, würden Verträge nicht abgeschlossen, wichtige Treffen fielen aus. Gebuchte Hotelzimmer und Mietwagen blieben ungenutzt - dies treffe auch die ersten Osterurlauber. Der Geschäftsreiseverband VDR sieht dennoch Glück im Unglück: „Der Streik war so früh angekündigt, dass Geschäftsreisende rechtzeitig umbuchen konnten.“ 

dpa

Quelle: op-online.de

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