Wohin der Wind auch weht

Rhein-Main-Gebiet - Die Energieversorgung Hessens soll bis zum Jahr 2050 zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen gedeckt sein. Ein ehrgeiziges Ziel, das ohne Windkraft freilich nicht zu verwirklichen ist. Von Ralf Enders

Doch wo sollen - genauer gesagt: können überhaupt - Windräder stehen? Das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt und der Regionalverband FrankfurtRheinMain haben jetzt Karten vorgelegt, die die prinzipiell möglichen Standorte von Windkraftanlagen in Südhessen zeigen. Ein „Abstands- und Ausschlusskriterienkatalog“ nennt sich das offiziell. Auf Basis der neuen Karten wollen RP und Regionalverband in den nächsten Monaten nun sogenannte Vorranggebiete für die Windenergie ermitteln.

Aus der flickenteppichartigen Landkarte geht hervor, dass fast 17 Prozent der Fläche des RP-Bezirks zwischen Münzenberg im Norden, Neckarsteinach im Süden, Lorch im Westen und Sinntal im Osten im Prinzip geeignet sind. Heißt: Der Wind weht mit mindestens 5,5 Metern pro Sekunde in 140 Meter Höhe, die Standorte sind mindestens 1 000 Meter von Siedlungen und 100 bis 150 Meter von Straßen, Schienen und Hochspannungsleitungen entfernt, wie Regierungspräsident Johannes Baron (FDP) erläutert. Und: „Die Kernzonen der Unesco-Weltkulturerbestätten Mittelrheintal, Grube Messel, Kloster Lorsch und des Limes sind für die Ausweisung von Vorranggebieten tabu. Ebenso wie Naturschutzgebiete, Schutz- und Bannwälder sowie Naturdenkmäler“, ergänzt Baron.

Auch weitere Kriterien müssen die Planer beachten, wie die Erste Beigeordnete des Regionalverbandes und frühere Offenbacher Bürgermeisterin, Birgit Simon (Grüne), sagt. Etwa die Interessen der Flugsicherung oder die Schutzgebiete der sogenannten Natura-2000-Richtlinie. Simon: „Die Belange des Artenschutzes, insbesondere windkraftempfindlicher Vogelarten und Fledermausvorkommen, sind ebenso in den kommenden Monaten zu prüfen.

Suche nach potenziellen Standorten

Es ist also gar nicht so einfach in Deutschland, saubere Energie zu erzeugen. Mögliche Standorte im Kreis Offenbach gibt es ohnehin nicht viele: Östlich von Obertshausen und noch mehr um Rodgau gibt es Schwerpunkte auf den Karten. Auch westlich von Hanau-Wolfgang könnten demnach Windräder stehen. Weiter südlich gibt es Gebiete mit Windenergie-Potenzial vor allem zwischen Dieburg und Darmstadt sowie zwischen Eppertshausen und Babenhausen.

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Bereits in der nächsten Woche steht das Thema auf der Tagesordnung des Regionalverbandes. Und wenn alles gut geht, wollen der Verband und die Behörde noch in diesem Jahr über die Vorranggebiete entscheiden, um einen „Entwurf des sachlichen Teilplans Erneuerbare Energien“ zu erstellen. Dann haben die Träger öffentlicher Belange - also etwa Behörden, aber auch Energie- und Wasserversorger oder Telekommunikationsfirmen - die Möglichkeit sich zu äußern. Auch alle Bürger dürfen dann ihre Bedenken vortragen.

Und das könnte mancherorts Gegenwind geben. In Groß-Umstadt bei Dieburg etwa drehen sich weithin sichtbar bereits zwei Windräder. Die geplante Erweiterung des Windparks Binselberg durch ein Tochterunternehmen des Darmstädter Energieversorgers HSE stößt jedoch auf Widerstand. Vor der jüngsten Kommunalwahl im vergangenen Jahr hat die regierende SPD deshalb ein Moratorium für die Windenergie von zwei Jahren beschlossen.

Quelle: op-online.de

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