Polizei gibt Tipps zur Vorbeugung

Wohnungseinbrüche: Aufhebeln unter Aufsicht

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Oberkommissar Stefan Hantschmann zeigt, wie einfach es für einen Einbrecher wäre, ein Fenster von außen zu öffnen. 

Frankfurt - Es geschah am Karfreitag, irgendwann zwischen Nachmittag und frühem Abend. Ein Einbrecher machte sich an der massiven Holztüre am Wohnungseingang der 48 Jahre alten Frau zu schaffen. Von Valentin Gensch 

Die Tür splitterte – doch der Einbrecher gelangte nicht in die Altbauwohnung in Frankfurt. Eine Woche später steht die Bewohnerin sichtlich aufgewühlt in der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle in der Innenstadt und will wissen, wie sie sich schützen kann. An vielen größeren Orten in Deutschland macht die Polizei solche Angebote. Wohnungseinbrüche sind für die dort beratenden Beamten ein Dauerbrenner: Die Zahl der Einbrüche steigt seit mehreren Jahren kontinuierlich. „18 Jahre habe ich mich sicher gefühlt“, sagt die 48-Jährige. „Jetzt fühle ich mich nicht mehr sicher.“ Mit den Jahren sei sie unvorsichtig geworden, habe die Balkontüre im Hochparterre nicht mehr abgeschlossen. Oberkommissarin Manuela Lang erklärt ihr, wie sie am besten einen zusätzlichen Riegel an der Altbautür anbringen könnte. „Alle vier Minuten hat sich im Jahr 2013 laut Kriminalstatistik in Deutschland ein Wohnungseinbruch ereignet. Pro Fall entstand ein Schaden von rund 4 500 Euro“, heißt es in einer Pressemitteilung. Die gute Nachricht: „Rund 40 Prozent aller Einbrüche bleiben im Versuchsstadium stecken, nicht zuletzt wegen Verbesserungen der Sicherungsmaßnahmen.“

Wie einfach es ist, mit einem Schraubezieher ein Fenster ohne Einbruchsicherung aufzuhebeln, beweist in der Frankfurter Beratungsstelle Oberkommissar Stefan Hantschmann. Innerhalb weniger Sekunden öffnet er ein zu Demonstrationszwecken aufgestelltes Fenster. Menschen, die er berät, lässt er auch ran – für das Aha-Erlebnis, wie er sagt. „Mehr als drei Handgriffe braucht niemand, um es aufzubrechen“, sagt Hantschmann. Am Fenster direkt daneben würden sich wohl auch erfahrene Einbrecher die Zähne ausbeißen. „Nicht mal ich schaffe das“, scherzt Hantschmann. Das Fenster hat eine spezielle Sicherung. Der Rahmen zeigt zwar Spuren vom Schraubenzieher, aufgebrochen hat es aber noch niemand.

So schützen Sie sich vor Einbrecher

So schützen Sie sich vor Einbrechern

Rund zehn Minuten braucht ein Einbrecher durchschnittlich für seine Tat. Deutlich länger dauert es, bis Einbruchsopfer sie verarbeitet haben. „Der psychische Schaden ist meist höher als der materielle“, sagt Hantschmann. Die Bundesgeschäftsführerin der Opferschutz-Vereinigung Weißer Ring, Bianca Biwer, sagt: „Jeder Achte fühlt sich nach einem Einbruch in seinem Heim nicht mehr sicher und zieht um. Jeder Fünfte bis Sechste leidet langfristig unter Ängsten und psychosomatischen Belastungen.“

Das 48 Jahre alte Einbruchsopfer aus Frankfurt freut sich über die Tipps von Polizistin Lang. Die Beamtin beruhigt die Frau und nimmt ihr die Sorge vor ungebetenen Gästen in der Nacht: „Einbrecher sind feige. Die wollen keinen Kontakt und nicht gesehen werden. Meist klingeln oder klopfen die, bevor sie sich Zugang verschaffen.“ Das beruhigt die 48-Jährige – ein wenig.

Infos in Offenbach gibt es im Polizeiladen (Stadthof 16/17) unter s  0800 3110110 oder Mail beratungsstelle.ppsoh@ polizei.hessen.de.

(dpa)

Quelle: op-online.de

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