Mangel an bezahlbaren Wohnungen

Frankfurt - Die Bauwirtschaft in Hessen ist zufrieden mit dem Jahr 2012. Bezahlbare Wohnungen werden mittlerweile aber zur Mangelware. Von Marc Kuhn

Wohnen wird in der Region trotz reger Bautätigkeit zunehmend unbezahlbar. „Wir müssen erkennen, dass wir keinen bezahlbaren Wohnraum mehr haben“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands baugewerblicher Unternehmer Hessen, Rainer von Borstel, gestern in Frankfurt. Das gelte insbesondere für das Rhein-Main-Gebiet. In Offenbach, Frankfurt, Darmstadt und im Taunus gebe es entsprechende Tendenzen, erklärte von Borstel weiter. Generell profitiere der Wohnungsbau davon, dass Immobilien als Wertanlagen angesehen würden, berichtete der Präsident des Verbands und Hanauer Unternehmer, Michael Kellermann. „Höherpreisige Wohnungen“ seien gefragt. Dagegen sei bezahlbarer Wohnraum nicht ausreichend vorhaben. In Städten wie Hanau werde viel getan, um attraktive Wohnungen zu schaffen. Sie seien aber teuer.

Von Borstel berichtete, im Kreis Offenbach hätten beispielsweise im November Baufirmen nur etwa 25 Prozent ihres Umsatzes im Wohnungsbau erwirtschaftet. Rund 50 Prozent erzielten ihren Umsatz im gewerblich-industriellen Bereich. Der öffentliche Bau - zum Beispiel bei Schulen und Verwaltungen - habe kaum noch eine Bedeutung. Lediglich Straßen würden gebaut. In der Stadt Offenbach sehen die Zahlen nach den Worten des Hauptgeschäftsführers ähnlich aus.

Der Präsident des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, Hans-Hartwig Loewenstein beklagte, dass in Deutschland zu wenige Immobilien gebaut würden. Im Jahr 2000 seien noch etwa 400.000 Einheiten fertiggestellt worden, erläuterte der Geschäftsführer der Dreieicher Firma Jean Bratengeier GmbH. 2009 seien es nur 160.000 gewesen, in diesem Jahr würden es wahrscheinlich 230.000 sein. Es gebe aber einen dauerhaften Bedarf von rund 250.000 Immobilien pro Jahr. Der Wohnungsbau sei „vollkommen aus dem Visier der Politik gekommen“, erklärte der Verbandspräsident. „Wir haben immer davor gewarnt.“

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Im vergangenen Jahr hätten die Baubetriebe in Hessen zugelegt, berichtete von Borstel weiter. Der Umsatz sei von Januar bis November um 4,1 Prozent auf mehr als 5,6 Milliarden Euro gestiegen. Innerhalb der Branche gibt es jedoch eine sehr unterschiedliche Entwicklung. Die Erlöse im Wohnungsbau hätten deutlich zugenommen, sagte von Borstel. Sie seien im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 11,6 Prozent auf fast zwei Milliarden Euro gestiegen. Im gewerblichen und industriellen Bau sei ein Plus von 10,3 Prozent auf mehr als zwei Milliarden Euro erzielt worden. Im öffentlichen und sogenannten Verkehrsbau sei ein Rückgang von zehn Prozent auf knapp 1,6 Milliarden Euro registriert worden. Verantwortlich für diese Entwicklung macht der Verband, der mehr als 1000 Unternehmen in Hessen vertritt, die Sparmaßnahmen der öffentlichen Hand und die ausgelaufenen Konjunkturprogramme.

Für das laufende Jahr geht er von einer weiterhin positiven Entwicklung im Wohnungsbau aus. Auch für den Wirtschaftsbau ist der Verband zuversichtlich, sofern sich die Konjunktur nicht eintrübt. Für den öffentlichen Bau werde aber keine deutliche Verbesserung erwartet. Trotz gestiegener Steuereinnahmen sei der Spielraum öffentlicher Auftraggeber eingeengt.

Quelle: op-online.de

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