Provisorisches Zuhause für Menschen in Not

Wohnwagensiedlung für Obdachlose in Wiesbaden

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Es ist zwar nur ein Wohnwagendach über dem Kopf - aber ein sicherer und warmer Ort. Auf dem Gelände des Diakonischen Werkes in Wiesbaden finden Obdachlose ein Zuhause, die sich mit einer festen Wohnung schwer tun.

Ein Bett, ein kleiner Herd, ein Fernseher: Die bescheidene Einrichtung im alten Wohnwagen von Stanislav Urbas passt auf wenige Quadratmeter. Für den ehemaligen Obdachlosen bedeutet das jedoch viel - und ist möglicherweise der erste Schritt zurück in einen geordneten Alltag. Urbas lebt gemeinsam mit rund einem Dutzend Menschen in einer Wohnwagensiedlung des Diakonischen Werkes. Zwischen einem Wald, Gärten und Feldern am Rande von Wiesbaden stehen die Behausungen auf Rädern, ausgestattet mit Strom, Herd und Heizung.

Seit mehr als 20 Jahren bringen die Sozialarbeiter hier Klienten unter, die nur schwer in normale Wohnungen zu vermitteln sind. Sei es wegen psychischer Krankheiten oder ihrer Alkohol- und Drogensucht. "Menschen, die schon lange draußen gelebt haben, brauchen oft einen großen individuellen Freiraum um sich herum", erklärt Agim Kaptelli, Leiter des Diakonischen Werkes Wiesbaden. In der Wohnwagensiedlung gibt es keine besonderen Regeln für die Lebensführung - nur Gewalt wird nicht toleriert. Haustiere sind aus Hygienegründen und wegen des begrenzten Platzes auf dem Areal tabu. "Einige der Bewohner stabilisieren sich hier und können mit Hilfe von Sozialarbeitern in feste Wohnungen umziehen", sagt Kaptelli. Aber obwohl die Wohnwagen nur für den Übergang gedacht sind: "Wenn jemand hier bleiben will, dann ist das auch in Ordnung."

Das umzäunte Gelände bietet seinen Bewohnern ein sicheres und warmes Dach über dem Kopf, ein provisorisches Zuhause mit Briefkasten, Waschmaschine und Nachbarn. Seit vergangenem Jahr gibt es auch mehrere feste Wohncontainer, in einem sind Dusche und Toiletten untergebracht. Trotz einer Sitzecke für gemeinsame Grill-Abende hat die Einrichtung mit Campingplatz- oder Aussteiger-Romantik nichts zu tun. "Es geht hier nicht um eine bestimmte Lebensphilosophie, sondern um Not", sagt Kaptelli. Von den derzeit 14 Klienten steht die Hälfte unter gesetzlicher Betreuung. Ein Mann leidet beispielsweise unter schizophrenen Wahnvorstellungen und ist davon überzeugt, in seinem Wohnwagen abgehört zu werden. Er war schon in verschiedenen psychiatrischen Einrichtungen, hat es nirgendwo ausgehalten. Sein Nachbar ist Messi, der Wohnwagen bis unters Dach vollgestopft mit Büchern.

Volker Stabel arbeitet seit 20 Jahren als Straßensozialarbeiter. Er versucht unter anderem mit der Devise "Fördern und Fordern" den Menschen wieder auf die Beine zu helfen. Stanislav Urbas durfte beispielsweise zunächst kostenfrei in der Siedlung leben - und hielt im Gegenzug die Toiletten sauber. Weiterer Teil der Abmachung war, dass der gebürtige Pole sein Deutsch verbessert und weniger trinkt. "Inzwischen lebe ich seit drei Jahren im Wohnwagen, hoffe jetzt auf eine feste Wohnung", erzählt Urbas, der sich gerade von einer größeren Operation erholt. Seinen Alkoholkonsum habe er inzwischen im Griff.

Ein Nachbar steckt den Kopf aus seinem Wohncontainer. "Lieber dies als gar nichts, hier habe ich wenigstens ein bisschen Ruhe", erzählt der 50-Jährige. Er habe 20 Jahre als Krankenpfleger gearbeitet, verlor dann seine Wohnung und landete auf der Straße. "Ich habe eine feste Bleibe in Aussicht", sagt er. "Der Container ist ja auf Dauer nichts. Gerade bei diesem nassen Wetter und dem ganzen Schlamm vor der Haustür." Auf dem Gelände sei es vor allem im Sommer ziemlich laut, wenn "die anderen bis zum Umfallen Party machen". In diesem Frühjahr sollen weitere Container hinzukommen - und die in die Jahre gekommenen Wohnwagen nach und nach ersetzen.

Die Miete beträgt für die Bewohner monatlich 250 Euro. "Wir haben eine lange Warteliste", sagt Stabel. Der knappe Wohnraum in den Städte sei deutlich spürbar. "Wir suchen gerade einen zweiten Standort für eine ähnliche Siedlung", erzählt der Sozialarbeiter. Dann sollen mehr Plätze speziell für wohnsitzlose Frauen bereit stehen. (dpa)

Quelle: op-online.de

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