Im Wohnzimmer der Frankfurter Szene

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Macher des Jazzkellers: Eugen Hahn.

Frankfurt - Stan Getz, Dizzy Gillespie, Chet Baker und Musiker der Duke Ellington Band traten dort auf. Jetzt feiert Frankfurt 60 Jahre Jazzkeller. Von Detlef Kinsler

Der „Keller“ lebt, und Inhaber Eugen Hahn, vergangenes Jahr 70 geworden, ist immer auf der Suche nach neuem Publikum „für den Laden, den ich so gern habe“. Also kam der gelernte Kontrabassist und ungelernte Kneipier auf die Idee, sich als Programmpunkt für den Publikumsmagneten „Nacht der Museen“ zu bewerben. So findet sich die Kleine Bockenheimer Straße 18a als eine von 48 Adressen im 80-seitigen Büchlein zur Veranstaltung neben Caricatura-, Architektur- und Filmmuseum oder Städel und MMK.

„Ich dachte, eigentlich sind wir ein lebendes Museum“, erläutert Hahn seinen Coup. „Wenn das wie eine gute Marketingidee aussieht, danke fürs Kompliment.“ Hahn macht keinen Hehl daraus, dass er diesbezüglich Defizite hat. Er redet gern und hat viel zu erzählen.

„Schweißperlen sind fast in mein Bier getropft“

Von seiner Zeit als Musiker in der DDR und den 26 Jahren im Jazzkeller, von vielen Begegnungen mit legendären Musikern. Aber Werbung in eigener Sache? Viel besser, wenn die Leute selbst drauf kommen. Oder dezent drauf gestoßen werden. Wie durch so eine Aktion.

„Da sind ja viele Leute unterwegs“, weiß Hahn und hofft auf neue Kundschaft. „Wenn jemand erst mal dagewesen ist, dann sagen kann, Mensch, ich hab da den XY live gehört, ich saß am ersten Tisch an der Bühnenkante, die Schweißperlen sind fast in mein Bier getropft, und der Klang der Instrumente kam von da, wo sie standen, und nicht von irgendwo weit her aus den Boxen...“ Ja, dann müssten sie nach seinem Verständnis derart angefixt sein, dass sie den Weg immer wieder finden.

Der Keller war eine Keimzelle des Jazz

Auch die Menschen, die sich in der Stadt professionell mit Kulturpolitik beschäftigen, würde Hahn gern mal als Gäste begrüßen. „Wahrscheinlich gibt es niemanden im ganzen Stadtparlament, der solche Clubs besucht“, mutmaßt er. Nicht mal, wenn sie in Städten wie London und New York sind. Da stehen Musicals wohl höher im Kurs. „In dieser Stadt wird man ja von offizieller Seite nicht so richtig unterstützt. Wenn man mal eine Projektstütze haben möchte, wird man mit so einer Bitte nicht mit offenen Amen empfangen. Also muss man alles selber machen. Aber das ist sowieso das Beste“, sagt er ohne Bitterkeit. „Wir haben hier maximal 100 Plätze, wahrscheinlich ist so ein kleiner Laden nicht wichtig genug als Aushängeschild für diese Stadt.“

Eigentlich unverständlich; schließlich war der Keller eine Keimzelle des Jazz, nicht nur für Frankfurt, sondern für Deutschland, gar Europa. Auf seiner Bühne standen die Namhaftesten der Welt, die Koryphäen des Genres. Und die Frankfurter Szene hatte dort lange ihr Wohnzimmer, Namen wie Albert Mangelsdorff, Heinz Sauer und Günter Lenz sind damit verbunden. Und Gitarren-Kollege Volker Kriegel hat als echtes Multitalent sogar fürs ZDF einmal die Dokumentation „25 Jahre Jazzkeller“ produziert.

Als „wirkliche Kulturinsel“ begreift Eugen Hahn seinen Jazzkeller. „Was das Tollste ist: Alt und Jung und ganz verschiedene Menschen verstehen sich ausgezeichnet.“ Und Hahn als Gastgeber lässt es sich nicht nehmen, selbst an der Kasse zu stehen, um mit seinen Besuchern zu parlieren.

Quelle: op-online.de

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