Land stellt Pläne zum Umgang mit den Raubtieren vor

Der Wolf ist zurück in Hessen

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Zwei kleine Wölfe im Tierpark Sababurg werden von ihrer Mutter gesäugt. Hessen will nach mehreren bestätigten Wolfssichtungen ein Konzept für den Umgang mit den Tieren präsentieren.  

Wiesbaden - In Hessen gehen wieder Wölfe auf die Pirsch. Welche Folgen das haben wird, ist schwer abzusehen. Erfahrungen aus anderen Bundesländern zeigen, dass Wölfe weit weniger scheu als erwartet sein können. Von Bernd Glebe

Der Wolf ist zurück in Hessens Wäldern. Das Raubtier wird dort wieder heimisch. Was bei Natur- und Tierschützern für Begeisterung sorgt, treibt Nutztierhaltern große Sorgenfalten auf die Stirn. Vor allem Schafzüchter haben Angst, mit ihren Problemen alleine gelassen zu werden. Auch bei Wissenschaftlern stoßen die gestern in Wiesbaden vorgestellten Pläne von Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) für ein Wolfsmanagement im Land auf Bedenken.

„Ich verstehe die Euphorie um den Wolf nicht“, sagt der Vize-Vorsitzende des Landesverbands für Schafzucht und -haltung, Hubertus Dissen. Es bestehe die Gefahr, dass durch eine Ausbreitung Naturschutzflächen aufgegeben und dann vielen nebenberuflichen Schafhaltern die Existenzgrundlage entzogen werde. „Meine größte Angst ist aber nicht, dass ein Wolf meine Tiere reißt, sondern dass meine Herde dabei durchdreht und dann auf eine Autobahn läuft.“ Ein besonderer Dorn im Auge ist dem Schäfer, dass im Wolfsmanagement des Landes keine Entschädigung für gerissene Tiere erwähnt wird. Das sei in anderen Bundesländern ganz anders geregelt. Auch die elektronischen Herdenschutzzäune, die beim Nachweis eines gerissenen Schafs von den Regierungspräsidien zur Verfügung gestellt werden, seien oft nutzlos. „Wir haben auf unseren Weideplätzen Berge, Täler und Hecken, da nutzen diese Netze schlicht nichts.“

Bundesweit steigt die Zahl der gesichteten Wölfe. Für die Wolfsbeauftragte des Landes Hessen, Susanne Jokisch, ist das nicht verwunderlich. Die Tiere seien in Europa nie ausgestorben gewesen, die Bestände erholten sich immer mehr. In Hessen lebte von 2006 bis 2011 ein Wolf als Einzelgänger im Reinhardswald. Zuletzt hatten Jäger aber davon berichtet, dass ein Wolf in eine Fotofalle im Lahn-Dill-Kreis getappt sei. Zwei weitere Tiere wurden tot geborgen, nachdem sie im Frühjahr im Kinzigtal und bei Frankfurt überfahren worden waren. Hinz geht davon aus, dass künftig immer mehr Wölfe ins Land kommen.

Im Senckenberg-Forschungsinstitut für Naturschutzgenetik in Gelnhausen kommen mittlerweile im Jahr bundesweit rund 1000 DNA-Proben zur Analyse an. „Es ist rapide mehr geworden, fast eine Verdoppelung in den letzten Jahren“, berichtet Bereichsleiter Carsten Nowak. Aus Hessen seien zwar noch nicht so viele Proben dabei. „Aber der Wolf wird kommen, das ist ganz klar“, betonte der Wissenschaftler. Die hessischen Jäger versichern derweil, dass es mit ihnen keine Probleme geben wird. „Keines unserer Mitglieder wird auf einen Wolf schießen“, betont Rolf-Walter Becker vom Landesjagdverband. (dpa)

Quelle: op-online.de

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