Wolkenkratzer-Festival

Skyline-Spektakel trotz Regenwetter

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Frankfurt - Über eine Million Menschen haben am vergangenen Wochenende beim 5. Wolkenkratzer-Festival in Frankfurt ihren Blick in den Himmel gerichtet oder genossen umgekehrt die Vogelperspektive. Von Christina Lenz

Ob mit dem Fahrstuhl bis in die obersten Stockwerke der Hochhäuser oder bei einem Bungee-Sprung: Beim 5. Wolkenkratzerfestival taten sich viele neue Perspektiven auf.

18 Hochhäuser hatten sich hinter die Fassaden schauen lassen und den Besuchern spektakuläre Panoramen ermöglicht. Zu den Sensationen gehörte ein neuer Weltrekord, der hoch über den Dächern Frankfurts von einem jungen Österreicher am Samstag aufgestellt wurde. Die sogenannte Slackline bebte heftig unter den Turnschuhen von Reinhard Keindl, als der Mann um Punkt 14 Uhr versuchte, die etwa 30 Meter lange Strecke zwischen zwei Gebäudeteilen des Tower 185 auf dem gespannten Seil zu überqueren. Am Ende ging für den mutigen Sportler alles gut. Der erreichte Weltrekord war nur einer von vielen Höhepunkten des Wolkenkratzerfestivals, das laut Angaben des Veranstalters Radio FFH rund 1,2 Millionen Besucher am Wochenende in die Innenstadt gelockt hatte.

Teilweise auch ohne Karte in die Hochhäuser

Mit Musik-Acts wie Stefanie Heinzmann und Nena war auf den zwei Hauptbühnen an Hauptwache und Opernplatz bis in den Samstagabend hinein gerockt worden. Zum Abschluss des Tages, eine Viertelstunde nach Ende des Champions-League-Finales, zauberten die Veranstalter ein Feuerwerk in den Nachthimmel. Die zahlreichen Programmpunkte am Boden konnten auch von den vielen Besuchern ohne Karte bestaunt werden, von denen nur 80.000 bereit gestellt worden waren. Laut FFH-Chef Hans-Dieter Hillmoth seien jedoch fast 100.000 in die Hochhäuser gekommen, teilweise auch ohne Karte.

Auch am Boden hatte sich alles ums Schweben, Klettern, Hinaufziehen und Hinunterspringen gedreht. Motorräder der Artistengruppe Geschwister Weisheit, an denen Trapeze mit turnenden Artisten befestigt waren, knatterten 40 Meter hoch über der Zeil. Die von der französischen Künstlergruppe „Generik Vapeur“ bunt bemalten Autos, hingen noch lange an riesigen Wäscheklammern überm Rossmarkt. Der verregnete Sonntag wusch die Farbe weg, die die Künstlergruppe auf den Straßen hinterlassen hatte. Laut Veranstalter das einzig Gute, was das miese Wetter bewirkt hat.

Gestern mussten witterungsbedingt Programmpunkte abgesagt werden. Das Panorama, das sich bei dem guten Wetter am Samstag aus schwindelnder Höhe beim Blick durch die Glasfassaden der Baugiganten bot, reichte über die Stadtgrenzen hinweg bis weit hinein in den Taunus. Viele Besucher machten es sich vor den Hochhausfenstern gemütlich, im 50. Stock des Messeturms in fast 200 Meter Höhe sogar mit Kaffee und Kuchen.

Weniger beschaulich ging es beim Klettern oder Bungee Jumping vor den Türmen zu. Sogar an Kränen wurden Menschen auf Plattformen in die Höhe gezogen. Viele baumelten wie die Fische am Haken von einem der 50 Meter hohen Kräne nach ihren Bungee-Sprüngen herunter. Mit hochrotem Kopf gibt einer der Mutigen kleinlaut zu: „Beim Raufziehen ging mir schon ganz schön die Düse“ – der Bungee-Sprung vor dem neuen Opernturm sei aber ein „Adrenalinkick“ gewesen.

Gemeinschaftlich schwang sich eine spanische Artistengruppe in die Höhe. Sie formten ein menschliches Hochhaus aus ihren Körpern. Insgesamt sechzig Artisten bildeten einen kreisförmigen Pulk, bevor sie auf die Schultern ihrer Vordermänner und -frauen kletterten. Die Menschenpyramide wuchs von Schulterpaar zu Schulterpaar in die Vertikale. Am höchsten kletterten die Kinder über fünf oder sechs Menschenetagen hinweg. In Katalonien ist das ein alltäglicher Volkssport. „Oft treten mehrere Gruppen auf Dorffesten gegeneinander an“, so Ramón Romà, der Einzige in der Truppe, der deutsch spricht. „Die Tradition ist schon 200 Jahre alt und ursprünglich religiös geprägt“, meint Romà. „Die Menschen wollten damit dem Himmel näher kommen.“ In den vergangenen zweihundert Jahren haben die Menschen dies vor allem dank riesiger Stahlkonstruktionen und mutiger Architekten geschafft.

Bilder vom Wolkenkratzer-Festival

Frankfurt feiert seine Wolkenkratzer

In Dubai ragt inzwischen der höchste Turm der Welt, der Burj Khalifa mit 818 Metern Beton und Stahl, in die Luft. Die Frankfurter Skyline mit dem 300 Meter hohen Commerzbank-Turm als höchstem Punkt kann da schon lange nicht mehr mithalten. Das Hochhausensemble wird aber immer noch für seine Vielfalt und den Charakter einzelner Gebäude gelobt. Für die Frankfurter hat ihr „Mainhattan“ sowieso die aufregendste Skyline. Vor allem während des Wolkenkratzerfestivals.

Frankfurt feiert seine Wolkenkratzer

Quelle: op-online.de

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