Angeklagter beharkt sich mit Zeugen

Wolski will kein Schurke sein

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Der 61-Jährige - er ist Ehemann der Staatsgerichtshof-Richterin Karin Wolski - wehrt sich gegen die Behauptung, eine reiche Frankfurter Mandantin sowie deren Immobilien-Gruppe nach Strich und Faden geschröpft zu haben.

Darmstadt ‐ Nach vielen Vorwürfen geht Michael Wolski zum Angriff über. „Hier wird ein Schurkenbild von mir gezeichnet“, sagt der wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe angeklagte Rechtsanwalt gestern vor dem Landgericht Darmstadt. Von Joachim Baier

Der 61-Jährige - er ist Ehemann der Staatsgerichtshof-Richterin Karin Wolski - wehrt sich gegen die Behauptung, eine reiche Frankfurter Mandantin sowie deren Immobilien-Gruppe nach Strich und Faden geschröpft zu haben. Insgesamt geht es in dem seit Ende Oktober laufenden Prozess um fast 2,6 Millionen Euro, die Wolski zwischen 1999 bis 2003 dem Fiskus vorenthalten haben soll.

Sein Kontrahent an diesem Verhandlungstag: der 56 Jahre alte Schwiegersohn der Frau. Dieser hatte vergangene Woche als Zeuge kein gutes Haar an dem Angeklagten gelassen. „Ich habe aus meinem Herzen keine Mördergrube gemacht“, gibt der Arzt unumwunden zu, als er sich den Fragen des Angeklagten stellt. Er hatte Wolski eine intime Beziehung zu der 26 Jahre älteren Mandantin unterstellt. Der Vorsitzende Richter Rainer Buss beschreibt das Verhältnis der beiden Männer zueinander als „Frontstellung“.

Beide Männer schonen einander nicht.

Wolski gibt sich gut vorbereitet. Der Angeklagte, der nach einem Selbstmordversuch zwischenzeitlich nicht verhandlungsfähig war, befragt seinen Gegenspieler mit äußerer Gelassenheit und ruhiger Stimme nach Einzelheiten des bizarren Familienzwists. „Wie viele Romane wollen Sie denn noch erzählen?“, meint er mit laxer Handbewegung, als der Zeuge einer Antwort noch eine längere Erklärung nachschiebt. Immer wieder versucht Wolski, den Spieß umzudrehen. Er zitiert aus Unterlagen, in denen der Schwiegersohn als geldgierig und hinterhältig dargestellt wird.

Beide Männer schonen einander nicht. Wolski befragt den Zeugen immer wieder nach kleinsten Details, nach Jahre zurückliegenden Daten und Begebenheiten. Der 56-Jährige verliert sich oft in weitschweifige Antworten - gewürzt mit Seitenhieben auf die Vertrauenswürdigkeit Wolskis, bleibt aber äußerlich ebenso ruhig wie dieser. Richter Buss schießt ein ums andere Mal die Zornesröte ins Gesicht: „Wir sind hier beim Vorwurf der Steuerhinterziehung und müssen die Beziehung von Beteiligten klären“, mahnt er. „Ich erwarte, das Sie sich am Riemen reißen“, sagt er zu dem Zeugen. Nach etwas mehr als einer Stunde hat Buss genug: „Nicht nur ich bin jetzt soweit, dass ich den Faden verliere.“ Der Zeuge muss im Februar noch einmal kommen. Dann soll zunächst Wolskis Verteidiger mit der Befragung beginnen.

dpa

Quelle: op-online.de

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