WPA2 und gesunde Skepsis

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Im April wurde bekannt, dass die Google-Autos mit den Spezialkameras auch WLAN-Funknetze erfassen.

Offenbach ‐ Google. Es gibt derzeit kaum ein Unternehmen, das von Politikern und Datenschützern so viel Kritik einstecken muss - und bei Internetnutzern so beliebt ist. Von Ralf Enders

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Die jüngste Aufregung um das Internet-Imperium dreht sich um Google Street View. Dabei bietet Google einen Rundumblick auf Häuser, Gärten, Autos, Fußgänger. Dies allein stößt schon auf Kritik. Im April wurde zudem bekannt, dass die Google-Autos mit den Spezialkameras auch WLAN-Funknetze erfassen. Google hat nun eingeräumt, dabei auch Daten aus öffentlichen und ungeschützten WLAN-Netzen gesammelt zu haben: Fragmente von E-Mails oder Webadressen. Spätestens jetzt werden immer mehr Internetnutzer misstrauisch und stellen sich Fragen.

Wie kann ich mich vor Datensammlern schützen?

Durch Vorsicht im technischen Bereich und im Surfverhalten.

Technisch: Die Reichweite des eigenen drahtlosen Internetzugangs per WLAN (Wireless Local Area Network) geht fast immer über die Wohnung hinaus. Eine Sicherung ist also eigentlich unerlässlich. Erst vergangene Woche hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass Privatleute zur Kasse gebeten werden können, wenn Fremde über deren Netzwerke illegal Musiktitel aus dem Internet herunterladen. Der aktuelle Verschlüsselungsstandard ist WPA2. Der Nutzer wählt einen Netzwerkschlüssel, der schwer zu knacken ist. Dieser sollte regelmäßig gewechselt werden. Bei Nichtnutzung gehört das WLAN-Gerät ausgeschaltet. Über die Sendeleistung lässt sich die Reichweite herabsetzen, damit möglichst wenig über die Wohnung hinaus gefunkt wird.

Auch Einstellungen am Router und am Computer bringen mehr Sicherheit. Am Router etwa lässt sich über die sogenannten MAC-Adressen festlegen, dass sich nur der eigene PC oder das eigene Handy in das WLAN-Netz einwählen dürfen. Generell sollten die von Werk aus vergebenen Kennwörter der Netzwerkgeräte nach dem Kauf geändert werden, da sie oft standardisiert und somit leicht zu knacken sind.

Andere Anbieter ausprobieren

Surfverhalten: Die Datensammler sind überall, legal oder illegal; und was einmal im Internet steht, ist prinzipiell für alle Zeiten abrufbar. Deshalb: Strengste Zurückhaltung mit privaten und geschäftlichen Daten. Kinder und Jugendliche über die Risiken aufklären.

Was muss ich tun, wenn ich mein Haus nicht bei Google Street View finden möchte?

Widerspruch einlegen, und zwar schriftlich und formlos. Per E-Mail an streetview-deutschland@google.com oder per Brief an Google Germany GmbH, Betr. Street View, ABC-Straße 19, 20354 Hamburg. Inhalt: Beanstandete Gebäude, Grundstücke, Fahrzeuge oder Personen mit Adresse. Bestehende Internetansichten können per Ausdruck (Screenshot) hinzugefügt werden. Einen Musterbrief gibt‘s beim Bundesverbraucherschutzministerium unter bmelv.de.

Muss es immer Google sein?

Nein, aber Datenschützer sind die Konkurrenten auch nicht, was im Wesen von Suchmaschinen liegt. Und Google ist nicht zu Unrecht der Marktführer. Dennoch lohnt es sich, neue Wege zu gehen. „Googeln“ ist zum Synonym für die Internetsuche geworden, das gibt der Aktiengesellschaft aus Kalifornien ein Gewicht, das Kultur und Vielfalt im Internet zumindest nicht fördert. Zudem wird Google mit seiner „unüberschaubaren Vielfalt an Diensten zum Schwarzen Loch für Daten aller Art“, wie die Computerzeitschrift c‘t bereits 2006 schrieb. Alternativen für die Websuche sind etwa: bing. com, search.yahoo.de, acoon.de, ask.de, lycos.de, fireball.de, altavista.de oder abacho.de.

Quelle: op-online.de

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