Die wunderbare „Wunderbar“

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Ralf Otto hat seine anspruchsvollen Pläne der Anfangszeit durchgehalten.

Frankfurt - Den Expansionstrieb vieler Gastronomen konnten Ralf und Siegfried Otto noch nie nachvollziehen. Ihre „Schuster bleib’ bei deinem Leisten“-Mentalität zeugt nicht von viel Risikobereitschaft, klingt aber solide und beschert den Brüdern ein in der Branche seltenes Jubiläum. Von Detlef Kinsler

In ihrer „Wunderbar“ in der Antoniterstraße 16 in Frankfurt-Höchst feiern sie am heutigen Samstag den 25. Geburtstag. Damit steht ihr Lokal in einer Reihe mit Frankfurter Klassikern wie dem „Metropol am Dom“, dem „Café Karin“, „Harvey’s“ oder „Größenwahn“. „Wir gehören tatsächlich zu den wenigen, die so lange durchgehalten haben. Wir haben ein gutes Standing, obwohl sich der Markt radikal verändert hat“, sagt Ralf Otto nicht ohne Stolz.

Ein Kumpel in Kreuzberg bracht ihn auf die Idee mit der Kneipe. „Wenn ich ihn besuchte, guckte ich mir das alles immer ganz genau an“, erinnert er sich. „Plötzlich meldete sich das kleine Kaufmännchen in mir.“ Der Zufall wollte es, dass in Höchst eine Immobilie leer stand. „Ein Loch, der Tresen verfault, da hatte sich lange keiner mehr reingetraut“, lacht Otto. Aber er und sein Bruder ergriffen mit den Freunden Mikesch Steiner und Uschi Mader die Chance: Sekt oder Selters.

Ein Existenzgründerdarlehen bekamen sie nicht. Zu suspekt war ihre Vergangenheit: selbstverwaltetes Jugendzentrum in Königstein und Protest im Hüttendorf auf dem „Damm“ gegen den Weiterbau der B8 Ende der Siebziger. Freaks“ und „Feuerköpfe“ waren sie da. Und die schwarzen Schafe der Familie, die mit 29 und 35 im bürgerlichen Sinne noch nichts Gescheites auf die Beine gestellt hatten. Trotzdem bot ihr Vater – gerade Rentner geworden – seinen Jungs an, mit seinem Häuschen bei der Bank zu bürgen. Eine moralische Verpflichtung, das Projekt nie und niemals in den Sand zu setzen. „Für uns ging es von da an tatsächlich nur nach vorne“, versichert Otto.

Szenekneipe, Stadtteiltreff, Familienrestaurant

Szenekneipe, Stadtteiltreff, Familienrestaurant, erst die Höchster, dann den Main-Taunus-Kreis ansprechen, schließlich die Frankfurter an die Peripherie locken - so lauteten die Aufgaben für die frischgebackenen Gastwirte. Ein Begriff wie „Erlebnisgastronomie“ kursierte bereits „Wir wollten auch Ausstellungen und Partys, sogar mit Live-Musik, anbieten, ohne Eintritt zu nehmen, um damit den Leuten zu zeigen, dass wir nicht gierig sind und immer wieder was ans Publikum zurückgeben wollten“, so das Credo der Macher. Den Laden lebendig zu halten, ihm immer wieder ein neues Gesicht zu geben, gehörte ebenso zum Anspruch der Wunderbar. Zehn verschiedene Anstriche in 25 Jahren, mal mit indianischer, mal afrikanischer Anmutung, immer „spacy“ - wie aktuell vom Künstler Peter Damm in Gelb, Orange und Aubergine. „In grauen Städten brauchen die Leute Farbtupfer, was Lebendiges, Buntes, Schönes, wo sie sich wohl fühlen können“, erklärt Otto die Idee.

Seit 25 Jahren pflegt die Wunderbar auch ein symbiotisches Verhältnis mit den Nachbarn des Neuen Theaters Höchst. „Die Leute wollen heute gerne ein Paket, sagen: Wir machen uns einen schönen Abend, gehen vorher zum Essen in die Wunderbar, dann zur Vorstellung ins Theater und danach noch mal zu einem Absacker zurück in die Bar“, ist die Erfahrung der Betreiber.

Ralf Otto ist übrigens vor fünf Jahren seinem eingangs beschriebenen Prinzip untreu geworden. Mit der „Wunderbar Weite Welt“ gibt es einen Ableger in Eppstein. Der Bürgermeister selbst warf den Köder aus. „Er wollte ein Kulturcafé mit Bühne“, da konnte Otto nicht widerstehen. Im alten Bahnhof richtete man sich ein. Auf mehreren Ebenen, mit Biergarten und handgemachter Musik hautnah einmal pro Woche. „Wir machen Americana, Singer/Songwriter, Rock, Blues und Afro auf hohem Qualitätsniveau“, betont der Eric-Burdon-Fan selbstbewusst und hat demnächst Rich Hopkins & Luminaros (18.4.) und Todd Thibaud Band (25.4.) zu Gast.

Der beste Witz der Welt - lachen Sie mit

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„Schöner Laden, gute Biere, Bioweine, gutes Futter und Top-Service.“ Und das im Schatten der Burg mit S-Bahn-Anschluss oder zum Hinradeln durch das schöne Lorsbachtal. „25 Jahre Wunderbar“ mit Livemusik von den Good Old Boys (Rockcovers) und Neal Black & The Healers (Bluesrock aus Texas) plus DJ Settka, Frankfurt-Höchst, Antoniterstraße 16 , heute (6.) ab 19 Uhr, Eintritt frei.

Quelle: op-online.de

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