Qualitätsbericht des RMV zweifelhaft

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Verkehrsclub kritisiert RMV: Nirgendwo ist der Regionalverkehr so teuer wie im Rhein-Main-Gebiet

Offenbach ‐ Täuscht der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) in seinem jüngsten Qualitätsbericht die Kunden? Zumindest sind Zweifel von denjenigen, die ihn genauer unter die Lupe genommen haben, berechtigt. Von Peter Schulte-Holtey

So hört es sich für den unbefangenen Leser zwar gut an, wenn der RMV verkündet: „Insbesondere bei der S-Bahn verbesserte sich die Pünktlichkeit um zwei Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr.“ Wer jedoch „nachgräbt“ (so wie die Regionalgruppe Rhein-Main des Verkehrsclubs Deutschland - VCD - und unser Dietzenbacher Leser Gerhard Münster) und die Zahlen des RMV genauer untersucht, bekommt den Eindruck, dass der „Gesamt-Pünktlichkeitswert von 94,6 Prozent“ der S-Bahnen im Jahr 2009 doch mit vielen Fragezeichen zu versehen ist. So hat S-Bahn-Kunde Münster in einer intensiven Analyse herausgefunden, dass Verspätungen teils aus der RMV-Statistik „herausgerechnet“ werden. Auch laut VCD tauchen zum Beispiel Totalausfälle nicht in der Pünktlichkeitsrechnung auf.

Andererseits sollten RMV-Bemühungen beim Thema Pünktlichkeit anerkannt werden. So heißt es ja auch im Qualitätsbericht: „Um dem Problem der Folgeverspätungen Herr zu werden, werden Dispositionszüge auf einzelnen Linien, zum Beispiel bei der S 2, bereitgestellt, die bei Verspätung des Eingangszuges trotzdem pünktlich in die Gegenrichtung ausfahren können. Erhöhtem Aufwand der Fahrzeugbereithaltung steht ein Qualitätsgewinn an Pünktlichkeit im Gesamtsystem gegenüber.“ Grundsätzlich muss man den RMV-Verantwortlichen zugute halten, dass sie einräumen: „Wirklich  planmäßig verkehren auch bei den S-Bahnen insgesamt nur zirka 55 Prozent aller Fahrten.“

Das Niveau ist verbesserungswürdig

Für VCD-Sprecher Holger Greiner steht fest, dass das Niveau verbesserungswürdig ist: „Es gelingt dem RMV nicht, die eigenen Zielvorgaben mit 96 Prozent Pünktlichkeit zu erreichen. Von „stabilen, hohen Pünktlichkeitswerten“, wie es RMV-Chef Knut Ringat formuliert, kann hier noch längst keine Rede sein.“ Unbefriedigend blieben auch die Informationen für Kunden bei Unregelmäßigkeiten bzw. Verspätungen im S-Bahnbereich durch den Stationsbetreiber, meint Greiner.

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Kritik am RMV: „Verspätungen verschleiert“

Der Verkehrsclub bekräftigt auch seine Auffassung, „dass das Preis-Leistungs-Verhältnis des größten hessischen Verkehrsverbundes nach wie vor eher mangelhaft ist“. Club-Sprecher Greiner zu unserer Zeitung: „Nirgendwo in den großen Verkehrsverbünden in Westdeutschland ist der Regionalverkehr so teuer wie in der Rhein-Main-Region, obwohl die durchschnittlichen Lebenshaltungskosten in Großstädten und Ballungsräumen wie München oder Hamburg eine ähnliche Höhe haben wie in unserer Region.“ Nach Angaben des Verkehrsexperten werden zudem viele Ermäßigungsvarianten und Rabatte, „die in anderen Verkehrsverbünden möglich sind - und die dort das Preisniveau weiter senken, beim RMV nicht angeboten“. Auch gebe es keine Spezialtickets, Mehrfahrtenkarten oder die Möglichkeit zur erweiterten räumlichen und zeitlichen Zeitkartennutzung, wie etwa beim Nachtnetz im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr, bemängelt Greiner.

Quelle: op-online.de

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