Vom Zauber des Tigers

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Das Duo Nostalgia

Frankfurt - Die beiden kleinen Tiger Taru und Asim verzaubern derzeit die Besucher des Frankfurter Zoos. Von Christian Riethmüller

Es ist daher gut möglich, dass der Frankfurter Chef-Tiger Johnny sich ein Beispiel an ihnen genommen hat und da auf Schmusekurs pirscht, wo er sonst fauchend die Zähne zeigen würde.

Johnny Klinke, Chef des Varieté-Theaters Tigerpalast, war jedenfalls schon als garstigerer Conférencier bei den längst legendären Herbstrevue-Premieren zu erleben, als nun zum Auftakt der 24. Spielzeit des Hauses. Zu diesen Premieren finden sich neben Prominenz aus Wirtschaft, Gesellschaft, Sport und Showbiz ja vor allem Politiker aus nah (Frankfurt, Offenbach) und fern (Wiesbaden) ein, um sich von Klinke wenn schon nicht „derbleck’n“ so doch zumindest pieksen zu lassen. Kleine Stiche gab es diesmal für die OB-Aspiranten der Frankfurter SPD, Peter Feldmann und Michael Paris („da denke ich an Aue oder Paderborn“), die Frankfurter Grünen („bieten nun eine Wahlmöglichkeit rechts von der CDU“), oder Innenminister Boris Rhein (CDU) und dessen Pläne, ein Alkoholverbot in Bus und Bahn durchzusetzen („wie kommt dann der Öffentliche Dienst nach Hause?“).

„Oder wolltest Du Bürgermeister von Pristina werden?“

Doch der Tiger konnte auch schnurren, was vor allem den Offenbacher Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) gefreut haben dürfte. Der wurde von Klinke ob der beschämenden Wahlbeteiligung bei der OB-Wahl in der Lederstadt sogar noch getröstet („oder wolltest Du Bürgermeister von Pristina werden?“).

Mit dem Kosovo liebäugelt Schneider gewiss nicht, doch nach seinen Bühnenerfahrungen vom Dienstagabend vielleicht mit Österreich. Von dort kommt nämlich Charly Borra. Der Grazer vermag es tatsächlich, allen und jedem etwas aus der Tasche zu ziehen und wäre damit eigentlich prädestiniert, die leeren Kassen notleidender Kommunen zu füllen. Doch Borra ist zwar der König der Taschendiebe, aber auch ein ehrlicher Mensch. Die Beklauten bekommen die Utensilien zurück, deren Verschwinden sie gar nicht bemerkten.

Hoffnungsvolle Talente und wahre Meister

Charly Borras Fingerfertigkeit ist nur einer von zahlreichen Höhepunkten, die das Herbstprogramm des Tigerpalasts zu bieten hat und die Johnny Klinke mit allem Grund von der Weltspitze des Varietés schwärmen lässt. Gemeinsam mit Margareta Dillinger hat Klinke erneut eine Mischung gefunden, die hoffnungsvolle Talente wie auch wahre Meister ihres Fachs präsentiert.

Menno & Emily vereinen Jonglage und Tango zu einer betörenden Choreographie.

Wie ein Ameuse-Gueule bei einem klug komponierten, mehrgängigen Dinner stimmte Mike Leclair mit leichthändiger Balljonglage auf den Abend ein, der etwa bei Maria Sarachs faszinierenden Kontorsionen allgemeingültige Vorstellungen über die Biegsamkeit des menschlichen Körpers revidierte oder bei den atemberaubenden Darbietungen des jungen Briten Jonathan Young am Chinesischen Mast daran erinnerte, dass der Artist auch einen starken Eindruck im Boden hinterlassen könnte, wenn die vorgeblich tollpatschigen Übungen tatsächlich einmal daneben gehen könnten.

Nostalgia und Tango

Ähnlich spektakulär und aufregend ging es dann auch beim russischen Duo Nostalgia zu, dem in Monte Carlo mit dem Goldenen Clown ausgezeichneten Trapezduo, das unter dem Dach des Tigerpalasts die prächtigste Akrobatik bietet, die sich wünschen lässt. Solche Meisterschaft bietet in seinem Genre auch der Berliner Avantgardejongleur Jochen Schell, der mit speziellen Kreiseln so verblüffende wie faszinierende Figuren schafft.

Informationen zum Programm unter Tel. (069) 9200220 oder auf der Homepage des Tigerpalasts

Menno van Dyke bietet dagegen vertrautere Jonglage mit Bällen und Keulen, allerdings eingebunden in einen Tango mit der Französin Emily Weisse. In perfekter Choreographie verbinden sich hier Tanz, Akrobatik und Jonglage zu einer begeisternden Vorführung, die allein schon den Besuch des Herbstprogramms lohnte, das bei der Premiere mit Kreisler-Liedern des Chansoniers Jo van Nelsen und dem unvergleichlichen Michael Quast als Friedrich-Stoltze-Rezitator noch besondere Schmankerl bot.

Mögen Taru und Asim momentan auch die herzigsten Tiger in Frankfurt sein, den zauberhaftesten Tiger der Stadt findet man verlässlich einige Schritte vom Zoo entfernt in der Heiligkreuzgasse.

Quelle: op-online.de

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