Experten raten zur Impfung

Zecken: So klein und so gefährlich

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Vor allem in Wäldern und Wiesen, Parks und Gärten sind Zeckenbisse immer möglich. Es gilt, einige Vorkehrungen zu treffen.

Frankfurt/Offenbach - Es beginnt meist ganz harmlos: Leichte Kopfschmerzen, kleine Konzentrationsschwächen, Fieber und Schwindel beunruhigen die meisten Betroffenen nicht. Schließlich tauchen ähnliche Symptome auch bei einer Grippe auf. Von Ronny Paul 

Und wenn der Körper sich nach spätestens vier Tagen von der „kleinen Sommergrippe“ scheinbar wieder erholt hat, geht der Alltag normal und unbeschwert weiter. Dass die Warnsignale des Körpers auch auf eine Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die von Zecken übertragen wird, hindeuten können, ist den meisten Menschen in Deutschland gar nicht bewusst. Laut einer Studie des Deutschen Grünen Kreuzes (DGK) sind zehn von hundert Patienten mit solchen grippalen Symptomen durch einem Zeckenstich nachweislich mit FSME-Viren infiziert worden. Allerdings wird eine Erkrankung in diesem Stadium oft nicht als FSME-Infektion erkannt, da sich auch längst nicht jeder der Betroffenen an einen Zeckenstich erinnern kann.

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Das Robert Koch-Institut hat im vergangenen Jahr 420 FSME-Fälle registriert, davon allein 22 in Hessen. In diesem Jahr sind es bereits fünf Fälle. Auffällig dabei: „Offenbach ist ein Zecken-Risikogebiet, Frankfurt dagegen nicht“, erklärt Dr. Jens Amendt vom rechtsmedizinischen Institut der Frankfurter Universitätsklinik. Der Main fungiere als natürliche Grenze für die kleinen Spinnentiere. „Die Zecken breiten sich vom Süden nach Norden aus“, erläutert er. Besonders an der Bergstraße gilt: Achtung Zecken. Allein dort gab es 2013 13 FSME-Fälle.

FSME: Rat zur Impfung

Amendt rät daher unbedingt zu einer vorbeugenden Impfung: „In Österreich haben sich in den letzten Jahren rund 80 Prozent der Bevölkerung impfen lassen.“ Das habe sichtlich zu einem starken Rückgang an Erkrankungen geführt, bilanziert er. Der FSME-Virus kann schon – anders als die Borreliosebakterien – beim bloßen Biss der Zecke durch deren Speichel ins menschliche Blut gelangen. „Ist ein Patient mit FSME erkrankt, können nur die Symptome behandelt werden“, erklärt Professor Uta Meyding-Lamadé, Chefärztin am Frankfurter Nordwest Krankenhaus. Auch sie rät unbedingt zur vorsorglichen Impfung. Denn hat die Zecke bereits zugebissen, kann ein Ausbruch von FSME nicht mehr verhindert werden, Es gibt keine Medikamente, die eine Virusvermehrung verhindern. Insofern ist eine vorbeugende Impfung der einzige sichere Schutz vor FSME.

Das Tückische an einer FSME- Erkrankung ist der Verlauf in zwei Phasen. Und erst die zweite Phase haut die Betroffenen dann richtig um: Entzündungen von Hirnhaut, Gehirn und Rückenmark sind die schlimmen Folgen, die beim Patienten zu Lähmungserscheinungen am ganzen Körper führen können. Die Betroffenen können im schlimmsten Fall auch eine vorübergehende oder sogar dauerhafte Beschädigung des zentralen Nervensystems erleiden. Besonders bei älteren Menschen ist das Risiko groß, nach einer FSME-Infektion eine Gehirnentzündung zu erleiden.

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Meyding-Lamadé nennt zur Vorbeugung drei einfache Punkte: „Das Tragen von heller, geschlossener Kleidung schützt vor dem Anhaften der Zecken am menschlichen Körper.“ Hell sollte die Kleidung sein, um Zecken, die selbst im vollgesogenen Zustand nicht größer als 13 Millimeter werden, besonders schnell auf den Textilien erkennen zu können. Sie rät auch vom Kriechen im Unterholz ab und empfiehlt nach jedem Spaziergang den Körper gründlich nach den kleinen Blutsaugern abzusuchen. Insektenspray oder Nelkenöl würden nur begrenzt bei der Abwehr der kleinen Spinnentiere helfen, erklärt Meyding-Lamadé. Außerdem würden Zecken sich nicht, wie oft angenommen, in James-Bond-Manier vom Baum auf den Menschen stürzen, sondern haften sich beim Vorbeistreifen an Gräsern oder Sträuchern diesen an.

Besonders in Risikogebieten wie Baden-Württemberg, Hessen, Bayern oder Thüringen bestehe für Ungeimpfte im Freien eine unnötige Gefahr, so das DGK. In Deutschland sind mittlerweile 241 Risikogebiete ausgewiesen. Im Jahr 1998 waren es nur 63. Die Zahl der jährlich gemeldeten FSME-Erkrankungen schwankt sehr stark. Dabei spiele das Wetter eine große Rolle, erläutert Amendt. Es beeinflusst sowohl die Aktivität der Zecken, als auch das Verhalten der Menschen: Ist der Sommer regenreich und kühl, zieht es – im Gegensatz zu sonnenreichen Monaten – weniger Menschen nach draußen, das führt zu weniger Bissen. Allein in den vergangenen drei Jahren schwankten die Zahlen von gemeldeten FSME-Fällen erheblich: 2011 wurden bundesweit 423 Erkrankungen registriert, im Folgejahr waren es nur 195. Im letzten und auch in diesem Jahr steigen die Zahlen wieder.

Quelle: op-online.de

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