Klares Zeichen gegen Holocaust-Leugner

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In einer bewegenden Ansprache in der Holocaust-Gedenkstaette Yad Vashem in Jerusalem erteilte er der Leugnung der Ermordung von sechs Millionen Juden in der NS-Zeit eine klare Absage: "Moege ihr Leiden nie geleugnet, verharmlost oder vergessen werden!"

Jerusalem - Tief betroffen wirkte der Papst, als er Überlebenden des Holocausts die Hand schüttelte. Die heute alten Menschen verloren damals teilweise ihre gesamten Familien in den Vernichtungslagern der Nazis.

Auch bei seiner Rede während des Besuches in der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem in Jerusalem wirkte Benedikt XVI. berührt vom Schicksal der sechs Millionen Juden, die im Zweiten Weltkrieg ermordet wurden. „Mögen die Namen dieser Opfer niemals untergehen. Möge ihr Leiden niemals bestritten, verharmlost oder vergessen werden“, sagte das Oberhaupt der Katholiken. Die Schreie der Opfer seien noch heute zu hören. Benedikt rief zu einem weltweiten Kampf gegen den Antisemitismus sowie einer friedlichen Lösung des Nahost-Konfliktes auf.

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Anders als von vielen Juden erhofft, ging der deutsche Papst jedoch nicht auf die Rolle der Kirche während der Judenvernichtung zur NS-Zeit ein. Benedikt besuchte zwar die Gedenkstätte, nicht aber das Museum. Dort wird ein Bild von Pius XII. (Papst von 1939 bis 1958) gezeigt und darunter der Text, dass der Geistliche nicht gegen den Völkermord protestierte und sich weitgehend neutral verhielt. Der Vatikan hat gegen diese Darstellung protestiert.

Trotzdem dürfte die Rede die hohen Erwartungen in Israel erfüllt haben. Denn das jüdisch-katholische Verhältnis war in den vergangenen Monaten teils äußerst angespannt. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung stand die Aufhebung der Exkommunizierung des Holocaustleugners Richard Williamson, für die Benedikt in der ganzen Welt, vor allem aber in Deutschland , scharf kritisiert wurde. Schließlich bedauerte er sein Vorgehen in einem Brief an alle katholischen Bischöfe.

Der Empfang für Benedikt auf dem Flughafen Tel Aviv war freundlich. Nicht nur von Staatspräsident Schimon Peres, sondern auch vom konservativen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu wurde das Kirchenoberhaupt am roten Teppich begrüßt. Der neue Regierungschef ist noch nicht lange im Amt. Ihn dürfte nicht erfreut haben, dass sich Benedikt gleich zu Beginn seiner Reise für einen unabhängigen und international anerkannten palästinensischen Staat aussprach. Zwar ist die Position in weiten Teilen der Welt Konsens, doch der Likud verfolgt derzeit keine derartigen Schritte. So machte Netanjahu mit dem Thema auch Wahlkampf. Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums bemühte sich auch gleich, die Bemerkungen herunterzuspielen. Dies sei kein Diskussionsthema beim Besuch des Papstes.

Tatsächlich kam Benedikt vor allem als Pilger in das Heilige Land und wird wichtige religiöse Stätten auch im Westjordanland besuchen. Wegen der Gefahr von Extremisten sind dafür die die Sicherheitsvorkehrungen enorm: 60 000 Polizisten schützen den Papst. Auch den kurzen Weg vom Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv nach Jerusalem legte Benedikt im Hubschrauber zurück. In der für alle drei Weltreligionen Heiligen Stadt wurde er von christlichen, jüdischen und muslimischen Schulkindern begrüßt, die mit Flaggen von Israel und des Vatikans winkten.

Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland , Stephan Kramer, hofft, dass Benedikt „die offenen Wunden“ heile, die der Vatikan in jüngster Zeit aufgerissen habe.

AP /dpa

Quelle: op-online.de

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