Zeitreise zur entfernten Verwandschaft

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Aus der Ahnengalerie des Menschen: Die Rudolfseegruppe

Frankfurt - Die Reise beginnt in Afrika. An einer Grabungsstätte. Es riecht nach Stroh. Im Sand steht ein grüner Landrover. Spaten stecken im Sand und ein Computer ist aufgestellt. Hier beginnt die Ahnenforschung. Von Kathrin Rosendorff

Oder wie die Wissenschaftler sie nennen: Paläoanthropologie: Die Lehre von den vergangen Menschenformen. „Alle bisher gefundenen Menschenfossilien passen auf die Ladefläche eines Geländefahrzeugs“, sagt Bernd Herkner, Projektleiter der Schau „Safari zum Urmenschen.“ Das Swahili-Wort „Safari“ bedeutet „Reise“', erklärt er.

Die nachgebaute Grabungsstätte ist die erste Station der Reise, die gleichzeitig die zweite große Sonderausstellung des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseums in der Wolfgang-Steubing-Halle in Frankfurt ist. Die erste war die sehr erfolgreichen „Tiefsee“-Ausstellung. War diese eine Kooperation mit anderen Museen, ist die Safari ein Projekt des Museums Senckenberg allein, das einen Schwerpunkt in der Evolutionsforschung hat.

250 Exponate auf 1000 Quadratmetern Fläche gibt es in der Ausstellung zu sehen. „Ich selbst war leider noch nie bei Ausgrabungen dabei“, sagt Herkner. „Aber unsere beiden Forscher Friedemann Schrenk und Ottmar Kullmer sind gerade wieder in Malawi. Und sie haben auch schon wieder etwas entdeckt.“ Das „Finderglück“ ist berechenbar. „Grabungsexpeditionen werden nur in sorgfältig ausgewählten Gebieten durchgeführt“, sagt der Projektleiter. Interaktive Terminals geben nicht nur Auskunft über Satellitenaufnahmen der Erdoberfläche, die zum richtigen Fundort führen. „Die Besucher erfahren auch im Feldtagebuch etwas über den normalen Tagesablauf der Forscher. Wann stehen sie auf? Was gibt es zum Frühstück?“ sagt Herkner.

Es gibt keine Original-Fossilien zu sehen

Steril und nüchtern geht es an der nächsten Station zu. Kaltes Neonlicht beleuchtet den „Labor-Trakt“. Hier gibt es Wissenswertes zur zeitlichen Einordnung der Fossilien und ihrer Präparation zu erfahren. „Für die Datierung der ostafrikanischen Urmenschen sind neben ihnen gefundene Backenzähnen von Schweinen besonders geeignete Zeitmarker“, erklärt Herkner die „Schweinechronologie“. „Diese Zähne haben sich innerhalb der letzten fünf Millionen Jahre schnell verändert und so kann man an ihnen die Zeit entschlüsseln.“

Da die Funde von Vor- und Frühmenschen extrem selten und deshalb von unschätzbarem Wert sind, gibt es in der Ausstellung keine Original-Fossilien zu sehen, dafür aber originalgetreue Repliken. Zum ersten Mal in Deutschland zu sehen ist auch Primatenfund „Ida“. Sie ist 47 Millionen alt und in der Grube Messel entdeckt worden. „Die Original-Ida, der älteste und vollständigste bislang gefundene Primat, gibt es wahrscheinlich im Februar unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen in der ,Schatzkammer‘ des Haupthauses zu sehen“, sagt Herkner.

Auf der Zeitreise durch die Ahnengalerie darf man im ersten Stock die 27 weißen lebensecht nachgeahmten Köpfe und Gesichter von unseren Urvorfahren wie „Mrs. Ples“ und dem „Nussknacker-Menschen“ gerne streicheln. Sieben Millionen Jahre Menschengeschichte sind hier sichtbar.

Die Ausstellung „Safari zum Urmenschen“ ist vom 9. Oktober bis zum 18. April 2010 in der Wolfgang-Steubing-Halle des Museums Senckenberg in Frankfurt zu sehen. Öffnungszeiten: So-Di 9 bis 18 Uhr, Mi-Sa 9 bis 20 Uhr.

Informationen auch auf dem Internetauftritt.

„Lucy“ steht ein paar Meter weiter. Sie ist eine 3,2 Millionen alte Skelett-Dame, die nach dem Beatles-Hit „Lucy in the Sky With Diamonds“ benannt ist. An ihr ist die Entwicklung zum aufrechten Gang nachvollziehbar. Neben ihr ausgestellt sind Beckenknochen zum Anfassen. An ihnen kann man sehen und erfühlen, dass der aufrechte Gang nicht nur Vorteile mit sich gebracht hat. „Der Geburtskanal wurde durch den aufrechten Gang verengt, gleichzeitig wurde das Gehirn des Säuglings größer“, erzählt Herkner. Aber: durch den aufrechten Gang waren die Hände plötzlich frei. So konnten die Urmenschen erste Werkzeuge entwickeln. Aber nicht nur Speere bauten sie. Auch erste Kunstobjekte. „Lustigerweise sind die Tiernachbildungen sehr genau. Die Frauenabbildungen sind dagegen total überzogen,“ lacht Herkner. Die haben nämlich oft keinen Kopf, dafür aber überdimensionierte Brüste.

Quelle: op-online.de

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