Zentrales Instrument der Stadtplanung

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Vor 125 Jahren wurde die ABG gegründet. Heute besitzt sie rund 50 000 Wohnungen. In Offenbach baut die ABG auf der Hafeninsel.

Frankfurt - So richtig gelegen kommt der ABG Frankfurt Holding ihr 125. Geburtstag nicht. Am alten Sitz der Zentrale in der Elbestraße stapelten sich noch kurz vor Weihnachten die Umzugskisten.

Seit 5. Januar hat das kommunale Wohnungsunternehmen Frankfurts seinen Hauptsitz in die Niddastraße im Bahnhofsviertel verlegt. Geschäftsführer Frank Junker lacht: „Nichts ist beständiger als der Wandel. “ Seit 1993 führt er die Holding, die seit 1991 alle kommunalen Wohnungsunternehmen unter einem Dach vereint. Undenkbar sei es, schon am 16. Januar - dem Gründungsdatum der namensgebenden „Aktienbaugesellschaft für kleine Wohnungen“ (ABG) - ein Fest auf die Beine zu stellen, sagt er. Im Sommer wolle man die Mieter aber ins Grüne einladen.

Wenn diese alle kämen, reichte die Commerzbank-Arena nicht aus. Heute besitzt die ABG etwa 50.000 Wohnungen. Für die Stadt ist die Holding das zentrale Instrument der Stadtplanung und Wohnungspolitik. Kürzlich korrigierte die Holding ihren Fünf-Jahresplan für Wohnungsbau auf 6680 Wohnungen nach oben. Die Stadt wächst, die Mieten steigen, und das Thema Wohnungsbau beherrscht die Agenda.

Erste ABG-Wohnungen im Nordend

Das war bei der Gründung 1890 nicht anders. Die „Aktienbaugesellschaft für kleine Wohnungen“, die der Mäzen Charles Hallgarten und der Sozialpolitiker Karl Flesch damals ins Leben riefen, sollte die Not der Arbeiter lindern helfen. Zwischen 1870 und 1900 hatte sich die Bewohnerzahl Frankfurts fast verdreifacht. Die Industrialisierung verhieß Menschen vom Land neue Erwerbsmöglichkeiten. Doch genügend Geld, um eine Wohnung zu mieten, geschweige denn Häuser zu bauen, besaßen die wenigsten. Elendsunterkünfte entstanden. In der ohnehin schon engen Altstadt wurden die Wohn- und Lebensbedingungen untragbar.

Rund 600 bürgerliche Geldgeber hatte 1890 die gemeinnützige Gesellschaft ABG. Sie verlangten keinen Gewinn, lediglich einen Zins von 3,5 Prozent. Die ersten ABG-Wohnungen entstanden damals vor den Toren der Stadt - in der Burgstraße im heutigen Nordend. Es folgten Blocksiedlungen entlang der Friedberger Landstraße. Später entstanden am Marbachweg oder an der Ginnheimer Landstraße ebenfalls Arbeiterwohnungen. Es waren Zwei-Zimmer-Wohnungen mit 33 Quadratmetern, nach damaligem Verständnis konnten darin elf Personen leben. Die Wohnungsmiete belief sich auf den durchschnittlichen Wochenlohn eines Arbeiters: 14 Mark. Viele dieser Backsteinhäuser stehen - aufwändig restauriert und saniert - bis heute.

Nordweststadt binnen sechs Jahren aufgebaut

Nach dem Ersten Weltkrieg geriet die private ABG in finanzielle Schieflage. Die Stadt sprang ein, erwarb 1922 insgesamt 90 Prozent der Anteile und machte aus ihr das zentrale Instrument von Stadtplanung und Siedlungspolitik. Unter der Regie von Stadtbaumeister Ernst May entstanden ab 1925 die gewaltigen Siedlungen Praunheim, die Römerstadt, Westhausen, die Bebauung am Bornheimer Hang und das von kleinen Gärten durchzogene Goldstein. Chef-Architekt der ABG wurde damals Carl-Hermann Rudloff, ein enger Vertrauter Mays.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war von 11.000 ABG-Wohnungen nur noch die Hälfte bewohnbar. Der akute Wohnungsmangel wurde noch dadurch verschärft, dass die Amerikaner sich in einigen May-Siedlungen einquartierten. Als Reaktion wurde in den 50er und 60er Jahren dann sehr schnell gebaut. Wohnhochhäuser entstanden. Ein Denkmal dieser Zeit ist die binnen sechs Jahren aufgebaute Nordweststadt, an der die ABG mit 1310 Wohnungen beteiligt ist.

Die 90er Jahre waren geprägt von einer gewaltigen Instandhaltungs- und Sanierungsanstrengung. Die alten Wohnungen brauchten neue Bäder. Die ABG übernahm damit zugleich die Aufgabe von Stadtreparatur und sozialverträglicher Quartiersentwicklung. Heute steht das Bauen wieder mehr im Vordergrund. „Für alle“ soll es sein. In vollem Gang sind derzeit die Projekte im Neubauviertel auf dem Riedberg. Konversion von leer stehendem Büro- in Wohnraum wie etwa in Niederrad wird immer wichtiger. Der Trend, in der Region zu bauen, ist dagegen nur scheinbar neu. Die ABG baute schon früher außerhalb der Stadtgrenzen, etwa in Maintal-Dörnigheim oder in Kelkheim. Heute werde Wohnungsbau zunehmend als eine regionale Herausforderung und Chance verstanden, von der alle profitieren, so Junker. Als sichtbares Zeichen der wohnungspolitischen Annäherung Frankfurts an seine Nachbarstädte gilt die Bebauung der Hafeninsel in Offenbach. In der Lederstadt wird die ABG zudem auf dem früheren MAN-Roland-Gelände bauen. (cnn/isi)

Quelle: op-online.de

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