Sensationen in der Manege

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Der Zirkus Charles Knie öffnet auf dem Festplatz am Ratsweg in Frankfurt sein großes Zelt mit 1440 Sitzplätzen für die Besucher.

Frankfurt - Schreck am Nachmittag: Will da jemand nicht aufs Gruppenfoto? Als sich die Artisten des Zirkus Charles Knie für den Fotografen in der Manege versammeln, steigt plötzlich der schwarze Friesenhengst in die Höhe. Von Christian Riethmüller

Sein Reiter Marek Jama hat ihn zwar sogleich wieder unter Kontrolle, doch einer der Artisten bekommt einen Huf ab. Während er sich noch mit erschrockenem Gesicht die Schulter reibt, werfen sich die übrigen erneut in Positur und lächeln. The show must go on, nach dem Fotografentermin stehen schon wieder Proben an.

Heute Abend wird der Zirkus Charles Knie auf dem Festplatz am Ratsweg in Frankfurt sein großes Zelt mit 1440 Sitzplätzen für die Besucher öffnen. Zum ersten Mal feiert ein Großzirkus seine Saisonpremiere in der Mainmetropole. Bis zum 20. März wird der Zirkus in Frankfurt bleiben, bevor er auch in diesem Jahr wieder eine umfangreiche Tour mit etwa 50 Spielorten und insgesamt rund 400 Vorstellungen absolvieren will. Neben den fliegenden Menschen unter der Zirkuskuppel - der brasilianischen Truppe „The Flying Mendonca“ - , dem Meisterdieb Kenny Quinn, dem Bauchredner Kenneth Huesca, oder dem Clown André sind dabei auch etliche Tierdressur-Nummern zu bestaunen. Für diese Darbietungen ist der Zirkus Charles Knie bekannt, sie haben ihn aber auch ins Visier militanter Tierrechtler gebracht, die etwa in Stuttgart schon einmal eine Vorstellung sprengten, in anderen Orten Werbeplakate des Zirkus mit Parolen überklebten oder - wie nun in Frankfurt geschehen - gleich demolierten.

Kontrollen durch Veterinärämter

Zirkus-Sprecher Sascha Grodotzki weist Vorwürfe zurück, dass die Tiere unter dem Reisestress oder unter den untypischen Umgebungen litten. „Das war vielleicht vor hundert Jahren so“, sagt Grodotzki und verweist auf eine Untersuchung des Circus Krone aus dem vergangenen Jahr, die ergeben habe, dass die Tiere während eines Umzugs dreimal niedrigere Stresswerte aufwiesen wie der mitreisende Dompteur. Durch die sich an natürlichen Verhaltensmustern orientierende Dressur seien die Tiere zudem mehr Reizen ausgesetzt als in freier Wildbahn.

Wie Grodotzki gestern weiter sagte, wird der Zirkus an jedem Spielort von den zuständigen Veterinärämtern untersucht, die bisher noch stets ihr O.k. zu Haltung, Unterbringung und Zustand der Löwen, Pferde, Kängurus, Seelöwen, Zebras, Rinder oder Nandus gegeben hätten. Während des Frankfurter Gastspiels können die Tiere täglich außer sonntags jeweils von 10 bis 13 Uhr besucht werden.

Der Zirkus Charles Knie gastiert von heute bis zum 20. März auf dem Festplatz am Ratsweg in Frankfurt. Vorstellungen täglich um 15.30 Uhr und um 19.30 Uhr, sonntags um 11 uhr und um 15.30 Uhr. Tickets an allen Vorverkaufsstellen. Weitere Informationen auf der Internetseite des Zirkus‘. 

Gut 100 Tiere und mehr als 100 Menschen aus 13 nationen gehören zu der Zirkustruppe, die mit ihrem Namen noch auf die berühmte Schweizer Zirkus-Dynastie Knie verweist, doch seit 2007 von dem 35-jährigen Stuttgarter Sascha Melnjak geleitet wird, der sich mit der Übernahme des Zirkus einen Kindheitsttraum erfüllt hat und mit vielen auf Zirkusfestivals wie in Monte Carlo ausgezeichneten Artisten ein niveauvolles, im besten Sinne klassisches Zirkusprogramm bieten will. Dazu gehören nach Melnjaks Vorstellung nicht nur ein Live-Orchester und ein Showballett, sondern auch Tierdressuren. Aushängeschilder sind hier Marek Jamas Pferdepotpourri, Monas vorwitzige Seelöwen und vor allem Alex Laceys Raubtier-Show mit Löwen und Tigern, für die er bereits zweimal mit dem „Silbernen Clown“, dem Zirkus-Oskar, ausgezeichnet worden ist.

Quelle: op-online.de

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