Motiv: die Direktorentochter

Zirkuskrieg beschäftigt Landgericht

Darmstadt - Massive Probleme mit der Justiz haben sich einige Mitglieder der norddeutschen Zirkus-Clans Kaiser und Renz am 7. Juli 2012 mit einer Familienprügelei eingehandelt. Das Motiv: die Direktorentochter. Von Silke Gelhausen-Schüßler 

Tonyta Kaiser zieht kurz nach ihrem 18. Geburtstag gegen den Willen der Eltern zu ihrem Geliebten, dem Direktorensohn des Zirkus Danielo. Der gastiert zu der Zeit in Bad König. Drei Monate später verdichten sich Gerüchte in der Kaiser’schen Manege: Tonyta müsse für Danielo betteln, würde misshandelt. Vater Michael Kaiser will die Tochter retten, trommelt Familie und befreundete Kollegen vom Zirkus Renz zusammen. Gemeinsam fahren sie in den Odenwald. Dort geht alles ganz schnell: Fäuste fliegen, Hieb-, Stoß- und Schusswaffen kommen zum Einsatz. Sechs Männer werden festgenommen, zwei landen im Krankenhaus. Wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung werden jene sechs Artisten im April dieses Jahres vom Amtsgericht Michelstadt zu Jugendarrest und Freiheitsstrafen verurteilt. Alle Angeklagten und auch die Staatanwaltschaft legen Berufung ein.

Gestern fand nun vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts Darmstadt der erste von zwei Verhandlungstagen in zweiter Instanz statt. Die Sache wird sich ziehen. Der erste Zeuge, der Bruder des Zirkuschefs Michael Kaiser, beruft sich auf sein Aussageverweigerungsrecht. Zeugen Nummer zwei bis fünf erscheinen nicht. Sie sollen zum nächsten Termin Mitte Dezember polizeilich vorgeführt werden. Die sechs Männer zwischen 21 und 44 Jahren ziehen es vor, dem Gericht sachdienliche Hinweise vorzuenthalten. Und einer der Verteidiger lehnt die vorsitzende Richterin ab: Das Gesuch seines Mandanten auf einen späteren Prozessbeginn am Morgen sei ohne erkennbaren Grund abgelehnt worden. Er müsse nun nachts um drei Uhr von Hamburg aus losfahren. Dadurch sei er nicht in der Lage, sich angemessen zu verteidigen. Auch sei ihm die Übernahme von Fahrt- und Übernachtungskosten verwehrt worden. Der Verdacht der Befangenheit stehe im Raum. Über die Anträge hat die Kammer noch nicht entschieden. Gibt Richterin Andrea Röhrig den Gesuchen statt, muss der Prozess verschoben werden.

Quelle: op-online.de

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