Zivildienst freiwillig verlängern?

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Viele Wohlfahrtsverbände in Hessen würden von dem freiwilligen Zivildienst profitieren

Offenbach ‐ Für viele Sozialeinrichtungen wird der „Problemberg“ immer höher, wenn Zivildienstleistende wie ab 2011 geplant nur noch sechs Monate lang arbeiten. Auch bei den Wohlfahrtsverbänden in Hessen wächst die Beunruhigung.  Von Peter Schulte-Holtey

Der Vorschlag aus den Reihen der Unionsparteien, den Zivildienst durch einen freiwilligen Anschlussdienst bis zu sechs Monaten zu verlängern, wird von manchen schon als Rettungsanker verstanden. Josef Bonn, Personalleiter beim Kreisverband des Deutsches Rotes Kreuz in Offenbach: „Aufgrund der geplanten Verkürzung des Zivildienstes werden auch wir über den generellen Einsatz von Zivildienstleistenden neu entscheiden müssen. Die Planungen sind aber noch nicht abgeschlossen.“ Bonn verspricht, dass es keine Einschränkungen bei den DRK-Angeboten geben werde. Zugleich hält er eine mögliche Zivildienstverlängerung auf freiwilliger Basis unter Umständen für eine Alternative, „die wir in unsere Entscheidung einbeziehen würden“. Voraussetzung sei jedoch, dass „die Finanzierung bzw. Kostenerstattung durch das Bundesamt für den Zivildienst geregelt ist“.

„Daumen hoch“, heißt es auch bei der Caritas. „Den Zivildienst durch einen freiwilligen Anschlussdienst zu verlängern, wäre eine Möglichkeit, den Übergang in Ausbildung oder Studium für die Zivildienstleistenden abzufedern, wenn die für den 1. Januar 2011 durch die Koalition vereinbarte Kürzung umgesetzt wird“, so Peter Krafft vom Caritasverband für die Diözese Mainz. Die Dienststellen hätten allerdings noch mehr an individueller Planung zu leisten. Schon jetzt seien die Vorbereitungen für den Zivildienst als „sozialer Lerndienst“ ab Anfang nächsten Jahres sehr schwierig, da die Rahmenbedingungen - Rechts-, Finanzierungs- und Planungsprobleme - nicht geklärt seien.

Keine Parallelen zum verlängerten Wehrdienst

Stephan Krebs, Sprecher der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), berichtet, dass es die Fortführung des Zivi-Einsatzes als Freiwilligendienst bereits heute schon oft gebe: „Zivis bleiben nach Ende ihres Zwangsdienstes in den Einrichtungen und führen ihre Arbeit fort.“ Der Vorteil für die betreuten Menschen liege in der längeren persönlichen Bindung, ein Vorteil für den jungen Mann sei „die sinnvolle und zumindest etwas bezahlte Arbeit in einer ansonsten drohenden biografischen Lücke bis zur Ausbildung, der Vorteil für die Dienststelle ist es, einen eingearbeiteten Mitarbeiter länger im Team zu haben“.

Zugleich warnt er davor, Parallelen zum verlängerten Wehrdienst zu sehen. Krebs: „Die Bundeswehr bezahlt ihren ,verlängerten Freiwilligen’ richtige Gehälter, die sind höher als die in der Pflege. Unter diesen Bedingungen wäre eine freiwillige Verlängerung des Zivildienstes mit Blick auf den unterfinanzierten Pflegebereich also gar nicht finanzierbar.“ Die angedachte Ausdehnung des Zivildienstes gehe deshalb davon aus, dass die verlängerte Zeit der Zivis bezahlt wird - „wie der zwangsweise Zivildienst“. „Diakonie und Kirche setzen ohnehin für die Zukunft eher auf einen attraktiven Freiwilligendienst als auf den Zivildienst“, fügt der EKHN-Sprecher hinzu.

Quelle: op-online.de

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