ARD verfilmt Leben des Tierforschers Bernhard Grzimek

In einem ganz anderen Licht

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Keine schrecklich nette Familie: Die Grzimeks (v.l.) - Michael (Jan Lennart Krauter), Erika (Katharina Schüttler), Hildegard (Barbara Auer) und Bernhard (Ulrich Tukur) - hatten mit allerhand Verwerfungen und Schicksalsschlägen zu kämpfe.

Frankfurt - Bernhard Grzimek war als Tierforscher berühmt und eine Instanz des deutschen Fernsehens. Nun wird sein Leben verfilmt - und manche Überraschung enthüllt. Von Christian Riethmüller

Über die Steinlaus, „diesen possierlichen kleinen Kerl“, hatte die Fernsehsendung „Ein Platz für Tiere“ nie berichtet. Es war der große Loriot, der in einer wunderbaren Parodie den ebenso großen Bernhard Grzimek als etwas betulichen TV-Onkel darstellte, der sich aber stets mit großer Hingabe seinem Leib- und Magenthema, der exotischen Tierwelt, widmete. Gleichwohl gehört die Steinlaus zu den kollektiven Gedächtnisfetzen von der bundesrepublikanischen Fernsehlandschaft vor 1987 so wie Grzimek selbst, der drei Jahrzehnte lang mit seiner Tiersendung im Ersten zu sehen war, die er stets mit dem Satz „Guten Abend, meine lieben Freunde“ einleitete.

Dieser Grzimek ist natürlich nicht immer der ältere, etwas steif wirkende Mann gewesen, der mit leicht nasaler, freundlicher Stimme Kindheitsträume von Abenteuern als Tierforscher nährte. Dieser 1987 gestorbene Bernhard Grzimek blickte auf ein dramatisches Leben voller Wendungen, Triumphe und Schicksalsschläge zurück.

„Ich dachte, das gibt’s doch gar nicht, dass dieses Leben noch nicht verfilmt ist“, erinnert sich Christine Strobl, Geschäftsführerin der ARD Degeto, gestern in Frankfurt an ihren ersten Gedanken als sie ein Drehbuch von Marco Rossi über Grzimeks schillerndes Leben gelesen hatte. Welche Überraschungen dieses Leben birgt, werden die Fernsehzuschauer aus einem Zweiteiler mit dem Arbeitstitel „Grzimek“ erfahren, der noch bis Ende Juni von der UFA Fiction für die ARD gedreht wird. Gestern sind die Dreharbeiten in Frankfurt beendet worden. Drehs in Berlin, Potsdam und Umgebung sind gleichfalls schon beendet. Nun stehen noch Aufnahmen in Südafrika an.

Ulrich Tukur beim Rollenstudium im Frankfurter Zoo.

Die Szenen dort werden an Grzimeks Triumph, aber auch einen seiner schwersten Schicksalsschläge erinnern. 1959 dreht Grzimek, der damals Direktor des Frankfurter Zoos war, gemeinsam mit seinem Sohn Michael in Tansania den Film „Serengeti darf nicht sterben“ über die faszinierende Wanderung der Tierherden durch die ostafrikanische Savannenlandschaft. Mit diesem Film, der mit einem „Oscar“ ausgezeichnet wird, erlangt Grzimek internationalen Ruhm. Doch er verliert seinen Sohn, der während der Dreharbeiten bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kommt. Michaels Tod belastet auch Grzimeks Ehe mit seiner Frau Hildegard, die ihn und seine Arbeitswut für den Tod des Sohns verantwortlich macht. Grzimek will davon nichts hören und stürzt sich weiter in die Arbeit und wird mit seiner Leidenschaft für die Sache zum Pionier des internationalen Arten- und Naturschutzes.

Solche Details aus Grzimeks Biographie dürften noch bekannt sein, doch der Zweiteiler, bei dem Roland Suso Richter („Die Spiegel-Affäre“, „Mogadischu“) Regie führt, rückt auch ungeahnte Facetten des berühmten Tiermediziners, Autors, Filmers, Moderators und Forschers ins Blickfeld. „Was ich nicht kannte, ist diese abgründige Familiengeschichte“, sagt etwa Schauspieler Ulrich Tukur, der Grzimek in all seiner komplizierten Widersprüchlichkeit darstellt. Tukur spielt auf das Frauenheldentum Grzimeks an, der früh heiratete, seine Frau immer wieder betrog, im Zweiten Weltkrieg eine außereheliche Tochter zeugte und später eine geheime Beziehung mit seiner Schwiegertochter Erika, der Frau seines verunglückten Sohnes, führte, bevor er diese dann heiratete und seine beiden Enkel adoptierte.

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Er spielt auch auf Grzimeks halbafrikanischen Adoptivsohn Thomas an, der sich immer ausgegrenzt fühlte, Drogenprobleme hatte, im Gefängnis saß und sich im Alter von 30 Jahren das Leben nahm. „Diese Figur zu fassen, ist nicht einfach“, sagt Tukur über Bernhard Grzimek. „Nach außen ist sie charmant, aber ansonsten sehr unleidlich und manchmal hart zu anderen Menschen. Hier ist ein Mann, der mit Tieren wunderbar umgehen konnte, aber nicht mit Menschen.“

Neben Tukur sind Barbara Auer als Hildegard Grzimek, Katharina Schüttler als Erika Grzimek, Jan Lennart Krauter als Michael Grzimek und Jerry Hoffmann als Thomas Grzimek in weiteren Hauptrollen zu sehen. Sie führen ein Leben vor, in dem es alles andere als possierlich zuging. Ein Sendetermin für den Zweiteiler steht noch nicht fest.

Quelle: op-online.de

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