Zubrot überflüssig

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Heimische Vögel wie das Rotkehlchen, die in Deutschland überwintern, haben sich an die Witterungsverhältnisse angepasst und brauchen nach Expertenansicht keine zusätzliche Fütterung.

Frankfurt ‐ Zusammen mit Stollen und Spekulatius sind zum Beginn der kalten Jahreszeit auch die Meisenknödel im Supermarktregal aufgetaucht. Und Tierfreunde greifen eifrig zu. 20 Millionen Euro geben die Deutschen jährlich aus, um Vögel vor dem vermeintlichen Hungertod zu bewahren, schätzt der Naturschutzbund (NABU). Von Friederike Gatzke (dpa)

Aber dass Vögel im Winter in Massen tot von den Bäumen fallen, wenn wir sie nicht füttern, ist ein Mythos“, sagt der Leiter der staatlichen Vogelschutzwarte in Frankfurt, Klaus Richarz. Vögel füttern hält Richarz für unnötig. Zwar gebe es im Winter Futter-Engpässe. Aber die Vogelarten, die in Hessen überwintern, hätten ihr Verhalten an die kalte Jahreszeit angepasst. „Im Winter schließen sich die Vögel zu Trupps zusammen und fliegen gemeinsam auf Nahrungssuche, getreu dem Motto: Viele Augen sehen mehr als zwei“, erklärt der Biologe. Er ist überzeugt, dass die meisten Vögel ohne Hilfe des Menschen durch den Winter kommen.

Der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands (ZZV) mit Sitz in Wiesbaden ruft dagegen seit Mitte November auf seiner Internetseite dazu auf, schon vor dem Winterfrost mit dem Vogelfüttern zu beginnen. Nach Ansicht des Vereins müssen Vögel frühzeitig an einen verlässlichen Futterplatz gewöhnt werden.

„Tisch in der Natur noch reich gedeckt.“

Berthold Langenhorst, Sprecher des NABU Hessen, widerspricht: „Anfüttern ist nicht nötig.“ Spatz, Meise und Rotkehlchen würden schnell mitbekommen, wenn eine leicht zugängliche Mahlzeit bereit steht­ auch ohne vorhergehendes Training. Außerdem sei der Tisch in der Natur zurzeit noch reich gedeckt. Bucheckern, Weißdorn und Hagebutten hingen in Büschen und Bäumen. Ein Zubrot für Vögel sei überflüssig.

Bei mildem Wetter rät NABU-Sprecher Langenhorst vom Füttern ab. Das Futter könne feucht werden und schimmeln, und die Tiere am verdorbenen Futter erkranken. „Man sollte warten bis draußen die Verhältnisse einer Tiefkühltruhe herrschen“, sagt er.

Beide Experten, Langenhorst und Richarz, halten die Winterfütterung aus biologischer Sicht für unnötig. „Auf das Überleben von Vogelarten hat die Fütterung praktisch keinen Einfluss“, sagt Richarz. Und trotzdem sei sie aus einem Grund dennoch sinnvoll. „Menschen können dabei die Vögel aus der Nähe beobachten, und das sogar mitten in der Stadt. Die Winterfütterung bringt dem Menschen die Vogelwelt näher“, sagt Langenhorst.

Nicht zu viel Futter, nicht zu nah am Fenster

Wenn gefüttert wird, sollte nicht zu viel Futter auf engem Raum ausgelegt werden. „Wenn sich viele Vögel auf engem Raum drängen, breiten sich Krankheiten schneller aus“, sagt Richarz. Außerdem sollte das Futter nicht in der Nähe von Fenstern ausgelegt werden. „Vögel halten die Landschaft, die sich in der Scheibe spiegelt, für real, fliegen gegen die Scheibe und brechen sich schlimmstenfalls das Genick.

Quelle: op-online.de

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