Zugverkehr liegt lahm - Nager schuld

Frankfurt - Ein übermütiges Frühstück gönnte sich heute Morgen ein Nager am Frankfurter Hauptbahnhof. Das Eichhörnchen machte sich an der Oberleitung zu schaffen und legte den Bahnverkehr lahm - ein folgenreicher Drahtseilakt.

Folgenreicher Drahtseilakt eines Eichhörnchens: Mit einer Kletterpartie an der Bahn-Oberleitung hat der übermütige Nager heute den Zugverkehr am Frankfurter Hauptbahnhof teilweise lahmgelegt und für kräftige Verzögerungen im Zugverkehr gesorgt. Das Tier hatte sich gegen 7.45 Uhr an der Oberleitung zu schaffen gemacht und dabei einen Kurzschluss ausgelöst, wie ein Bahnsprecher sagte.

S-Bahn nicht betroffen

Vier Gleise kurz vor dem Hauptbahnhof waren deswegen bis in den Nachmittag hinein nicht befahrbar. Betroffen waren Regional- und Fernzüge aus und in Richtung Darmstadt, Hanau, Mannheim und Fulda. Es kam zu Verspätungen und Zugausfällen. Die S-Bahn war von dem Nagerschaden nicht betroffen. Das Eichhörnchen überlebte den Kontakt mit dem Bahnstrom nicht - Bahnmitarbeiter fanden seinen verkohlten Körper unter der beschädigten Oberleitung.

Was war passiert? Das Tier habe die Isolierung „überbrückt“, erklärte ein Bahnsprecher. „Es hat einfach mit einem Teil - dem Schwanz oder was auch immer - den nicht spannungführenden Teil des Masts berührt, und mit dem anderen die Oberleitung“, erklärte er den Vorfall, der sich kurz vor einer Brücke über den Main ereignet hatte. Solche Kurzschlüsse könnten auch durch Vögel mit großen Flügeln ausgelöst werden, wenn sie gleichzeitig mit zwei Oberleitungen in Kontakt kämen. Wie oft Tiere so als „Störfaktor“ auftreten, kann die Bahn nach eigenen Angaben nicht sagen. „Da haben wir keine Statistik“, so ein Sprecher.

Lange Warteschlangen vor der Information

Am Frankfurter Hauptbahnhof mussten Bahnmitarbeiter unterdessen zahlreichen Passagieren weiterhelfen, deren Zug nicht vom geplanten Ort abfuhr oder Verspätung hatte. Vor der Information bildete sich eine lange Schlange. Und wer bis hier gekommen war, hatte mitunter schon eine kleine Odyssee durch den Nahverkehr hinter sich.

So wie der 47-jährige Niederländer Jelle Noorman, der von Heidelberg nach Amsterdam will und in Darmstadt auf die S-Bahn umsteigen muss. Als er vom Grund der Störung hört, lacht er. „In den Niederlanden passiert das auch öfter.“ Dort seien aber weniger Eichhörnchen, sondern Blätter die Ursache. Der Übersetzer stört sich nicht weiter an dem Vorfall. Allerdings: Das passe nicht zu seinem Eindruck von der „deutschen Gründlichkeit“. „Ich denke immer, in Deutschland läuft alles perfekt“, flachst er.

Tolles Wochenende besänftigt Gemüter

Nicht jeden amüsierte der Grund der Störung. „Das darf doch nicht wahr sein“, stöhnt eine 28-Jährige, die von Heidelberg nach Hamburg will und nun fürchtet, dass sie den Anschluss in Frankfurt verpasst hat. Ein Eichhörnchen? „Das kann ich mir nicht vorstellen. Das klingt nicht so arg plausibel, oder?“

Der 56-jährige Peter Risel aus dem niedersächsischen Emmerthal hat da weniger Probleme. „Es ist immer wieder enorm, welche Auswirkungen kleine biologische oder tierische Dinge haben“, sagt der Apotheker. Ganz entspannt zeigt sich die 36-jährige Doreen Schnell, die nach Hamburg will. Sie ist eine Stunde zu spät dran, ihr Zug aber auch, weswegen sie ihn doch noch erwischt. Nervt die Störung? „Es ist mir total egal, weil ich ein tolles Wochenende gehabt habe.“

dpa

Quelle: op-online.de

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