Die Zukunft liegt im Mischmasch

Sie ist ein bisschen in die Jahre gekommen, die Zeilgalerie mit ihrem Wendeltreppen-Shopping. Jetzt will der neue Eigentümer IMF Immobilien AG die strikte Trennung der einzelnen Geschäfte überwinden.Foto: Faust

Frankfurt - Viel Glas, viel Stahl und viel blaue Beleuchtung: So sieht die Fassade der Zeilgalerie heute aus, und so ist sie vielen bekannt. Aber nicht mehr lange.

Die neue Eigentümerin der 1992 eröffneten Shopping-Mall, die IMF Immobilien AG, verpasst der Zeilgalerie in den nächsten knapp zwei Jahren eine radikale Schönheitsoperation. Für 61 Millionen Euro will sie den einst von Jürgen Schneider errichteten Glas-Palast revitalisieren. Zum einen bekommt die Zeilgalerie ein neues Gesicht und zum zweiten wird ein neu entwickeltes Shopping-Konzept umgesetzt, wie IMF-Vorstandsvorsitzender Georg Glatzel gestern auf einer Pressekonferenz ankündigte. „Zip-Shopping“ oder „Reißverschluss-Einkaufen“ lautet die Leitidee, hinter der sich das „Einkaufserlebnis der nächsten Generation“ verberge.

Die bisher dreigliedrige Fassade bleibt erhalten, wird aber optisch aufgewertet. Warmes Licht schimmert dann durch die große gläserne Fläche, die sich vom künftig doppelt so großen Eingang bis hinauf in die siebte Etage zieht. Der rechts angrenzende Fassadenteil wird in eine überdimensionale Media-Leinwand umfunktioniert, über die Animationen flimmern. Derweil wird der halbrunde Frontbereich, der an die Galeria-Kaufhof stößt, mit Leuchtdioden verkleidet und so zum strahlenden Blickfang.

Eine ebenso einschneidende Veränderung erwartet die Kunden im Innern des Konsumtempels, der sich an die Zielgruppe der 27- bis 37-Jährigen richtet. „Wir haben den Anspruch, etwas völlig Neues zu schaffen: Shopping der nächsten Generation“, erläuterte Glatzel. Um nun herauszufinden, wie denn das Einkaufserlebnis der Zukunft aussieht, hatte die IMF die Market-Consulting Thomsen Group beauftragt, eine Trend-, Markt- und Zukunftsanalyse durchzuführen. Die Ergebnisse samt Statements von Passanten, die vor der Videokamera befragt wurden, präsentierte Geschäftsführer Bernd Thomsen.

Heraus kam das Konzept des „Zip-Shoppings“, das Einzelhandel, Gastronomie und Kultur vereint: Bislang strikt getrennte Bereiche sollen künftig unter dem Dach der Zeilgalerie verschmelzen. Trennende Wände zwischen Geschäften sollen verschwinden und stattdessen verschiedene Funktionen an einem Ort zusammenkommen. Daher kann Glatzel nicht sagen, wie viele der heute 50 Parzellen, von denen 90 Prozent vermietet sind, nach dem Umbau erhalten bleiben. Beispielsweise könnte es bei der Damenmode eine „Auto-Bar“ geben, wo sich der Mann aufhalte, während sie sich nach Klamotten umschaue, veranschaulichte Thomson. Denkbar sei auch ein Küchengeschäft, das Mittagstisch anbietet, ein Restaurant, das regelmäßig sein Mobiliar wechselt und verkauft, oder ein städtisches Bürgerbüro, um etwa den Reisepass zu verlängern. Auch „Private Rooms“, wo Paare zum Beispiel neue Dessous ausprobieren, wären vorstellbar. Zugleich sollen mehr Ruhezonen geschaffen werden, wie etwa in der kalten Jahreszeit im Buchladen ein Kamin, vor dem man Schmökern kann. Ziel sei es, die Verweildauer der Kunden zu erhöhen, betonte IMF-Chef Glatzel. Der Mischmasch als Gestaltungskonzept schien bei den Passanten anzukommen. Sie kommentierten die Vorschläge positiv und meinten: „Dann ist das Einkaufen nicht mehr so stressig.“

Quelle: op-online.de

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