Zukunft nur im Verbund

Hans-Ulrich Schmidt ist ein vielbeschäftigter Mann: Als Geschäftsführer des Klinikums Offenbach hat er den Neubau und baldigen Umzug zu managen, er ist der Motor des geplanten Verbundes mit den Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) in Wiesbaden und er mischt bei den Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst mit. Von Angelika Dürbaum

Und er ist nebenbei noch „Pate“ des „Rhein-Main Zukunftskongresses, Krankenhaus & Partner“, dessen vierte Auflage gestern im Offenbacher Büsing Palais zu Ende ging. Der „Kongress von Krankenhäusern für Krankenhäuser und ihre Partner“ hat sich zu einem der wichtigsten und größten Branchentreffen bundesweit entwickelt: 450 Teilnehmer, 110 Referenten und 32 Aussteller berieten zwei Tage lang unter dem Motto „Raus aus der Krise“, wie es in den Kliniken in Zeiten des Spardiktats weitergehen soll. Ziel war es, das Gesundheitswesen in Gänze zu betrachten, ohne aber die Finanzierung aus dem Auge zu verlieren. Neue Wege sind da zweifellos gefragt und einer davon hat den blumigen Namen: Gesundheitssatellitenkonto, kurz GSK.

Erstmals wurde in einer in Offenbach vorgestellten Studie für das Bundeswirtschaftsministerium die volkswirtschaftliche Wertschöpfung des Gesundheitssektors ermittelt. Und die GSK-Zahlen, die Professor Klaus-Dirk Henke, Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliche Finanzen und Gesundheitsökonomie an der TU Berlin und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesfinanzministerium, zusammengetragen hat und die Eingang in eine OECD-Studie finden sollen, werfen in der Tat ein neues Licht auf das Gesundheitswesen. 

Bis 2030 jeder fünfte Arbeitsplatz im Gesundheitswesen

Denn nicht weniger als jeder siebte Arbeitsplatz in Deutschland (13,8 Prozent) hängt direkt oder indirekt daran, also etwa über Krankenhäuser, Bio-Nahrung oder Wellness. Für 2005 (aus diesem Jahr stammen die letzten gesicherten Zahlen) heißt das: 5,4 Millionen Erwerbstätige erwirtschafteten 10,2 Prozent (7,8 Prozent im Kernbereich, 2,4 Prozent im erweiterten Bereich) des bundesdeutschen Bruttosozialproduktes. Bis 2030 rechnen die Experten damit, dass jeder 5. deutsche Arbeitsplatz im Gesundheitswesen zu finden sein wird. Im dreistelligen Milliardenbereich liegt das gesamte Güteraufkommen der Gesundheitswirtschaft Deutschlands binnen eines Jahres. Da winken auch satte Exporterlöse, und medizinisches Wissen aus deutschen Landen dürfte noch größere Bedeutung als Exportschlager gewinnen.

Die GSK-Zahlen sind für alle Entscheidungen über die Zukunft des Gesundheitswesens von großer Bedeutung. Professor Andreas Goldschmidt, Kongresspräsident und Lehrstuhlinhaber für Gesundheitsmanagement an der Universität Trier, nennt das einen „Paradigmenwechsel vom Ausgabenfaktor Gesundheitswesen zum Beschäftigungsmotor und Innovationstreiber Gesundheitswirtschaft“. Offenbachs Kämmerer Michael Beseler sah sich angesichts der Dimensionen bestätigt, den Neubau des Klinikums gewagt zu haben. Es gehe schließlich auch um Standortsicherung.

Zauberwort heißt Klinikverbund

Wachstumsmarkt ist die eine Facette, Refinanzierungsprobleme die bittere Realität im Gesundheitswesen. Und das Zauberwort für die kommunalen Krankenhäuser zum Schutz vor Privatisierung heißt: Klinikverbund. Wie das gehen kann, hat zum Beispiel Hannover vorgemacht. Dort arbeiten 13 Krankenhäuser zusammen, die es geschafft haben, binnen vier Jahren von einem 25-Millionen-Euro-Defizit auf eine operative schwarze Null zu kommen.

Offenbachs Geschäftsführer Schmidt ist sich sicher: „Die Zukunft liegt in Verbünden.“ Für sein hoch verschuldetes kommunales Haus der Maximalversorgung heißt das: Der Prüfauftrag der Stadt Offenbach für eine Zusammenarbeit mit den HSK, ebenfalls eine Klinik der Maximalversorgung, ist raus, im Herbst sollen Ergebnisse vorliegen. Schmidt rechnet damit, dass es eine Holding-Lösung geben wird. Da könnte dann ein Chefarzt für die jeweilige Abteilung in Offenbach und Wiesbaden zuständig sein, teure Geräte könnten gemeinsam genutzt werden. Henke und Goldschmidt sehen in dem Verbund Offenbachs „letzte Chance“. Für Schmidt ist es mit Blick auf die Kliniken in Darmstadt und Hanau „nur ein erster Schritt“.

Quelle: op-online.de

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