Musiker Harth beim Deutschen Jazzfestival

Zurück zu den Wurzeln

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Musiker Alfred 23 Harth lebt heute in Seoul. 

Frankfurt - Beim 46. Deutsche Jazzfestival vom 29. bis 31. Oktober im Sendesaal des Hessischen Rundfunks kommt es zu einem Wiedersehen mit dem Frankfurter Musiker Alfred 23 Harth, der heute in Seoul lebt. Von Detlef Kinsler

1982 war es noch leicht Avantgarde zu sein. Da holte sich das Duo Heiner Goebbels/Alfred Harth, ab 1976 schon mit dem Sogenannten Linksradikalen Blasorchester musikalische Begleiter der Frankfurter Sponti-Szene, Gitarrist und Sänger Christoph Anders und Schlagzeuger Chris Cutler ins Boot, um mit ihnen die Band Cassiber zu gründen. Zusammen wollten sie sich an improvisierter Musik zwischen Jazz, Punk, Rock und Neuer Musik versuchen, die oft zitierte „Kollision der Genres“ wagen. „Mit dieser Devise hatte ich die Beschreibung dessen, was mir damals wichtig war, recht hoch gehängt, und eigentlich schuf Cassiber damit ein neues Genre, auch bereits unter Verwendung von Elektronik“, sagt Saxophonist, Bassklarinettist, Trompeter und Posaunist Alfred 23 Harth beim Blick zurück. „Christoph Anders spielte Kassetten ein, mit selbst geloopten Tapes. Heiner hatte seinen Synthesizer.“ Heute ist es weit schwieriger, mit etwas komplett Neuem aufzuwarten. Ist ein Begriff wie Avantgarde überhaupt noch sinnvoll? „Als Abgrenzung zum Mainstream, ja. Allerdings sind längst alle Grenzen aufgeweicht, es gibt keine vorausgehende Gruppierung mehr“, kommentiert Harth. „Cassiber tobte ja noch an vorderster Front und wird dieser Tage von vielen als beste Artrock-Gruppe jenes Jahrzehnts gesehen.“

Als Harth und sein britischer Drummer-Freund Cutler im vergangenen November auf einer Englandtournee die Kompositionen von Lindsay Cooper ehrten, erreichte sie in London die Anfrage der Frankfurter Programmmacher, ob sie sich vorstellen könnten, beim Deutschen Jazzfestival aufzutreten. Immerhin hatte Cassiber ebendort vor 33 Jahren debütiert. Hope heißt nun das neue Quartett, das zum Finale des Festivals am Samstag nächster Woche auftreten wird. „Hope sollte dabei den Status von Cassiber respektabel ehren - wenn auch ohne begnadeten Sänger - und auch der gegenwärtigen Kunst etwas hinzufügen“, verrät Harth. Neue Mitstreiter sind zwei junge Klangforscher, Gitarrist Kazuhisa Uchihashi und Bassist Mitsuru Nasuno. Dass zwei Japaner dabei sind, war für Harth naheliegend. Denn der gebürtige Kronberger lebt seit 15 Jahren in Ostasien. 2000 spielte er im Rahmen eines Arbeitsstipendiums erste Konzerte in Südkorea und blieb. „Seoul ist die Heimatstadt meiner Frau, der Künstlerin Yi Soonjoo, dort sitzt das Herz meiner Familie und seit 15 Jahren liegt mein Arbeitsschwerpunkt im Pazifischen Raum, in Korea, Japan, China, Kalifornien. In Seoul kann ich gut meine künstlerische Tätigkeit weiterentwickeln, zum Teil durch Ausstellungen in großen Museen.“, erzählt der Allrounder. „Der asiatische Einfluss hat mich verändert, was ich nicht mehr missen möchte.“

Den Kontakt zu Frankfurt hält Alfred 23 Harth natürlich aufrecht. „Als Kronberger Erdbeere wuchs ich in einer Stadt auf, die eine exzellente Lage hatte: im Osten die GI-Clubs mit Jazz, R&B und den Monks, im Süden die Darmstädter Ferienkurse, im Westen die Fluxus-Bewegung in Wiesbaden, im Norden die documenta in Kassel“, benennt Harth wichtige Impulse und freut sich jetzt auf die drei Tage im Sender. 46. Deutsches Jazzfestival, vom 29. bis 31. Oktober im Sendesaal des Hessischen Rundfunks, Frankfurt. Restkarten gibt es an der Abendkasse, Liveübertragung jeweils ab 19.05 Uhr im Radiosender hr2-kultur.

Quelle: op-online.de

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