Austritt beim MDR - Wechsel zum hr nicht ausgeschlossen

Zuwachs für Hessens Sender?

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Die von MDR-Intendantin Karola Wille, die im Januar den ARD-Vorsitz übernehmen will, vorangetriebene Reform führt zu einer Zerreißprobe bei dem Sender in Erfurt.

Offenbach - Das Land Thüringen prüft, ob man aus der Dreiländeranstalt MDR ausscheidet und zum Hessischen Rundfunk (hr) wechselt, schreibt die „Mitteldeutsche Zeitung“. Erste Gespräche mit den Hessen hätten bereits stattgefunden.

Seit Wochen steht der von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen getragene und vor allem durch Gebühren finanzierte MDR unter Druck. Im Streit um die Reform des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) droht der Dreiländeranstalt nun womöglich eine Zerreißprobe. Nach Informationen der in Halle erscheinenden „Mitteldeutschen Zeitung“ prüft die thüringische Landesregierung unter anderem einen Austritt aus dem MDR und einen Beitritt zum Hessischen Rundfunk (hr). Sondierungsgespräche sollen bereits stattgefunden haben. Der zuständige Medienstaatssekretär Malte Krückels (Linke) äußert sich dazu nicht konkret. „Wir prüfen alle Optionen“, sagte Krückels der Zeitung.

Seit Wochen steht der vor allem durch Gebühren finanzierte Sender unter Druck. Intendantin Karola Wille will mit der Reform „MDR 2017“ den öffentlich-rechtlichen Sender umbauen, um die Möglichkeiten des Internets effektiver nutzen zu können. Eigentlich geht die Reform weitgehend an Thüringen vorbei - es werden vor allem Mitarbeiter und Redaktionen zwischen Halle und Leipzig hin und her geschoben. Den Thüringern ist dabei Berichten zufolge aufgestoßen, dass in Halle künftig digitales Kinderradio produziert werden soll - das sähen die Thüringer allerdings lieber in Erfurt beim „Kika“ angesiedelt, dem Fernsehkinderkanal von ARD und ZDF.

Der Staatsvertrag zwischen Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen könne erst Ende 2021 gekündigt werden, wird MDR-Sprecher Walter Kehr von „Bild“ zitiert. Man rede also über eine Option erst in gut sechs Jahren. Also nur ein Sturm im Wasserglas? „Mitnichten. Es handelt sich natürlich um ein Druckmittel“, heißt es in Thüringen.

Bei den Sender-Angestellten wird der heftige Streit hinter den Kulissen auf jeden Fall für Unruhe sorgen. Von den mehr als 2 000 fest angestellten Mitarbeitern des MDR entfallen 100 auf Thüringen, in Sachsen-Anhalt sind es etwa 400. Mit gut 1 500 Mitarbeitern arbeitet der übergroße Teil der MDR-Belegschaft in Sachsen. Beim Hessischen Rundfunk beobachtet man den Ärger im östlichen Nachbarland offenbar mit großer Gelassenheit. Die Diskussion aus dem Thüringer Landtag will man in Frankfurt nicht kommentieren.

psh

Quelle: op-online.de

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