Zwei Wege zurück zu G9 an Gymnasien

Wiesbaden - Beim CDU-Parteitag im Juni hatte Regierungschef Volker Bouffier (CDU) die Katze aus dem Sack gelassen: Es soll wieder möglich sein, die Schulzeit auf neun Jahre zu verlängern. Von Petra Wettlaufer-Pohl

Nach anhaltenden Beschwerden von Eltern und Lehrern über die Schulzeitverkürzung G8 verkündete er, dass Gymnasien die Möglichkeit haben sollten, die Schulzeit wieder auf neun Jahre zu verlängern.

Seine Kultusministerin Nicola Beer (FDP), vom Vorschlag zunächst überrumpelt, bot den Schulen gestern zwei Wege an, G8 ab dem Schuljahr 2013/2014 hinter sich zu lassen, wenn Schulgemeinde und Schulträger dies wünschen: Entweder sie gehen mit Klasse 5 beginnend komplett zurück zu G9, wie es ein Teil der Kooperativen Gesamtschulen seit 2008 getan hat; oder sie nehmen an einem Schulversuch teil, der beide Formen unter einem Dach ermöglicht.

„Keine Schule muss sich sofort entscheiden“

Letzteres hatte Ministerpräsident Bouffier am Montag in einer im Internet übertragenen Bürgersprechstunde angekündigt und die Ministerin damit offenkundig erneut unter Zugzwang gesetzt. Denn ursprünglich war die Präsentation des Konzeptes noch nicht vorgesehen.

G8 und G9 unter einem Dach setzt laut Beer voraus, dass eine Schule mindestens vierzügig arbeitet. Nur dann könnten in beiden Geschwindigkeiten ausreichend Angebote gemacht werden. Der Schulversuch sieht vor, dass die Schule in der fünften und sechsten Klasse unter G8-Bedingungen unterrichtet, also auch mit zweiter Fremdsprache in Klasse 6. Ab Klasse 7 entscheiden Eltern und Schule dann über den weiteren Weg des Kindes im G8- oder G9-Zweig. Beer gab zu bedenken, dass dies mit hohem organisatorischen Aufwand für die jeweilige Schule verbunden sei. Deshalb würden die Schulversuche in zwei Tranchen ab 2013 bzw. 2014 starten. „Keine Schule muss sich sofort entscheiden.“

SPD lehnt das Konzept ab

Aber auch G8 soll weiterentwickelt werden. Beer sagte, noch hätten nicht alle Schulen die Freiräume genutzt, von Lehrplänen abzuweichen und statt dessen ein Schulcurriculum zu entwickeln. Das bedeutet, dass Schulen selbst entscheiden können, mit welchen Inhalten sie den Schülern die Kompetenzen vermitteln, die sie am Ende der Mittelstufe besitzen sollen. Auch die Gestaltung der Schultage mit Pausen, Bewegungsphasen, Übungen und Zeit für Hausaufgaben sei noch nicht überall optimal umgesetzt. Hier sollen Schulen verstärkt beraten werden.

Die SPD lehnt das Konzept ab, sie will die Schulzeitverkürzung in der Mittelstufe abschaffen. Die Grünen nannten die Ankündigungen zu vage. Beer habe sich wieder durch Bouffier das Heft des Handelns aus der Hand nehmen lassen, hieß es.

Quelle: op-online.de

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