Zwei Welten im Tanz verbunden

Bühnenversion von „Dirty Dancing“ kommt nach Frankfurt

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Sinnliche Tänze und viel Körperkontakt: Anna-Louise Weihrauch und Mate Gyenei überzeugen in ihren Rollen als Frances „Baby“ Houseman und Johnny Castle.

Offenbach - Seit fast drei Jahrzehnten begeistert der Tanzfilm „Dirty Dancing“ die Zuschauer. Auf der Leinwand waren Patrick Swayze und sein „Baby“ Jennifer Grey die Stars. Von Konstanze Löw 

Nächste Woche kommt die Bühnenadaption des Kultfilms nach Frankfurt - und setzt dabei politische Akzente. Beim Familienurlaub im Kellerman’s Resort im Sommer 1963 stehen bei Weitem nicht nur Lagerfeuer und Golfspielen auf dem Programm. Braungebrannte Tanzlehrer bringen die luftigen Röcke der Damen bei rhythmischen Tänzen Abend für Abend zum Fliegen. Mittendrin sind die 17-jährige, schüchterne „Baby“ und der charismatische Tanzlehrer Johnny Castle, die sich bei Cha-Cha-Cha und Salsa näher kommen und ineinander verlieben. Doch die Bühnenversion von Originalautorin Eleanor Bergsteins „Dirty Dancing“ hat mehr zu bieten als eine Geschichte über die erste Liebe: Im Sommer ’63 erreicht die amerikanische Bürgerrechtsbewegung einen Höhepunkt. Aufbruchstimmung macht sich in den USA breit.

„Der Film ist zeitlos, die Bühnenadaption ebenso. Wir erzählen eine sozialkritische Geschichte von Klassenunterschieden und vom Füreinander da sein. Damit kann sich jeder identifizieren, denn es ist weit mehr als nur Getanze“, erklärt sich die ausgebildete Musical-Darstellerin Anna-Louise Weihrauch die noch immer anhaltende Dirty-Dancing-Euphorie. Sie spielt die Hauptrolle der jugendlichen Frances „Baby“ Houseman. Für die Produzenten war genau das der Grund, das Stück in einer neuen Version auf die Bühne zu bringen. Tanz, Geschichte und Musik sollten miteinander verbunden werden. „Dadurch konnten wir neue Szenen und Lieder, die so im Film nicht vorkommen, integrieren“, freut sich Alex Belga.

Der Co-Regisseur meint beispielsweise eine Szene am Lagerfeuer, bei der unter den Klängen von „This Land Is Your Land“ für Bürgerrechte von Farbigen demonstriert wird. „Die Herausforderung der neuinszenierten Bühnenversion liegt vor allem darin, das Publikum, das den Film kennt, nicht zu enttäuschen. Gleichzeitig wollten wir neue Akzente setzen“, so Belga. Standesunterschiede machen sich auch zwischen den Hauptfiguren, dem von Mate Gyenei gespielten Johnny Castle und „Baby“ Houseman, bemerkbar: Sie ist die ewige Optimistin aus einer reichen Familie, er Tanzlehrer aus der Unterschicht. Doch die zwei Welten, die in der Geschichte aufeinanderprallen, schweißen Baby und Johnny nur fester zusammen. Gemeinsam durchleben sie ein Auf und Ab der Gefühle, geraten in Konflikt mit den konservativen Wertvorstellungen der frühen Sechziger und lassen sich dennoch nicht darin beirren, sich intensiv auf den großen Saisonabschluss vorzubereiten, wo sie mit ihrer Tanzeinlage das Publikum begeistern wollen.

„Dirty Dancing“-Star Patrick Swayze ist tot 

Schon zur Deutschlandpremiere im ausverkauften Hamburger „Mehr! Theater“ am Großmarkt wurden die Zuschauer bei sinnlichen und rasanten Tänzen von Mambo über Cha-Cha-Cha bis hin zu Salsa-Einlagen in eine andere Zeit entführt. Natürlich duften Schlüsselszenen mit Kultstatus nicht fehlen: Als das Pärchen schließlich unter der Melodie von „The Time Of My Life“ die berühmte Hebefigur zum Besten gibt, hält es keinen Zuschauer mehr auf den Sitzen. Unter tosendem Applaus trägt Mate Gyenei Anna-Louise Weihrauch im rosafarbenen Kleid auf Händen. Dass die Schauspieler jeden Abend den Zuschauern das Gefühl eines verliebten Pärchens vermitteln können, läge vor allem an der Chemie, die zwischen beiden stimme. „Wir geben Abend für Abend aufs Neue alles, um wie auf Wolke sieben zu wirken“, sagt „Baby“ Anna-Louise Weihrauch.

Vom 2. bis 12. Juli gastieren das 28-köpfige Ensemble und die aus neun Musikern bestehende Band in der Alten Oper in Frankfurt. Besonders freuen sich die beiden Hauptdarsteller darauf, Verwandte zu treffen und Grüne Soße zu essen. „Natürlich darf dann auch der Äppelwoi nicht fehlen“, scherzt Mate Gyenei nach der erfolgreichen Hamburg-Premiere.

Quelle: op-online.de

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