Zweifel an Mietpreisbremse

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Frankfurt/Offenbach - Wohnungsbau, Mietpreisbremse und Energiesparverordnung. waren Thema in der Villa Bonn in Frankfurt, wo die Arbeitsgemeinschaft der Wohnungs- und Immobilienverbände Hessen (AWI) gestern ihren Konjunkturbericht vorstellte. Von Katharina Hempel

Die Mietpreisbremse bewirkt, was sie verhindern soll und ist langfristig kontraproduktiv - so lautete das Fazit der Vertreter der hessischen Immobilienvertreter. Die Deckelung soll verhindern, dass Eigentümer, gerade in nachgefragten Ballungsgebieten wie Frankfurt oder Offenbach, horrende Mieten verlangen. Außer der FDP fordern mittlerweile alle Parteien die Bremse. Kritisch sieht das Rudolf Ridinger, Verbandsdirektor der südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VdW Südwest) und Sprecher der AWI: „Es ist klar, dass, wer Mietpreise begrenzen will, zu deren Steigerung beiträgt“, stellte er gestern klar. „Die Eigentümer wissen nicht, was nach den Wahlen auf sie zukommt, darum gehen sie lieber vorsorglich an die Obergrenze des Mietpreises.“ Günther Belz von der Eigentümerschutz-Gemeinschaft fügte hinzu: „Die Bremse trifft nur die Behäbigen, die mit der Anpassung nicht schnell genug waren.“

„Rhythmus der Änderungen ist zu dicht“

Mit Preis-Deckelung würden Renovierung oder Umbau in der Phase des Mieterwechsels für die Eigentümer an Attraktivität verlieren, die Aufwertung ihrer Immobilie könnten sie nicht mehr auf die Miete übertragen, sagte Ridinger. „Sie würden nur so weit investieren, um die Weitervermietung halbwegs sicher zu stellen. Das ist kontraproduktiv“, findet der AWI-Sprecher.

Für weitere Unsicherheit in der Immobilienbranche sorgt die Novellierung der Energieeinsparverordnung (EnEv), die 2014 in Kraft treten soll. „Heute diskutieren wir über die Regelungen von 2012, nächstes Jahr gibt es neue Vorgaben. Der Rhythmus der Änderungen ist zu dicht“, waren sich die AWI-Vertreter einig. Wer heute entscheidet zu bauen, weiß nicht, welche Standards am Tag der Abnahme gelten werden. Diese Gesetzesänderungen seien für Investoren finanziell sehr problematisch.

Das könnte sich negativ auf den schon zu geringen Wohnungsbau auswirken, fürchtet die Arbeitsgemeinschaft, zumal der Anstieg von Bauanträgen deutlich zurückgegangen sei. „Eine spürbare Entlastung auf den Wohnungsmärkten können wir nur herbeiführen, wenn die Bauaktivitäten während der nächsten fünf Jahre auf hohem Niveau gehalten werden“, sagte Ridinger.

Moderate Steigerung beim Reihenhaus

Dabei müsste gerade das Stichwort „Betongold“ die Bauanträge wie Kräne in die Höhe wachsen lassen. Baueigentum gilt bei den Deutschen schließlich nach wie vor als sicherste Anlage. Lutz Wentlandt, Geschäftsführer des Landesverbands freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland, schränkte allerdings ein: „Der Bauträger weiß heute nicht, ob in ein paar Jahren der Druck im Markt durch die Eurokrise noch da ist.“ Außerdem könnten sich Wenigerverdienende Eigentum im Ballungsraum nicht mehr leisten. „Ein Reihenhaus kauften sich früher Arbeiter, heute interessieren sich dafür Lehrer oder Ärzte“, erklärte Wentlandt

Beim Thema Reihenhaus diente Thorsten Stock, Vize-Vorsitzender des Immobilienverbands, mit Zahlen: „In Frankfurt kostet das heute 370.000 Euro. Ende der 90er lag der Preis bei 360.000 Euro. Das ist eine moderate Steigerung.“ Im Umland seien die Preise sogar rückläufig. Nur in Frankfurt nicht, weil es immer mehr Menschen in die Stadtnähe zieht Eine Chance für Offenbach. Rudolf Ridinger: „Wir stellen mit Interesse fest, dass nicht nur die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG dort aktiv wird. Vor fünf Jahren war dieser Standort für Frankfurter Bauträger noch tabu.“

Quelle: op-online.de

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