Caro Emerald eröffnet Frauen-Musikfest

Zwischen allen Genre-Stühlen

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Caro Emerald beim „Women of the World“-Festival.

Frankfurt - Barfuß durch die verruchten Pariser Nächte der 1950er, oder: Wie sich Retro-Swing, Ballroom-Bebop und Computer-Beats zum verführerischen Mitternachtskino mischen. Von Peter H. Müller 

„Hollands neue Pop-Jazz-Queen“ Caro Emerald eröffnet das vierte „Women of the World“-Festival in der Alten Oper. Es wird ein Konzert mit langem Anlauf, aber am Ende scheint klar: „The Shocking Miss Emerald“ ist viel mehr als ein One-Hit-Wonder - und Frankfurt zweifelsfrei die Frauen-Hauptstadt der Republik. Zumindest vorübergehend. Und musikalisch betrachtet. Natürlich müssen an einem solchen Abend Reden gehalten werden. Frankfurts Integrations-Dezernentin Nargess Eskandari-Grünberg ist da, mit ihr Veranstalter Klaus Böhnisch. Und es gibt ja auch gute Nachrichten: Das Festival berappelt sich. An diesem Abend sind so viele Fans (geschätzt 1 800) in die Alte Oper gepilgert wie zur ersten Auflage 2012 insgesamt zum Festival kamen.

Auch noch erfreulich: die drei zerbrechlich schönen Akustiksongs von Singer/Songwriterin Fee, die sich als Siegerin des Nachwuchs-Castings einen Kurzauftritt redlich verdient hatte. Diverse Unmutsäußerungen produzierte jedoch die 30-minütige „Umbaupause“, bevor Madame Caro mit ihrer wunderbar glamourösen Stimme aus dem Off „I Belong To You“ anstimmte, ein Akkordeon-umwölktes, mit Synthesizer und Drum-Computer getuntes Unikat aus dem aktuellen Album „The Shocking Miss Emerald“. Klingt vor allem anders. Und richtig spannend bis geheimnisvoll, nach Haute-Couture, mondänen Bars und nächtlichen Spaziergängen an der Seine. Durchaus im Sinne der Erfinder. Die Niederländerin hat sich nach Hits wie „A Night Like This“ aus Hollywoods „Film Noir“-Szenerien ins Dior-Paris der 50-er Jahre gebeamt - um nun noch einmal in Nostalgie zu baden. Das zelebriert sie auf beeindruckende Art. Und ohne Pumps, die nach dem ersten Tango-Ausflug („Tangled Up“) zur Seite gepackt werden - das kurvige Mädchen kann’s auch ohne Highheels. Musikalisch sogar jenseits aller Moden, Trends und Schubladen.

So wirkt Musik auf unseren Körper

Was die frisch gebackene Mama nach ihrer Babypause da mit entzückender Lakonie auf die Bühne bringt, ist in der Tat ganz schwer zu fassen: Swing, Mambo, Salon-Chanson, Tango, Jazz, Mariachi-Rhythmen oder Südstaaten-Vibes - in Songs wie „Coming Back As A Man“, „Paris“, „Liquid Lunch“ oder dem brandneuen „Quick Sands“ werden Genre-/Stil-Grenzen vollends pulverisiert. Nicht zuletzt das Verdienst einer sechsköpfigen Band, die man gar nicht genug feiern kann. Für den Rest sorgt Frontfrau Caro, mit großartiger Stimme und beneidenswert natürlicher Bühnenpräsenz. Spätestens im unwiderstehlich groovenden Finale hat sich die Frage, ob man diesen einzigartigen Mix nun Retro-Swing, Vintage-Pop oder Old Nu-Jazz taufen mag, erledigt.

Quelle: op-online.de

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