Zwischen Gesellschaftskritik und Räubergesang

Potsdamer Rockband Subway To Sally feiern Tourauftakt in der Batschkapp

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Subway to Sally starten ihre Tour in Frankfurt.

Auf der unbeleuchteten Bühne der Batschkapp bewegen sich Schemen. Mit den ersten Gitarrenklängen strahlen die Scheinwerfer die schwarz gekleideten Musiker an. In Leder, mit schwarzer Farbe über den Augen – und Pailletten-Jacken. Im Kontrast dazu betritt der Sänger der Formation Subway To Sally die Bühne: blonde Haare, Gold schimmerndes Jacket.

Frankfurt – „Ich bin dein Messias. Vielleicht sogar dein Gott“, singt Eric Fish ins Mikrofon.

Mit dem Titellied ihres aktuellen Albums „Hey!“ eröffnet die siebenköpfige Gothic-Formation das Auftakt-Konzert ihrer gleichnamigen Tour. Seit 1990 bereichert die Potsdamer Gruppe Subway To Sally in wechselnder Besetzung die Rock-Szene. Von den anfänglichen mittelalterlichen Folk-Klängen – für ältere Stücke bedienten sich die Musiker auch an der lateinischen und gälischen Sprache – war auf den Vorgängeralben nicht mehr viel zu hören. Mit „Hey“ kehren sie wieder zu ihren Anfängen zurück. Dennoch stehen Gitarre, Bass und E-Geige im Vordergrund. Den größten kommerziellen Erfolg feierte die Gruppe mit dem Album „Nord Nord Ost“ (2005) und dessen Singles „Eisblumen“ und „Sieben“.

Auf der Frankfurter Bühne präsentiert die Band um Eric Fish (Erik-Uwe Hecht) eine fein abgestimmte Mischung aus den aktuellen Liedern und dem alt-bekannten Repertoire. Fish, der seit 1991 dabei ist, kümmert sich neben dem Gesang um allerlei Sackpfeifen, um Schalmei, Barockoboe, Blaswandler und Tin Whistle. Die Akustik-Gitarristen Bodenski (Michael Boden) und Simon (Simon Levko) bedienen zusätzlich Drehleier und E-Trumscheit, E-Gitarrist Ingo Hampf diverse Instrumente wie Renaissancelaute, Mandoline, Mandola, Geyerleier. Den ungewöhnlichen Sound machen Bassist Sugar Ray, Schlagzeuger Simon Michael und Violinistin Ally Storch perfekt.

Mit dem im März erschienenen 13. Studioalbum spiegelt die Formation den momentanen Zustand der Welt wieder – gefangen zwischen Konsumwahn wie in „Messias“ und Untergangsszenarien. Melancholisch wird es bei „Kleid aus Rosen“ vom 2001er Album „Herzblut“, dessen Refrain die Fans mit Leidenschaft auch nach Ende des Liedes weitersingen. Martialisch erklingt der Refrain „Blut, Blut, Räuber saufen Blut“ als Bitte um eine Zugabe. Zwei Mal kommt die Band noch auf die Bühne, bis sie zum letzten Tanz bittet – nach zwei Stunden Räuberliedern und krachender Gesellschaftskritik.

Von Yvonne Fitzenberger

Quelle: op-online.de

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