Frankfurterin Simone Pfundstein ist weltliche Trauerrednerin

Zwischen Weinen und Lachen

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Für Trauerrednerin Simone Pfundstein gehört der Tod zum Alltag. Sie bereitet ihr eigentlich völlig unbekannten Menschen einen würdigen Abschied

Frankfurt - Simone Pfundstein ist sich sicher: „In Deutschland herrscht eine Angst vor dem Tod“. Als Trauerrednerin gehört der Tod für sie zum Alltag. Und da darf natürlich auch gelacht werden. Von Jan-Nikolas Picker 

In ihren blaugrauen Augen spiegeln sich Einfühlungsvermögen, Empathie und Wärme wider. Eigenschaften, die bei ihrem Beruf nicht fehlen dürfen. Simone Pfundstein hat einen schwierigen Job. Sie ist Trauerrednerin und soll ihr eigentlich völlig unbekannten Menschen einen würdigen Abschied bereiten, und zwar mit ihren eigenen Worten.

Der Beruf des Trauerredners ist ein junger Beruf. Im Gegensatz zu Pfarrern oder Pastoren begleiten sie den Abschied von Menschen, die keiner Kirche angehören. Vor einem Jahr hat die 39-jährige Simone Pfundstein begonnen, als weltliche Trauerrednerin zu arbeiten. „Reden und schreiben - das kann ich gut“, sagt sie. Gelernt hat sie das bei ihrer achtjährigen Zeit als Redakteurin und Radio-Moderatorin, unter anderem beim Hessischen Rundfunk.

Ein Trauerredner kann noch so viel erzählen, wenn er dabei aber nicht die richtigen Worte findet, sich einen Versprecher leistet oder etwas Falsches sagt, kreise das immer in der Erinnerung der Trauergäste, sagt die Frau mit den kurzen Haaren und dem herzlichen Lächeln. Ihr sei so etwas zum Glück noch nicht passiert; denn „eine gelungene Trauerfeier ist der Beginn eines guten Trauerprozesses“.

Die ehemalige Moderatorin hat gelernt, wie man diesen Prozess einleitet. Ohne Schulungen hätte sie sich nicht auf Trauerfeiern getraut. Mit ihrer offenen, unaufdringlichen Art begegnet Pfundstein den Angehörigen einige Tage vor dem Bestattungstermin. In den Kennenlern-Gesprächen fragt sie gezielt nach Details, Leidenschaften und bunten Geschichten aus dem Leben der Verstorbenen. „Trauer ist eine individuelle Sache“, da gehe es nicht nur um die Berufslaufbahn, sondern auch um kuriose Anekdoten.

Einer habe etwa seinen Garten geliebt, woraufhin Pfundstein sein „kleines Gartenbänkchen“ zum Ort der Trauerfeier organisierte. Ein anderes Mal habe sie den Abschied für einen „wahren Daniel Düsentrieb“ begleitet, der mit verrückten Erfindungen wie einer Schokokuss-Wurf-Maschine seine Familie und Freunde erheiterte. „Auf solche Geschichten kommt es in der Trauerrede an.“ Die Trauernden sollen sich an die schönen Momente im Leben erinnern.

„Trauerfeiern müssen bunt sein!“

Volker Rahn, Sprecher der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), weiß auch, wie wichtig es ist, die Angehörigen in die Trauerfeier miteinzubeziehen. Seit zwei Jahren werde versucht, die Lebenswelt der Verstorbenen in den Vordergrund zu rücken, inzwischen darf auch auf christlichen Beerdigungen weltliche Musik gespielt werden.

Musik ist überhaupt ein wichtiger Teil beim Abschiednehmen findet Pfundstein. Denn die Lieblingslieder der Verstorbenen könnten besondere Emotionen hervorrufen. Als Trauerredner müsse man aber „Mitfühlen können, ohne dabei mitzuleiden“, eine gewisse Distanz wahren. „In einer Trauerfeier ist man der starke Fels für die anderen.“ „Wie ist das, wenn man stirbt?“, „Wo geht man denn dann hin?“, fragt Pfundsteins vierjährige Tochter, wenn sie sagt, dass ihre Mutter auf den Friedhof fährt. „Ich sage dann, dass der Körper wie ein Hemd ist.“ Wenn es alt sei, könne man es ausziehen. Die Seele suche sich dann einen neuen Körper. Pfundstein glaubt auch selber an die Wiedergeburt.

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Leben kann Pfundstein von den Trauerreden alleine nicht. Für einen Auftrag bekommt sie 360 Euro. Deswegen spricht die ehemalige Moderatorin auch auf Hochzeiten und Taufen. Sie begleitet Menschen bei den wichtigsten Übergängen im Leben, wie sie sagt. Die Rednerin bedauert, dass in Deutschland grundsätzlich Angst vor dem Tod herrsche und dass Sterben ein Tabuthema sei. Sie findet deswegen: „Trauerfeiern müssen bunt sein!“ Und dabei darf „natürlich auch gelacht werden.“

Quelle: op-online.de

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