Erster Fahrtest im 450-PS-Sportwagen

Der neue Porsche Targa 4S: Rock´n´Roller auf Speed

Porsche Targa 4S
+
Schöner fahren mit dem Bügel-Porsche. Aus der Not wurde das Auto geboren, heutezutage gilt es als die Kür der zeitlosen Maschine 911.

Der Porsche Targa ist der vermutlich schönste Porsche der Welt: Für Panik-Rocker Udo Lindenberg „ein Lebensgefühl mit fettem Sound“, für Tennis-Star Maria Sharapova „eine Design-Ikone“. Die Targa-Geschichte ist lang und turbulent.

  • Schon 55 Jahre dauert die Erfolgsgeschichte des schicksten 911er.
  • Noch nie war er so schnell: 3,6 Sekunden von 0 auf Tempo 100.
  • Der Fahrbericht zum neuen Porsche Targa 4S.

Aus der Not geboren – zum Kult-Auto geworden, als Klassiker gereift. So lässt sich die Geschichte des Porsche Targa erzählen. Anfang der 1960er Jahre kochten in den USA Diskussionen hoch, ob Cabriolets bei einem Überschlag nicht zu gefährlich seien. Für den Fall des Falles und um nicht den wichtigsten Freiluft-Markt der Welt zu verlieren entwickelten die Stuttgarter vorsorglich ein Cabriolet mit einem fest installierten Überrollbügel aus Edelstahl. Das war 1965 - die Geburtsstunde eines Sportwagens, der für viele Porsche-Fans als der schönste 911er* gilt. 

Porsche: Targa bedeutet Schutzschild

Ur-Targa in Rot. Erfunden wurde das Halb-Cabrio mit dem Überrollbügel aus Angst, dass die Amerikaner Cabrios aus Sicherheitsgründen verbieten.

Verkündet wurde das alles in einer Porsche-Pressemitteilung: Da war die Rede von einem Sicherheitscabriolet namens Targa. Auf Italienisch bedeutet das Wort Schild oder Schutzschild. Und das sollte der Überrollbügel für seinen Fahrer auch sein. Zum äußersten - also zum Verbot von Cabriolets - kam es in den Vereinigten Staaten nie. Der Targa jedoch war in der Welt – und fuhr seinen Erfolgsweg.

Aber es gibt noch eine zweite Theorie wie dieser Sportwagen zu seinem Namen kam. Vielleicht wurde er auch nach dem berühmten sizilianischen Bergrennen Florio Targa benannt, das die Stuttgarter Sportwagenbauer Anfang der 60er Jahre mehrmals gewonnen haben.

Porsche Targa: 19 Sekunden, dann ist das Verdeck weg

Offen in 19 Sekunden: Der Porsche Targa muss allerdings stehen, damit das Dach unter die Glaskuppel gepackt werden kann.

Wie dem auch sei: 55 Jahre nach seiner Erstvorstellung hat der neue Targa nichts an Klasse verloren. Die Dachelemente müssen natürlich nicht mehr von Hand herausgenommen werden. Geblieben aber ist die breite silberne Spange und die mächtige Glaskuppel im Heck. Exakt 19 Sekunden dauert es, bis aus dem 911er der Baureihe 992 ein halbes Cabrio geworden ist. Erst das durchsichtige Heckteil in die Höhe gelupft, dann fährt das Stoffdach nach hinten und versenkt sich selbst. Glas-Deckel wieder drauf – der Targa ist startklar.

Peinlich, wenn die Ampel grün wird

Leider funktionieren Öffnen und Schließen nur im absoluten Stillstand und nicht wie bei einem reinrassigen 911er Cabrio bis Tempo 50. Von daher empfiehlt es sich, das Manöver nicht an einer roten Ampel durchzuführen. Sieht ziemlich peinlich aus, wenn es plötzlich grün wird. Und man mit dem halb offenen Targa im Schnecken-Tempo die nächste Parklücke ansteuern muss, um zu vollenden, was man begonnen hat. Die Aufmerksamkeit der Passanten hat man jedoch allemal. Und manch einer zückt das Handy, weil der Faltvorgang wirklich ziemlich spektakulär aussieht. 

Auch interessant: Warum ist auf dem Porsche-Wappen eigentlich ein Pferd?

Porsche Targa: Ab Tempo 60 wird die Glaskuppel zur Donnerkuppel

Ideale Proportionen: Mit der Glaskuppel hinten und dem silbernen Überrollbügel ist der Targa für viele Fans der schönste 911er.

„Offen fahren wie im Cabrio – geborgen wie im Coupé“ – so empfindet Ex-Rallye-Weltmeister Walter Röhrl den neuen Targa. Das stimmt leider nur bedingt, denn trotz manuell ausfahrbarer Spoilerlippe auf der Frontscheibe strömt die Luft in den Innenraum und fängt sich unter der Glaskuppel, die zur Donnerkuppel wird, weil sich hier alles staut. Ab Tempo 60 wummert es unangenehm vor sich hin.

Abhilfe versprechen zwei Methoden: Die eine setzt heißes Wetter voraus. Einfach die Seitenscheiben ein wenig herunterfahren. Die andere ist mehr Porsche-like, aber nichts für geschlossene Ortschaften. Aufs Gas drücken – ab Tempo 80 verschwindet der Luft-Stau von ganz allein. Bei über 180 km/h oder gar bis zur Spitzengeschwindigkeit von 304 km/h wird es aber wieder eher ungemütlich. 

In 13,1 Sekunden von 0 auf Tempo 200

Auch von hinten macht der 911 Targa eine gute Figur. Dicke Backen, durchgehendes Lichtband verleihen ein dynamisches Aussehen.

Für Deutschlands dienstältesten Panik-Rocker Udo Lindenberg ist der 911er Targa „purer Rock´n´Roll“. Wenn er damit die unbändige, ungezügelte Kraft des Sportwagens gemeint hat, dann ist das eine leichte Untertreibung. Was der an allen vier Rädern angetriebene Targa auf die Straße legt – das ist Speed Metal. 450 Pferdestärken aus dem Sechszylinder Biturbo-Motor katapultieren den 911er 4S in 3,6 Sekunden von 0 auf 100 und in 13,1 Sekunden von 0 auf 200 Stundenkilometer. Und zwar pronto, presto – ohne Verzögerung, ohne Turboloch - immer schneller, immer weiter. 

Lesen Sie auch: Gut gebrüllt Porsche: Der neue Cayenne GTS hat mehr Zylinder, mehr PS & besseren Sound.

Fettes Drehmoment über einen langen Zeitraum

Im Vergleich zum Basis-Targa leistet er 65 PS mehr (dank der größeren Lader). Nimmt man den Vorgänger, steigert sich der neue 4S um 30 PS. Das Drehmoment liegt bei 530 Newtonmeter (Nm), und deckt einen weiten Bereich von 2.300 bis 5.000 Umdrehungen pro Minute (U/min) ab. Das heißt: Schon bei entspannter Fahrweise kann man die ganze Kraft des Boxermotors spüren und muss es sich und seiner Umgebung nicht immer mit einem kräftigen Druck auf das Gaspedal beweisen. 

Auch die gibt es für den Targa: Die legendären Fuchsfelgen im neuen Glanz. Zeitloses Design - neu interpretiert.

Porsche Targa 4S: Präzise wie das Skalpell eines Chirurgen

Das ist souverän und passt zum Fahrwerk des 911ers, das eine ehrgeizige Aufgabe zu erfüllen hat - nämlich das des alltagstauglichen Sportwagens. Dafür hat der Targa serienmäßig das elektronisch geregelte Dämpfersystem PASM an Bord. Auf der Stufe „Normal“ bügelt es (fast) sämtliche Unebenheiten der Straße weg. Aber Gottseidank nicht alle, denn schließlich will man in einem 911er immer auch die Straße spüren.

In den Stellungen „Sport“ und „Sport plus“ legt das Fahrwerk im übertragenen Sinn die Ohren an. Straff, stramm und knackig flitzt der Targa dann über den Asphalt. Rein in die Kurven und flink wieder raus. Die Lenkung reagiert präzise wie ein Skalpell in der Hand eines talentierten Chirurgen. 

Puristen bestellen sich einen Handschalter

Silberne Spange, rotes Leder: Wer Porsche Targa fährt muss im Vergleich zum Coupe tief in die Tasche greifen.

Dank des flexiblen Allradantriebs, der an der Vorderachse stark verbessert wurde, fühlt sich sportliches Fahren jederzeit sicher an. So wie auf Schienen. Auch das ist alltagstauglicher im Vergleich zum reinen und etwas nervöseren Heckantrieb im Coupé, den Puristen natürlich bevorzugen. Apropos Puristen: Für die gibt es im neuen Targa neben dem serienmäßigen PDK-Doppel-Kupplungsgetriebe eine manuelle 7-Gang-Alternative. Selbst ist der Mann, wenn er es kann.

Wenn es feucht wird, WET-Modus einschalten

Wer sich lieber von der Elektronik helfen lassen möchte, der findet im Targa 4S auch Unterstützung bei Regen. Sobald es zu feucht wird, empfiehlt der Bord-Computer den Wet-Modus. Per Knopfdruck aktiviert stellen die Regelsysteme auf maximale Fahrstabilität bei Traktion und Ansprechverhalten des Motors um. Auch gibt Sicherheit, gerade wenn man – wie bei unserer mid-Testfahrt – mit 450 PS und einem heftigen Gewitter-Regenguss auf der Autobahn unterwegs ist.

Satelliten-Unterstützung gegen Aufsetzen

Und noch ein kleines, feines Detail dürfte Porsche-Liebhaber, die für einen Targa 4S mindestens 140.327 Euro hinlegen müssen, erfreuen: Das lästige Aufdotzen der Karosserie, wenn es über eine Tiefgaragen-Kante geht, ist Geschichte. Per Knopfdruck und GPS-Signal merkt sich der Computer die Stelle und fährt das Auto automatisch um bis zu 40 Millimeter nach oben. Jedes Mal wieder.

Unser Fazit zum neuen Targa ist eindeutig

Mehr Porsche braucht es nicht: Unser Autor Rudolf Bögel ist vom Targa der Baureihe 992 überzeugt.

Mal komfortabel wie eine Limousine, mal scharf wie Nachbars Lumpi – der Porsche Targa 4S bietet das Beste aus beiden (Auto-)Welten, und zwar in einer enormen Spreizung. In 3,6 Sekunden von 0 auf 100 – das war noch vor wenigen Jahren noch Supersportwagen vorbehalten. Eigentlich dachten wir „mehr Porsche braucht es nicht“. Bis wir dem Turbo S mit seinen 650 PS begegneten. Aber diese Geschichte unter dem Motto „Tage des Donners“ muss an einem anderen Tag erzählt werden. 

Datenblatt Porsche Targa 4S

Länge / Breite / Höhe:4,52 / 2,00 / 1,30 m
Motor:Sechszylinder-Benziner Biturbo
Hubraum:2.981 ccm
max. Leistung:331 kW/450 PS bei 6.500 U/min
max. Drehmoment: 530 Nm bei 2.300 – 5.000 U/min
Getriebe: Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe
Anrieb:Allradantrieb
0-100 km/h: 3,6 Sekunden
Spitze:304 km/h
Normverbrauch:9,9 l/100 km
CO2-Emission:227 g/kmLeergewicht: 1.675 kg
Leergewicht:1.675 kg
Preis:ab 140.327 Euro

Auch interessant: Irres Video: Porsche-Fahrer poltert mit seinem 911 durch Offroad-Gelände.

Diese Autos werden 2020 zu Oldtimern - Ist Ihres dabei?

Scheinwerfer hinter Klarglas und ein hohes Heck: Optisch grenzte sich der neue BMW 3er im Jahr 1990 deutlich von seinen Vorgängern ab.
Vom Ford Escort kam 1990 die fünfte Generation in den Handel - sie war im Vergleich zur vorherigen deutlich länger.
Im Mitsubishi Sigma steckt seinerzeit noch wegweisende Technik wie eine Allradlenkung und ein elektronisch verstellbares Fahrwerk.
Der letzte Mini Cooper unter Regie von Rover ist heute ein beliebtes Sammlermodell.
Diese Autos werden 2020 zu Oldtimern - Ist Ihres dabei?

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare