Roter Planet

Mars verliert Wasser schneller als gedacht - so trocknete der Planet aus

Der Mars verliert Wasser deutlich schneller, als gedacht. Das liegt daran, dass ein Mechanismus, den es auf der Erde gibt, nicht funktioniert.

  • Früher gab es auf dem Mars flüssiges Wasser - wie hat der Planet das Wasser verloren?
  • Ein internationales Forscherteam untersucht das Phänomen mit Hilfe des „Trace Gas Orbiters“ (TGO)
  • Interessante Entdeckung: Auch die Jahreszeiten auf dem Mars spielen eine Rolle

Der Mars ist ein trockener, kalter und unwirtlicher Planet. Das war früher anders: Ausgetrocknete Seen und Flussbetten deuten an, dass es auf dem Mars einmal flüssiges Wasser gab. Nasa-Wissenschaftler haben bereits vor einigen Jahren ermittelt, dass es auf dem Mars vor 4,3 Milliarden Jahren genug Wasser gegeben haben muss, um den kompletten Planeten mit einem 137 Meter tiefen Meer zu bedecken.

Doch wohin ist das Wasser verschwunden? Auf der Oberfläche des Mars - vor allem an den Polen des Planeten - gibt es heute noch gefrorenes Wasser. Allerdings sollen es nur noch etwa zehn Prozent des Wassers sein, das einst auf dem Mars vorhanden war.

Der Mars verliert sein Wasser an den Weltraum

Bisher ist man davon ausgegangen, dass der Mars sein Wasser größtenteils einfach an den Weltraum verliert. Die UV-Strahlung der Sonne zerlegt das Wasser demnach in seine Einzelteile - Sauerstoff und Wasserstoff - und die verschwinden einfach ins All. Die Schwerkraft des Mars schafft es nicht, sie auf dem Planeten zu halten.

Nun haben Forschende aus Frankreich, Großbritannien, Russland und Australien das Phänomen genauer untersucht. Dazu haben sie Daten des Mars-Orbiters „Trace Gas Orbiter“ (TGO) der europäischen Raumfahrtorganisation Esa genutzt und ihre Erkenntnisse nun im Fachmagazin „Science“ veröffentlicht. Die Forschenden schauten sich vor allem an, wie sich das Wasser in der Mars-Atmosphäre in den Jahren 2018 und 2019 verteilt hat.

Mars: Wasserdampf kondensiert in der Atmosphäre nicht

Dabei erkannten sie, dass vor allem die Klimaveränderung durch Jahreszeiten ein Schlüsselfaktor ist, der beeinflusst, wie sich der Wasserdampf in der Mars-Atmosphäre verteilt. Während der wärmsten und stürmischsten Zeit des Mars-Jahres gab es demnach zehn bis 100 Mal mehr Wasserdampf in einer Höhe von mehr als 80 Kilometern, als es die Temperaturen eigentlich erlauben sollten.

Das Forscherteam stellt sich das Entweichen von Gas so vor: Die Sonne erwärmt die Eisvorkommen an den Mars-Polen, Wasserdampf steigt in die Atmosphäre auf. Die Wassermoleküle werden von Winden immer weiter nach oben getragen, wo es immer kälter wird. Auf der Erde würden sie dann kondensieren, es würden Wolken entstehen. Auf dem Mars geschieht diese Kondensation offenbar meistens nicht, weshalb die Sättigung der Atmosphäre mit Wasserdampf an einigen Stellen sehr hoch ist. Die UV-Strahlung der Sonne zerlegt die Wassermoleküle in Wasserstoff und Sauerstoff - was dann ins Weltall verschwindet.

Diese außergewöhnlich hohe Sättigung habe man auf keinem anderen Himmelskörper im Sonnensystem beobachten können, erklärt der Co-Autor der Studie, der Planetenforscher Franck Montmessin gegenüber space.com. Eigentlich waren die Forscher davon ausgegangen, dass die kalten Temperaturen weit oben in der Atmosphäre den Wasserdampf aufhalten würden - ähnlich wie auf der Erde. „Er hätte zu Wolken kondensieren sollen“, so Montmessin. 

Hat der Mars schneller Wasser verloren als bisher gedacht?

Die Schlussfolgerung der Forschenden: Wenn Wasserdampf in der Mars-Atmosphäre so hoch steigen kann ohne zu kondensieren, „könnten wir uns vorstellen, dass das Entweichen von Wasser vom Mars weitaus effektiver war als bisher angenommen“, so Montmessin weiter.

Eigentlich hatten Forscher angenommen, dass es mehrere Jahrzehnte dauert, bis das Wasser so hoch in die Atmosphäre steigt und in seine Bestandteile zerlegt wird. „In Wirklichkeit dauert dieser Mechanismus viel kürzer: ein paar Tage bis ein paar Wochen“, zitiert der „Business Insider“ Montmessin.

Der Mars hat noch viele ungelöste Rätsel für Forscher parat

Das könnte erklären, wie der Planet Mars zu dem trockenen Planeten wurde, den wir heute kennen. Der Mars bietet noch viele offene Rätsel, die Forscher lösen wollen. Deshalb brechen 2020 gleich vier Missionen zum Mars auf*. Unter anderem wollen Forscher wissen, woher Sauerstoff auf dem Mars kommt* - und wohin er wieder verschwindet. Auch warum das Magnetfeld des Mars pulsiert*, wollen Forscher herausfinden.

Auch die Frage nach Leben auf dem roten Planeten ist noch ungeklärt. Ein Forscher behauptet, dass die Nasa 1976 bereits Leben auf dem Mars gefunden hat*.

Von Tanja Banner

*fr.de ist Teil der bundesweiten Ippen-Digital-Zentralredaktion.

Rubriklistenbild: © NASA's Goddard Space Flight Center

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