Ein Abend über und mit viel Alkohol

Frankfurt - Wie peinigend, dem denkwürdigen Abend nicht beiwohnen zu können! Nachträglicher Einlass war, nachdem das Theater nicht rechtzeitig erreichbar war, wegen ausverkauften Hauses und feuerpolizeilicher Vorschriften nicht möglich. Von Stefan Michalzik

Was es vor der Tür zu sehen und zu hören gab, ließ aber darauf schließen, dass im Innern Außergewöhnliches vor sich gegangen sein muss. Zwei Stunden dauerte die unter dem Titel „Zurück aus Petuschki“ angekündigte Lesung in der Box des Frankfurter Schauspiels.

Über die Lachsalven hinaus waren durch die Holzwände der ins Foyer eingezogenen Baracke laute, mitunter grölende Stimmen und umfallende Bierflaschen zu hören. Mit fortschreitender Zeit öffnete sich die Tür immer öfter. Stetig kamen Leute mit lachenden Gesichtern heraus, eilten zur Toilette und kehrten zurück, darunter einige Schauspieler aus dem Quartett um Michael Abendroth, Torben Kessler, Oliver Kraushaar und Marc Oliver Schulze.

In einem glichen sich – einer Gewährsfrau zufolge – Mimen und Zuschauer: Es floss viel Alkohol. Flaschenbier bekam das Publikum gratis; auf der Bühne wurde Bier in Maßkrügen nach der unter Trinkern geläufigen Methode des „Laternchens“ mit Likör wirkungsmächtiger gemacht. In den Texten ging es um die Trinkgewohnheiten von Schriftstellern. Die Liste reichte von Tacitus und Goethe über Grabbe und Rabelais bis zu Brecht, Qualtinger, Bukowski, Schleef und Gernhardt. Ihre Hervorbringungen wurden amüsant kommentiert, im Fall des Tagebuchschreibers Samuel Pepys als langatmig gescholten – und in Kurzweil überführt. Drei Darsteller bekamen Turbane verpasst, damit bei einem Sturz der Kopf nicht in Mitleidenschaft gezogen werde.

Der Einsatz von Ersatzsubstanzen hätte wohl für ehrenrührig gegolten, also wurde echter Alkohol getrunken. Schließlich hat schon Adolph Freiherr von Knigge in einem den Zuschauern an die Hand gegebenen Text die „wohltätige Würkung dieser herrlichen Arzenei“ gepriesen. Kraushaar, Motor der Unternehmung, fühlte sich auch in der Trinkfestigkeit zur Leitrolle verpflichtet. Bei ähnlicher Gelegenheit war vor knapp einem Jahr die Polizei als Realstatisterie auf den Plan getreten, das bekannte Boulevardblatt hatte die Sache zur Randaliererei zu skandalisieren versucht – derweil Augenzeugen bestätigten, dass es so arg nicht war. Kraushaar im Gespräch mit dieser Zeitung über das Prinzip des Abends: „Keiner probt was, keiner kann was – und wir machen’s!“ Und es funktioniert.

Quelle: op-online.de

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