Comic-Held mit hessischen Vätern

Abenteuerliche Reisen im Wilden Norden

Frankfurt - Für Comics ist man nie zu alt. Nicht als Leser, und schon gar nicht als Autor. Von Christian Riethmüller

Alexis Martinez und Gunther Brodhecker haben sich jedenfalls lange Zeit gelassen, sind beide über 40 Jahre alt geworden, bis sie ihr erstes Werk vorlegten.

Gut Ding will Weile haben? Mit den Abenteuern ihres Helden Ricardo Castillo haben es die beiden hessischen Comicautoren jedenfalls prompt auf die prestigeträchtigen Feuilleton-Seiten der „FAZ“ gebracht, wo „Das Tagebuch des Ricardo Castillo“ ab Januar 2011 viele Comicfans begeisterte. Nun sind die Strips in überarbeiteter Form in einem schönen, leinengebundenen Buch im Querformat erschienen. Publiziert wird der Band in einem von Martinez und Brodhecker eigens in Frankfurt gegründeten Selbstverlag. 1000 Exemplare beträgt die Erstauflage, von der einige hundert Bücher bereits verkauft sind. Erhältlich ist der Band in Comicläden und im Buchhandel (ISBN 978-3-00-042237-9).

Liebevoll gestaltetes Buch

Wer das liebevoll gestaltete Buch zur Hand nimmt und zugleich in den schwarzweiß gehaltenen Tableaus versinkt, wird sich angenehm an die Comic-Stilrichtung Ligne claire und damit an Hergé und dessen Welterfolg „Tim und Struppi“ erinnert fühlen. Doch „Ricardo Castillo“ ist nicht bloß Hommage an ein Vorbild, sondern zeigt auch einen sehr eigenen, weit entwickelten Strich.

Umso erstaunlicher, dass der 42-jährige Alexis Martinez, der in Mainhausen aufgewachsen ist und nun in Frankfurt lebt, vorher noch nie Zeichnungen veröffentlicht hat, weder in Fanzines noch in sonstigen Publikationen.

Martinez ist in einer großen Frankfurter Werbeagentur tätig, wo er auch seinen Mitautor Gunther Brodhecker (47), einen gebürtigen Riedstädter, kennengelernt hat. Eines Tages erzählte der geschichtsbegeisterte Martinez seinem Kollegen von der Idee, eine Comicfigur Abenteuer zur Zeit des Pelzhandels in Neu-Frankreich (das heutige Kanada) erleben zu lassen. Im Jahr 2008 erblickte diese Figur namens Ricardo Castillo dann tatsächlich das Licht der Welt und war erstmals bei einer Comic-Ausstellung im Jüdischen Museum Frankfurt zu sehen.

Frankfurter Buchmesse 2013: Impressionen

Frankfurter Buchmesse 2013: Impressionen

Castillo ist ein Spanier, der im 18. Jahrhundert als heimlich praktizierender Jude seiner Heimat vertrieben wird, in die Neue Welt flieht und dort als Kartograph im Wilden Norden unter Trappern und Indianern allerhand Abenteuer erlebt. Trotz leidvoller Erfahrungen bleibt Castillo dabei ein positiver Mensch und guter Held, dem noch allerhand blühen könnte. Wie Alexis Martinez und Gunther Brodhecker sagen, haben sie schon weitere Abenteuer für Ricardo ersonnen, dessen Geschichte noch lange nicht zu Ende erzählt ist. Möglicherweise wird das Tagebuch dann auch farbig.

Die beiden Comicautoren sind heute und am Sonntag auf der Buchmesse am Comic-Gemeinschaftsstand K 17 in Halle 3.0 zu treffen. Sehenswert ist der Trailer: http://vimeo.com/75033132.

Quelle: op-online.de

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