Abgründe und Freuden des Lebens

Frankfurt - Totenköpfe, die in schwarzen Sternschnuppen auf die Erde fallen. Herzen, eingesperrt in Käfigen, mit Uhren an ihrer Unterseite. Überall Rosen und Dornen. Nackte Leiber, die zueinander suchen. Die Symbolik von Francesco Clemente wirkt vertraut – und doch fremd. Von Veronika Szeherova

In der Kunsthalle Schirn in Frankfurt ist von heute bis zum 4. September die Ausstellung „Palimpsest“ zu sehen. Erstmals in Europa werden umfassend Werke des 1952 in Neapel geborenen Künstlers gezeigt. „Clementes komplexes Gesamtwerk zeigt Ambivalenzen, Möglichkeiten, Abgründe, aber auch die Freuden des menschlichen Lebens – jeder Pinselstrich in absoluter Perfektion“, sagt Schirn-Direktor Max Hollein. Als Palimpsest wurden neu beschriebene Pergamente und Papiere bezeichnet. Diese Vielschichtigkeit ist das Hauptmerkmal von Clementes Kunst. Wobei die breit gefächerte Symbolhaftigkeit besticht. „Mein Geist funktioniert so, dass ich immer nach Verbindungen suche“, erklärt der Künstler, „etwa zwischen der inneren und der äußeren Welt oder zwischen dem geschriebenen Wort und Bildsprache. Meine Werke schöpfen sich aus dem, was ich sehe und höre. Es sind Fragmente meiner Erfahrung.“

Francesco Clemente „Palimpsest“ in der Frankfurter Kunsthalle Schirn, Römerberg. Geöffnet: Dienstag und Freitag bis Sonntag 10-19 Uhr, Mittwoch und Donnerstag 10-22 Uhr.

Das muss eine schier unerschöpfliche Quelle sein, führt der italienische Künstler doch ein ungewöhnliches Leben zwischen drei Kontinenten. 1980 kam er in nach New York, arbeitete mit den Schriftstellern Allen Ginsberg und Robert Creeley zusammen. Entscheidend prägten ihn jedoch mehrere längere Aufenthalte in Indien. So verbrachte er das Jahr 1977 bei der Theosophischen Gesellschaft in Madras. Ergebnis dieses Aufenthalts ist unter anderem die Gouache „Untitled“, mit der die Ausstellung beginnt.

In einem Raum sind hauptsächlich frühe Arbeiten auf Papier zu sehen. Im nächsten vermittelt die riesige, 14 Meter lange Fotocollage „Wallpaper“ einen Eindruck von Clementes Schaffensumfeld in New York. Die farbenprächtigen, großformatigen Aquarelle „A History of the Heart in Three Rainbows“ bilden den beeindruckenden Abschluss.

Quelle: op-online.de

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