Abwrackprämie für die Feinrippwäsche

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Einen Rückblick der besonderen Art hatten Volkmar Staub und Florian Schroeder, ihres Zeichens Kabarettisten, auf Lager.

Günther Jauch tut es, Johannes B. Kerner auch. Radios, Magazine und Zeitungen mögen nicht auf ihn verzichten: Rückblick auf Höhen und Tiefen der vergangenen zwölf Monate; was die Nation bewegte, rührte oder auf die Palme brachte. Von Maren Cornils

Wen wundert es, wenn Volkmar Staub und Florian Schroeder, ihres Zeichens Kabarettisten, sich am Jahresende auf Pleiten, Pech und politische Fehlentscheidungen werfen, um sich im Jahresrückblick der etwas anderen Art genüsslich das Maul zu zerreißen. Eine Disziplin, auf die sich – da kann das Publikum sicher sein – der grauhaarige linke Politkabarettist und der nicht einmal 30-jährige TV-Liebling bestens verstehen. „Zugabe“ heißt ihr Jahresend-Ereignis schnörkellos. Um Werbung braucht sich das Paar nicht zu sorgen, wie der zweimal hintereinander ausverkaufte Auftritt in der Frankfurter „Käs“ beweist.

Zu lästern haben Staub und Schroeder mehr als genug: Schweinegrippe, Finanzkrise, Kundus-Affäre, Klimagipfel, Bundestagswahl und Promi-Peinlichkeiten bescheren den Wortakrobaten Stoff, um daraus vergnügliche zweieinhalb Stunden zu basteln und ihre Zuhörer mit hanebüchenen Vorschlägen, Visionen oder Verschwörungstheorien zu unterhalten.

Etwa mit der, dass Karl-Theodor zu Guttenberg der beste Beweis dafür sei, dass jeder zweite Deutsche damit rechnen müsse, morgens im Wirtschaftsministerium aufzuwachen. Oder dass man mit einer Abwrackprämie für Feinrippstücke das Unternehmen Schießer hätte retten können. Jürgen Rüttgers, Angela Merkel, Frank-Walter Steinmeier oder Günther Oettinger bekommen ihr Fett weg. Der Papst, Guido Westerwelle, Opel und Günther Jauch sind nicht vor dem pointensicheren Duo sicher.

Feuerwerk der intelligenten Gags

Da erklärt Staub am Beispiel der Dorfkneipe, wie sich das Prinzip Schuldscheinkauf gewinnbringend auf den Alltag übertragen lässt. Appelliert als Winnetou mit nacktem Oberkörper an die „roten Brüder“ aus der SPD, endlich wieder Kampfgeist und Profil zu zeigen. Oder parliert mit Schroeder in einer begnadeten Talkshow-Persiflage über Sinn und Unsinn von Medienpräsenz.

Der Kollege steht ihm nicht nach, ob als Otti-Fischer-, Merkel- oder Jauch-Imitator. Schroeder bringt sein Publikum zu Beifallssstürmen und versetzt der deutschen Politikerriege gleich welcher Partei einen platzierten Hieb nach dem anderen. „Mit der FDP über einen Mindestlohn zu diskutieren ist wie Schnitzelessen mit einem Vegetarier“, ulkt der blonde Vertreter der „Generation irgendwas mit Medien“, um sich maliziös der Bespitzelungsaffäre bei der Bahn zu widmen: „Dass das erst mit vier Jahren Verspätung rausgekommen ist, zeigt, dass sich die Bahn treu geblieben ist...“

„Zuschlag“ ist ein Feuerwerk der intelligenten Gags und geschickt platzierten Pointen, das von der Schlagfertigkeit und Spontaneität der ungleichen Protagonisten lebt – brillant, witzig und politisch herrlich unkorrekt!

Quelle: op-online.de

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