Ader der Kreativen

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Meterweise Nudelteig verarbeitete Veronica Trebini für ihren Beitrag zum Medea-Projekt der Bühnenbildner. Fotos:

Offenbach - Der Neubau der Hochschule für Gestaltung (HfG) auf dem Maingärten-Areal ist in Sicht, doch der gedachte Campus der Studenten reicht schon jetzt viel weiter – vom Gründerzentrum Ostpol über das Isenburger Schloss bis hin zum Hafenareal erstreckt sich eine Kreativ-Ader quer durch die nördlichen Stadtteile Offenbachs. Von Carsten Müller

Konsequenterweise spielt der 14. HfG-Rundgang zwischen Hafen, Hochschulgelände, dem Kaufhaus KOMM sowie dem Atelierhaus in der Geleitsstraße. Ausdauer und gutes Schuhwerk sind Mindestvoraussetzungen für einen Besuch der studentischen Leistungsschau, die heute Abend eröffnet wird und bis Sonntag zu sehen ist. Ergänzt wird das Ausstellungsprogramm aus den Bereichen Film, Bühnenbild, Fotografie, Malerei, Bildhauerei, Raumkonzepte, Grafik-Design und Illustration sowie Produktdesign von Freilichtveranstaltungen auf dem Schlossplatz. Bei der CrossMediaNight sind heute ab 22 Uhr aktuelle Medienproduktionen und Performances zu sehen. Die morgige Filmnacht (ab 22 Uhr) zeigt Diplom- und Semesterarbeiten, Preisgewinner und freie Projekte der Filmklasse Rotraut Papes.

Die Produktdesigner zeigen unter anderem in der Zentralwerkstatt, wie nah schon frühe Semester industriell verwertbarer Formgebung kommen. Das Blutzuckermessgerät von Miriam Schmitt hat laut Dekan Frank Zebner Patentreife. Auch der viergeteilte Rucksack für Freeclimber von Johannes Schmutzler ist für einen Vordiplomanden sehr ausgereift. Zu sehen ist aber auch, wie bedeutsam Kooperationen sind, beispielsweise anhand von Entwürfen zum Thema „Kaffee_2020“ in Zusammenarbeit mit einem Kaffeemaschinenbauer.

Einminütige Interaktion dauert in Zeitupe 30 Minuten

Anziehungspunkt eines jeden Rundgangs sind die Bühnenbildner, die sich diesmal unter Leitung von rosalie einem Medea-Projekt verschrieben haben. Auf Sabine Borns raumfüllenden Terrasse werden in einer Live-Performance Krokodile und Engel geschnitzt, das zerstörerische Wirken der Kindsmörderin zeigt eine verkohlte Wand, ihre Verführungskraft ein meterdicker und -langer Zopf. Veronica Trebini hat ihre schmackhaften Medea-Interpretationen mit der Nudelmaschine angefertigt.

Grafikdesigner variierten das Thema „Das perfekte Versteck“, da darf eine Gelddruckmaschine nicht fehlen.

Die Schlosskapelle und der ehemalige Malersaal sind Spielfläche der Fotografie-Studenten, wo Oliver Dignal Arbeiten zum Thema Realitätsbrüche zeigt, Ornella Fieres vielschichtige Projektionen im Marburger Universitätsmuseum und Thomas Weyandt hunderte Farbflächen ausbelichtete.
Bildhauer und Maler bespielen auf vier Etagen das Atelierhaus in der Geleitsstraße mit Raumobjekten wie Maria Hanisimowas poetische Installation „Tamara“, Erinnerungen an ihre Mutter in über einem Spiegel arrangierten Tüchern, oder die geschickten Schnitte Altan Eskins, fotografische Arbeiten dreidimensional erweiternd. Jonas Englert hat Schauspieler eingepfercht und ihnen menschliche Prototypen vorgegeben. Die einminütige Interaktion dauert in Superzeitlupe eine halbe Stunde.

14. Rundgang der Hochschule für Gestaltung. Geöffnet: Freitag 18-22 Uhr, Samstag 14-22 Uhr, Sonntag 14-19 Uhr auf dem Campus Schlossplatz, im Kaufhaus KOMM, in Ölhalle und Lokschuppen am Hafen und dem Atelierhaus Geleitsstraße 103. CrossMediaNight heute ab 22 Uhr, FilmNacht morgen ab 22 Uhr auf dem Schlossplatz

Grafikdesigner und Illustratoren zeigen Semesterarbeiten zu „Das perfekte Versteck“, aufgebaut wurde auch ein für den Art Director’s Club entworfener Stand, an dem Besucher mit Stempeln und Schablonen individuelle Plakate erstellen können.
Sehenswert die meist gegenständlichen Arbeiten der Malklasse Jankowski, etwa Tanja Herzigs Reflexionen zu Geburt und Gastfreundschaft oder Dorothee Diebolds Tryptichon zur Metamophose von Kate Middleton. Die 23-jährige Offenbacherin konkurriert auch um den erstmals ausgelobten, mit 8 .000 Euro dotierten Dieter-Haack-Preis für Malerei, dessen Bewerber in der Ölhalle am Hafen ausgestellt sind. Gegenüber im Hafen2 zeigen Architekturstudenten aus Darmstadt und Wuppertal unkonventionelle Entwürfe zum Neubau des Kulturzentrums – und Visionen zur Offenbacher Kreativ-Ader, die längst mehrere Stadtviertel umspannt.

Quelle: op-online.de

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