Frankfurter Oper für Kinder zeigt Wagners „Ring“ in Kurzform.

Alberich ist ein Lappen

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Sieglinde (Sophie Angebault) und Siegmund (Michael McCown) haben eine schicksalhafte Begegnung an der Telefonzelle.

Der Räuber des Rheingolds ist ziemlich fies und hässlich. Doch furchteinflößend ist dieser Alberich nicht. Genau genommen heißt er mit vollem Namen auch Labbo Alberich, ist ein uralter Lappen – und babbelt Hessisch.

Die Handpuppe Labbo gehört fest zum Ensemble der Frankfurter Oper für Kinder. Sie hilft dabei, große Werke der Operngeschichte kindgerecht, spannend und lustig zu vermitteln und dabei doch die Grundzüge eines authentischen Opernerlebnisses beizubehalten. Dank vieler gesprochener Passagen fühlen sich die Kleinen nicht überfordert. Mit der dritten und letzten Kinderoper dieser Saison wagt sich Regisseurin Deborah Einspieler an ein Werk, vor dem selbst Erwachsene oft zurückschrecken: Richard Wagners „Ring des Nibelungen“.

„Willkommen zu einem Event, das noch größer ist als die Fußball-WM – denn wir zeigen euch heute gleich zwei Opern auf einmal!“, begrüßt Labbo alias Thomas Korte das junge Publikum. In der „großen“ Oper undenkbar, doch hier klappt es wunderbar: „Das Rheingold“ und „Die Walküre“, also die ersten beiden Teile des vierteiligen „Rings“, werden im ambitionierten Projekt zusammen aufgeführt. „Schon im ,Rheingold’ findet sich alles, was Spaß macht“, erzählt Einspieler: „Im Wasser planschende Nixen, ein böser Zwerg, ein Riese, der sich nach Liebe sehnt, und natürlich die Götter mit ihren allzu menschlichen Seiten.“

Die kleinen Zuschauer ab sechs Jahren sitzen auf dem Boden, direkt auf der ebenerdigen Bühne. So sind sie mitten im Geschehen, lassen sich mitreißen: Sie lachen, als am Anfang die drei Rheintöchter mit Wasserpistolen spielen. Sie staunen, als der große Pappmaché-Riese (Thomas Korte) zum ersten Mal auftaucht. Und lachen wieder, als dieser sich als ziemlich dämlich und verlangsamt herausstellt. Sie helfen Wotan (Florian Plock) bei der Suche nach seiner Tochter Brünnhilde (Birgit Schmickler), haben Spaß, als er wegen seiner Lanze nicht durch die Tür der Telefonzelle passt. Telefonzelle? Darin ist die schöne Sieglinde (Sophie Angebault) quasi eine Gefangene, denn ihr eifersüchtiger Ehemann Hunding (Thomas Korte glänzt auch in seiner dritten Rolle) überwacht sie ständig via Fernsprecher. Bis natürlich der heldenhafte Siegmund (Michael McCown) kommt und sie mitnimmt. Was auch in dieser Interpretation seinen Tod bedeutet – und ein viel zu abruptes Ende des amüsanten Stücks, an dem auch die erwachsenen Begleiter ihre Freude haben.VERONIKA SZEHEROVA

Weitere Aufführungen: Dienstag, 15. Juni, 14 und 16.30 Uhr

Quelle: op-online.de

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