Innere und äußere Erkundungen

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Ausschnitt von Josef Albers, „Diskant A“ (1934)

Wiesbaden - Als Josef Albers (1888-1976) nach der Schließung des Bauhauses 1933 in die USA emigrierte, nahm er großen Einfluss auf die amerikanische Moderne – und damit auf die europäische. Im Museum Wiesbaden kann man das an Malereien, Zeichnungen und Grafiken studieren. Von Reinhold Gries

Dem stehen Exponate Alexej von Jawlenskys (1864-1941) gegenüber. Nicht nur, weil sich beide Künstler vom Dessauer Bauhaus kannten.

Das Wiedersehen beginnt mit Münchner und Schweizer Werken des „Blauen Reiters“ Jawlensky und führt zu dessen „Abstrakten Köpfen“ und „Meditationen“ der Wiesbadener Zeit. Dazwischen hängen gegenständlich verhaftete Frühwerke des Bauhaus-Meisters Albers, Experimentelles aus Berliner und Münchner Jahren, gefolgt von US-Serien „Violinschlüssel“ (um 1935), „Adobe“ (1947-54) und „Hommage to the Square“ (1959-71).

„Alexej von Jawlensky und Josef Albers: Farbe – Abstraktion – Serie“ noch bis 5. Februar im Museum Wiesbaden, Geöffnet: Dienstag von 10-20 Uhr, Mittwoch bis Sonntag von 10-17 Uhr

Beginnend bei unbekannten Bleistift- und Pinselzeichnungen zum Voralpenland, geht es beiden um Erkundung des Bildraums. Was bei Jawlenskys Umrisslinien wie abstrakte Notenzeichen einer Partitur wirkt, ist bei Albers zunächst lockerer gesetzt. Intensiv wie Matisse wirkt Jawlenskys französisch beeinflusste Fauve-Farbskala bei „Dame mit Fächer“ oder „Nikita“, während sich Albers zum Malen vorantastet. Ab 1914 dekliniert Jawlensky im Genfer Exil den Atelierblick zum Garten in vielen „Variationen“ durch, meist in pastellhaft zarten, abstrakten Farbflächen. Danach widmet er sich den „Gesichten“, immer neu deren geometrische Struktur vermessend. Von diesen „Abstrakten Köpfen“ findet der Erkrankte, mit NS-Ausstellungsverbot Belegte zu „Meditationen“, am Ende nur postkartengroß. Jawlensyks nach innen schauende Malexerzitien wirken wie moderne Ikonen seiner russischen Heimat.

Albers experimentiert ähnlich seriell, aber weniger spirituell. Geprägt vom Bauhaus, trennt der an Glaskunst Geschulte kräftige Farben und Formen durch klare Linien ab, lotet Farbwirkungen zueinander in mathematischer Akribie aus. Allerdings lässt er nach der „Violinschlüssel“-Serie in gespachtelten Gemälden wie „Christmas Shopping“ auch Pinselstriche vibrieren, um dann, angeregt von mexikanischen „Adobe“-Lehmziegelhäusern, zu rational gefügten Farbflächen zu kommen. Bei seinen Huldigungen an das Quadrat verschwinden gegenständliche Bezüge. Auch sie folgen einem Schema: Das innere Quadrat ist vom oberen Bildrand dreimal, von seitlichen Bildrändern doppelt so weit entfernt wie vom unteren. Solche Formreduktion bei intensiver farblicher Interaktion (vermittelt elementare Kraft.

Quelle: op-online.de

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